#57: Die Wilde Hölle

Ich schaue auf den Cursor meines Laptops und weiß zum ersten Mal nicht so richtig, wo ich anfangen soll… Vielleicht wieder mit der Planung, denn die war bei dieser Tour bereits etwas turbulent. Drei Anläufe hat es gebraucht, bis Niklas und ich einen passenden Tag gefunden haben. Ob das ein Zeichen war?

Man wird nicht jünger

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn euch während der Autofahrt auffällt, dass ihr etwas zu Hause vergessen habt? Dieses Gefühl bekam ich, als wir uns knapp 50 min auf der Autobahn befanden. F*** dachte ich mir, die Wanderschuhe stehen noch im Flur. Und welche Schuhe hatte ich an? Die weißesten Stoffschuhe, die ich besitze 😑 Nur gut, dass es vorher in der sächsischen Schweiz extra nochmal geregnet hatte 😒

Nach knapp zwei Stunden kamen wir am Parkplatz an. Ich verabschiedete mich jetzt schon innerlich von meinen Tretern 😅

Der Weg ist das Ziel

Das Wetter an dem Tag war mal wieder perfekt. Wolken – Nebel – Luftfeuchtigkeit. Das Grün im Wald sah herrlich aus. Schaut es euch am besten an. Man kann es kaum beschreiben, wenn man es nicht selbst gesehen hat 🤩

Als Erstes ging es für uns zu den Schrammsteinen. Die lagen mehr oder weniger auf dem Weg, also warum nicht dort anhalten. Doch irgendwas sah hier diesmal anders aus. Scheinbar wurden viele Bäume gefällt, zumindest kann ich mich nicht erinnern, letztes Jahr so eine Sicht auf die Felsen gehabt zu haben.

Während wir quatschten und durch den Wald liefen, bemerkten wir zuerst nicht, das wir an einer Gabelung falsch abgebogen sind. Irgendwie kam nicht die Leiter, die ich erwartete. Wie so oft, streikte mal wieder die WanderApp, also orientierten wir uns anhand der Bilder auf meinem Handy, die ich letztes Jahr hier geschossen habe 😂 Und siehe da, wir sind bereits einen guten Kilometer zu weit gelaufen. Also wieder zurück und schon waren wir nach zehn Minuten auf dem richtigen Weg.

Schrammsteinaussicht

Oben angekommen bot sich mal wieder eine fantastische Aussicht. Der Nebel zog durch Wald und Felsen, es sah klasse aus. Unten im Tal fuhr dann noch ein Güterzug vorbei, eine Szenerie wie in einem Miniaturland.

Zum Glück tauschte ich mein 18-105 mm gegen das 55-210 mm aus. Dadurch komme ich jetzt noch ein Stückchen weiter ans Motiv ran, wenn es mal sein muss (und leichter ist es auch noch). Natürlich habe ich auch ein paar klassische Weitwinkel – Aufnahmen von den Schrammsteinen mitgebracht 😉

Breite Kluft

Als die ersten Bilder im Kasten waren, ging es für uns weiter zur Breiten Kluft. Viel habe ich von der Aussichtsplattform noch nicht gehört, um genau zu sein, gar nichts. Aber ich kann sie jedem empfehlen. Die Aussicht ist phänomenal. Wenn man nichts erwartet, wird man oft positiv überrascht.

Carolafelsen

Zu guter Letzt stand der Carolafelsen auf dem Plan, das eigentliche Ziel für heute. In meinen Augen hat man hier eine der schönsten Aussichten in der Sächsischen Schweiz (zumindest bis jetzt, wer weiß was noch kommt 😉). Die letzten Kilometer verliefen ziemlich flach, eine wirklich anstrengende Steigung gab es seit der Schrammsteinaussicht nicht. War ja klar, dass nochmal was kommen musste 😅

Wie ich es bereits angedeutet habe, hat sich der Aufstieg wirklich gelohnt. Da es jedoch zunehmend voller wurde, war es Zeit für den Abstieg 😅

Wilde Hölle

Da wäre er nun, mein persönlicher Anfang vom Ende. Nein Spaß, aber ich hatte tatsächlich für eine Millisekunde überlegt, einfach wieder umzudrehen. Aber erstmal von vorne: Der Abstieg über die Wilde Hölle wurde offiziell als schwer eingestuft. Niklas wagte einen prüfenden Blick und meinte, so schlimm sieht das gar nicht aus. Und er hatte recht, der Anfang war ein Witz. Immer wieder schmunzelten wir, was an diesem Abstieg so schwer sein sollte….

Und dann kamen die Stiegen… Ich mit meiner leichten Höhenangst, nicht ganz schwindelfrei, habe gern festen Boden unter den Füßen. Irgendwelche Metalltritte in einer Felswand (und unter mir der Abgrund) zählen nicht wirklich dazu 🤢 Leute ich sage euch, da ging mir ganz schön der Stift. Die Beine schon leicht puddingartig und dann auch noch mit meinen hochprofessionellen Turnschuhen (eine glatte Sohle gabs gratis dazu). Der Blick eines jeden Wanderers der mir entgegenkam, unbezahlbar. Aber zum Glück kämpfte Niklas auch ein wenig mit dem letzten Stückchen. Dann lag es zumindest nicht an meinem Alter, denn er ist 11 Jahre jünger 😂

Das i-Tüpfelchen war die letzte steile Wand. Circa zwei Meter ging es senkrecht nach unten, ohne jeglichen Halt. Gut, eine Eisenstange gab es, die mir nicht viel brachte. Das Problem lag an dem unteren Stück. Ganz unten wartete eine Familie, die hoch wollte… jetzt kam auch noch Zeitdruck hinzu… Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie es ausgesehen haben muss, als ich versuchte, mit meinen Turnschuhen einen halbwegs sicheren Halt zu finden. Klar das mir das völlig missglückte. Als mein rechtes Knie halb in der Achsel hing, ertastete ich mit dem linken Fuß, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich einen der Gesteinsbrocken – springen kam für mich nicht infrage. Eine falsche Bewegung und der Knöchel wäre hinüber gewesen.

