#56: Schwedenlöcher und Amselsee

Gewitterwarnung am Wochenende, ob ich da wirklich losfahren soll… zum Wandern? Grübelnd saß ich am Laptop vor dem Wetterbericht und war hin- und hergerissen. So viele Orte zum Fotografieren und ich kann mich mal wieder nicht entscheiden. Das Okertal im Harz, die Ziemestalbrücke im Schiefergebirge oder doch lieber die Schwedenlöcher in der Sächsischen Schweiz? Ich studierte die Wettervorhersage akribisch und nur in der Sächsischen Schweiz sollte es am Morgen etwas freundlicher werden. Freundlich heißt in meinen Augen, kein Regen oder Gewitter. Ich wollte spontan entscheiden. Der Wecker war für 05:30 Uhr gestellt. Mein Plan: Schlafe ich bis dahin, geht’s in den Harz, bin ich vorher wach, in die Sächsische Schweiz.

Eine kurze Nacht

03:26 Uhr schaute ich in der Nacht auf mein Handy. Normalerweise dreh ich mich um solche Zeiten nochmal rum, stand aber direkt auf. Nach einer kurzen Dusche sprang ich in die Wanderklamotten und lief zum Auto. Keine 10 Minuten später befand ich mich auf der A14 in Richtung Sachsen.

Ankunft in Lohmen

Die Fahrt verging wie im Flug, was eventuell auch an meiner Fahrgeschwindigkeit gelegen haben könnte. Kurz vor halb 6 Uhr kam ich am Bastei – Parkplatz an. Ein riesiger Feuerball stieg bereits während der Fahrt am Horizont nach oben. Meine Familie möchte gern schöne Bilder von Sonnenaufgängen. Ich also mit flinken Füßen unterwegs und hetzte zur Aussicht kleine Gans.

Vom Sonnenaufgang war weit und breit nichts mehr zu sehen. Der Vorteil, wenn man kein Schönwetterfotograf ist, mir war es völlig egal. Gibts halt doch wieder nur Regenfotos zum Zeigen 😂 Mein Ziel war eh nicht der Sonnenaufgang. Ehrlich gesagt habe ich an diesem Wochenende nicht mal damit gerechnet, die Sonne überhaupt zu sehen.

Die Schwedenlöcher

Starten wir nun mit dem eigentlichen Ziel, die Schwedenlöcher. Wie vielleicht der ein oder andere bereits mitbekommen hat, ist mein Orientierungssinn irgendwann mal ins Klo gerutscht. Viel zu oft verlasse ich mich auf diese nervigen Wander – Apps, die einen dann doch wieder nur irgendwelche dämlichen Hänge hinaufschicken. Diesmal war der Weg so gut ausgeschildert, dass selbst ich ohne App durch den Wald zog. Der Eingang zu den Schwedenlöchern war nicht zu übersehen.

600 Stufen warteten auf mich, zum Glück nach unten. Wäre ich die Stufen bei diesem Wetter hoch gelaufen, hätte man mich am Ende mit einem Sauerstoffzelt empfangen müssen. Die Temperaturen waren mit ca. 23 Grad relativ angenehm, nur die Luftfeuchtigkeit war gigantisch hoch. Bevor sich unter der Jacke ein Biotop entwickelte, zog ich die lieber aus und verstaute sie im Rucksack.

Wer bis jetzt noch nicht durch die Schwedenlöcher gelaufen ist, sollte das unbedingt nachholen. Was für eine wunderschöne Schlucht. Links und rechts türmen sich riesige Felswände auf, alles ist grün, es duftet nach Natur. Klar, dass die Finger auf dem Auslöser nicht lange still hielten.

Ich hätte mir hier ein bisschen mehr Nebel gewünscht, aber eigentlich will ich auch gar nicht meckern. Die Sonne schien nicht, Grund genug, zufrieden zu sein 🤭😅

Gefühlt nahmen die Stufen kein Ende. Kurzzeitig überlegte ich wirklich, ob ich irgendwo hätte abbiegen müssen, was total unlogisch war. Es sei denn, ich kann durch Felsenwände laufen 😑 Aber nach knapp einer Stunde und gefühlten 100 Bildern schwerer, kam ich dann endlich im Tal an. Vor mir lag das 2. Highlight an diesem Tag, der Amselsee.

Traumhafter Amselsee

Irgendwann entdeckte ich den Spot auf Instagram, ich glaube im Herbst. Wie so oft, vorher nie etwas davon gehört, aber sofort verliebt. Durch den leichten Nebel an diesem Tag kam eine richtig tolle Stimmung hinzu. Die Boote trieben in einer Reihe festgezurrt auf dem Wasser, man hörte nur die Vögel zwitschern und den Regen leise auf die Wasseroberfläche prasseln. Bis hierher kam mir nur ein einziger Mensch entgegen, ebenfalls Fotograf, mit Kamera und Stativ in der Hand. Selten, dass man sowas in der Sächsischen Schweiz erlebt, dafür umso schöner. Besser kann man vom Alltag nicht abschalten.

Nachdem sich der Amselsee auch auf meinen Sensor gebrannt hatte, lag der etwas unangenehmere Teil vor mir. Um zurück zum Auto zu gelangen, blieben zwei Möglichkeiten: Entweder ich laufe die 600 Stufen durch die Schwedenlöcher zurück, oder ich nehme den Aufstieg in Rathen zur Bastei. Und da ich die Schwedenlöcher jetzt leider schon kannte, blieb ja nur der Weg zur Bastei übrig 😜 (600 Stufen nach oben bei einer Luftfeuchtigkeit von gefühlten 100 %, ich bin ja nicht irre).

DSC00155

Auf zur Bastei

30 Minuten sollte der Aufstieg zur Basteibrücke dauern, klingt erstmal nach einem Klacks. Aber selbst das war bei dem Wetter mehr als anstrengend. Ich habe in meinem Leben glaube noch nie so sehr geschwitzt, nicht mal bei 39 Grad im Sommer. Dass es dann anfing zu regnen, war regelrecht erlösend und angenehm.

Bis jetzt bin ich noch nie zur Bastei hochgewandert und ich muss sagen, es lohnt sich. Ich habe tatsächlich einen Aussichtspunkt entdeckt, den ich so noch nicht kannte. Eigentlich ein perfekter Platz, um am Morgen eine Kleinigkeit zu frühstücken 😂

Nachdem ich dann endlich oben an der Brücke angekommen war, gibts ab jetzt nicht wirklich etwas Neues zu erzählen. Wer meinen Blog verfolgt, weiß wie es hier aussieht. Aber irgendwie muss man dann trotzdem immer wieder das ein oder andere Bild schießen. Ich konnte es einfach nicht lassen. Es folgen einige Eindrücke 😂

Auch wenn man immer wieder denkt, alles fotografiert zu haben, kommen neue Perspektiven zum Vorschein, was vermutlichen dem Wetter zu verdanken ist. Im Sonnenschein wirkt alles anders, als wenn man hier im Regen entlang läuft.

Mittlerweile war es kurz vor 09:00 Uhr und ich überlegte, wo ich noch eine kurze Runde drehen könnte. Jetzt schon zurückfahren wollte ich nicht. Das einzige, was mir einfiel, war Rathewalde. Eine kleine kurze Strecke zum Amselfall und zurück.

Rathewalde

Irgendwie merkte ich bis jetzt die über 3-stündige Wanderung noch nicht in den Beinen. Das war wohl der Hauptgrund, warum ich noch irgendwas anderes ansehen wollte.

In Rathewalde angekommen regnete es sich langsam ein.

Nachdem ich an den berühmten Häuschen vorbeilief, ging es tiefer in den Wald. Und wie ich es mir erhoffte, gab es hier ebenfalls ein dschungelartiges Feeling.

Irgendwie habe ich die Stufen zum Amselfall runter etwas unterschätzt, zumindest spürte ich jetzt den Tag in den Beinen. Dass ich das anschließend alles wieder hoch musste…. da wollte ich erstmal noch nicht dran denken.

Wenn man als Zielfoto den Amselfall vor Augen hat, kneift man die Arschbacken zusammen und zieht durch. Wer die Gegebenheiten vor Ort kennt, wird wissen, warum es gar nicht so einfach ist, den Amselfall aktuell zu fotografieren. Man muss sehr kreativ werden, um ein schönes Bild einzufangen.

DSC00312

Ein mehr als gelungener Tag, würde ich sagen. Nach der Runde war ich aber auch mächtig platt. Die hohe Luftfeuchtigkeit hat einem doch einiges abverlangt, aber es hat sich definitiv gelohnt.

Im nächsten Beitrag wird’s wild, um genau zu sein, zeige ich euch unter anderem die Wilde Hölle. Und ja, die heißt nicht nur so. Für den einfachen Wanderer wird die schnell zur Hölle, auch wenn sie wunderschön ist. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, abonniert gern meinen Blog, ich würde mich riesig darüber freuen.

9 Kommentare zu „#56: Schwedenlöcher und Amselsee“

  1. Wirklich cool Chrisi. Dass es solche tollen Ecken bei uns gibt, von denen man denken könnte, sie würden irgendwo in Bayern sein, haut mich echt um. Wunderschöne Aufnahmen, die wiedermal meinen Geschmack extrem treffen. Düster und bedrohlich. Schönes Wochenende und Liebe Grüße.

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