Aaaaaaaber ich habe es geschafft, sah aus wie ein Ferkel, hatte vermutlich einen puterroten Kopf und nahm das ganze mit Humor. Ob ich nochmal diesen Weg auswählen würde? Nur über meine Leiche. Gut, mit ordentlichen Schuhen, hätte das sicherlich etwas anders ausgesehen. Und wer schwindelfrei ist, lacht bestimmt eh darüber, aber mir hat es für den Tag eindeutig gereicht 😂

Die letzten zwei bis drei Kilometer ging es dann, im Verhältnis zum restlichen Tag, entspannt geradeaus weiter. Wir mussten uns beide eingestehen, dass wir uns für einen Tag etwas viel vorgenommen hatten. Wir wandern im Monat 2-3 Mal, sind quasi nicht viel gewohnt, aber die Tour hat uns einiges abverlangt. Aus fotografischer Sicht war es aber eine der Schönsten, die ich bisher gelaufen bin.

Ach ja und die Schuhe… die sahen gar nicht soooo schlimm aus, wie ich anfangs vermutete. Klar, grau ist das neue weiß, aber die Waschmaschine hat zum Glück ein kleines Wunder vollbracht 😂

Im nächsten Beitrag nehme ich euch mit ins Erzgebirge. So viel sei verraten, es wird mächtig schwarz 😜 Wenn ihr das nicht verpassen wollt, abonniert gern meinen Blog. Ich freue mich über jeden neuen Abonnenten 😃

23 Kommentare zu „#57: Die Wilde Hölle“

  1. Wow, welch beeindruckenden Bilder, man kann gar nicht glauben, dass es solche Orte in Deutschland gibt. Ich würde mir glatt solch eine Fotoserie von dir hinhängen 👍👍👍.
    Welche WanderApp benutzt du?

    LG Anja und Charly 🙋🏻‍♀️🐶

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    1. Oh das ist so lieb, vielen Dank 😍 Ich habe bis vor kurzem Mapsme mit kostenlosen Offlinekarten genutzt. Die App hat uns aber zu oft im Stich gelassen. Habe seit ein paar Tagen Outdooractive Pro und bin damit super zufrieden. LG zurück 🙋🏼‍♀️

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      1. Super, vielen Dank, die werde ich mir mal anschauen. Wir benutzen immer die komoot App.
        Hast du mal überlegt, vielleicht einen Kalender rauszubringen?
        LG 🙋🏻‍♀️🐶

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      2. Gerne 😉 Ich hatte letztes Jahr mal einen bei Instagram verlost und zwei im Bekanntenkreis verkauft. Vielleicht werde ich dieses Jahr ein paar mehr bestellen 😉 Ab und zu kommt nämlich mal so eine Anfrage 😅

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  2. Hallo Christiane,
    da hast Du nicht nur wieder eine herrliche Geschichte, sondern auch wieder wunderbare Bilder mitgebracht.
    Ich gebe zu, richtig angetan bin ich immer wieder von den Farben, in denen Du Deine Wanderwelt präsentierst. (Gibt es da ein besonderes Preset?)
    Besonders mag ich das Du nicht die sonnig schöne Welt einfängst, sondern auch immer wieder die neblig schönen Düstertage 👍
    Freue mich auch das nächste Abenteuer von Euch und den wieder weissen Turnschuhen.

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    1. Vielen lieben Dank Andreas 😃 Ich bearbeite meine Bilder in Lightroom und habe mir mit der Zeit einige Presets selber angelegt. Jede Tour ist farblich anders, d.h. ich passe den Farblook immer etwas an. Da ich jedoch nicht viel ändere, ist der Look oft ähnlich 😉
      Der nächste Beitrag ist schon in Arbeit, es fehlt nur noch der Text 😅
      Viele Grüße, auch von den wieder weißen Turnschuhe 😜

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    1. Ganz lieben Dank 😃 Wenn der Wetterbericht sagt, „bleiben Sie lieber zu Hause.“, gehe ich raus in die Natur 🤭 Und in der Sächsischen Schweiz hat man fast immer Glück mit Nebel 😉

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  3. Habe den Beitrag mit großem Interesse gelesen und ja die Neugier war natürlich auch vorhanden denn ich wollte wissen wie es mit den Schuhen weiterging.
    Super Story und super Fotos was will man mehr ! Die Tour wird sicherlich lange in Erinnerungen bleiben und das ganze kann man schon fast als Klettersteig Tour bezeichnen. Die Highlights toll in Szene gesetzt ! Also ein super Beitrag !!

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  4. Wunderschöne Fotos! Da fühle ich mich direkt wieder zurück in der Sächsischen Schweiz. Wir waren im Mai dort und haben die gleiche Tour gemacht, wie ihr hier. Allerdings war es bei uns wesentlich voller und ich konnte die Ausblicke und die abenteuerlichen Auf und Abstiege gar nicht richtig genießen.
    Liebe Grüße!

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    1. Vielen lieben Dank 🥰 Am besten immer ganz früh starten, dann hat man seine Ruhe 😉 Wir sind gegen 06:00 Uhr losgelaufen, ab 10:00 Uhr wurde es dann voller, da waren wir aber schon auf dem Rückweg 😉 Liebe Grüße

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