#218: Wanderung zu den Schwedenlöchern

Es war wirklich schon eine halbe Ewigkeit her, seit ich das letzte Mal eine richtige Nebelsuppe vor der Kamera hatte. Doch an diesem Frühlingstag war es endlich wieder soweit. Wir hatten uns für eine Wanderung zu den Schwedenlöchern entschieden – ein Ort, der im Nebel noch geheimnisvoller wirkt. Schon beim Ankommen am Wanderparkplatz war die Stimmung einfach perfekt: dichter Nebel hing in der Luft, alles war ruhig, fast schon mystisch. Man spürte sofort – heute wird ein besonderer Tag. Jetzt waren wir nur noch gespannt, wie es an der Bastei aussehen würde. Wenn der Nebel dort genauso zaubert wie am Parkplatz, dann steht uns noch ein echtes Highlight bevor.

Rund um die Bastei

Je näher wir der Aussicht kamen, desto dichter wurde der Nebel – ein Augenschmaus für die Kamera! Klar, man sagt ja oft, bei Aussichten ist weniger manchmal mehr. Aber ganz ehrlich? Für mich gehört der Nebel dazu. Es gibt nie zu viel davon, vor allem nicht, wenn sich die Felsen so sanft und geheimnisvoll aus dem Dunst schälen. Ich war voll im Flow, komplett versunken in der Suche nach neuen Blickwinkeln. Und das, obwohl ich schon zig Mal hier oben war. Aber genau das liebe ich an diesem Ort: Er zeigt sich jedes Mal von einer anderen Seite.

Je nach Licht, Wetter und Stimmung entdeckt man immer wieder neue Ecken, neue Kompositionen, neue Stimmungen. Es war, als hätte der Nebel die Bastei in eine andere Welt verwandelt – leiser, sanfter, fast ein bisschen entrückt. Und ich mittendrin, mit Kamera in der Hand und dem Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Die Basteibrücke

Nachdem wir die ersten beiden Aussichten abgegrast hatten, ging’s weiter zur Basteibrücke – dem Klassiker schlechthin. Der Nebel war immer noch präsent, dicht und geheimnisvoll, genau so, wie ich’s liebe. Leider war die Felsenburg noch immer gesperrt. Und langsam hab ich das Gefühl, dass sich daran so schnell auch nichts ändern wird… ehrlich gesagt, befürchte ich mittlerweile, dass sie vielleicht gar nicht mehr für Besucher geöffnet wird. Ein Gedanke, der echt weh tut – denn dieser Ort ist einfach besonders. Zum Glück durfte ich ihn vor gut einem Jahr nochmal im Nebel erleben. Und diese Erinnerung ist Gold wert. Trotzdem: Ich geb die Hoffnung nicht auf. Drückt die Daumen mit mir, dass dieses schöne Fleckchen Erde irgendwann doch wieder begehbar wird. Es hätte es sowas von verdient.

Weiter zum Amselsee

Wir entschieden uns, weiter in Richtung Amselsee bergab zu laufen – vielleicht wartete dort unten ja noch ein kleines Nebelwunder auf uns. Unterwegs trafen wir ein älteres Ehepaar, das gerade von dort kam. Sie erzählten uns, dass unten alles komplett im Nebel lag und man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Genau unser Ding! Unsere Hoffnung stieg schlagartig – das klang fast zu gut, um wahr zu sein. Doch je tiefer wir kamen, desto mehr verzog sich der Nebel. Statt milchiger Schleier: klare Sicht. Statt geheimnisvoller Stimmung: ganz normale Frühlingsluft. Ich muss zugeben, ich war kurz ein bisschen enttäuscht – aber aufgeben? Kam nicht in Frage. Wer weiß, vielleicht versteckte sich der Nebel nur kurz hinter der nächsten Kurve. Ich hielt die Augen offen – und die Kamera bereit.

Und tatsächlich – unten am Amselsee war vom Nebel keine Spur mehr zu sehen. Alles war bereits verflogen, als wir ankamen. Man konnte zwar noch gut erkennen, wie oben über den Baumwipfeln der Dunst hing und die Felsen in Watte tauchte, aber hier unten? Fehlanzeige. Das Spektakel hatten wir verpasst.

Na gut, vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. So ist das eben mit dem Nebel – launisch, unberechenbar, aber genau das macht ihn ja auch so besonders. Bis jetzt hatte ich tatsächlich nur ein einziges Mal das Glück, den Amselsee mit ein bisschen Nebel zu erleben. Und dieser eine Moment war magisch genug, um immer wiederzukommen. Denn wer weiß – vielleicht wartet das nächste kleine Nebelwunder ja genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Auf dem Weg zu den Schwedenlöchern

Aber unser eigentliches Ziel an diesem Tag waren ja die Schwedenlöcher – zumindest spontan. Denn wenn wir ehrlich sind: Ich hatte nie wirklich vor, die jemals nach oben zu laufen. Du wirst lachen, aber ich bin die bestimmt schon fünf oder sechs Mal runtergelaufen… aber eben nie den umgekehrten Weg. Liegt wahrscheinlich daran, dass da echt eine ganze Menge Treppen auf einen warten. Und wer tut sich das freiwillig an, wenn’s auch anders geht? 😄 Aber gut – an diesem Tag sollte ich genau das mal wagen. Und ich sollte dabei noch eine kleine Lektion fürs Leben mitnehmen. Mehr dazu erzähl ich dir gleich…

Auch in den Schwedenlöchern verzog sich langsam der Nebel, und die Sonne kam raus. Erst war ich ein bisschen enttäuscht – ich hatte auf moody Nebelbilder in der Schlucht gehofft. Aber was uns dann erwartete, war einfach nur geil. Die Sonne brach durch den zarten Dunst, der sich noch über den Wald gelegt hatte und tauchte alles in ein warmes, fast märchenhaftes Licht. Und obwohl ich sonst echt kein großer Fan von Sonne bin (außer natürlich zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, klar), muss ich sagen: Lichtstrahlen im Wald? Die gehen einfach immer. Jeder Schritt nach oben wurde begleitet von diesen magischen Momenten zwischen Licht und Schatten. Kamera hoch, Klick – und zack, wieder so ein Bild, das man nicht planen kann. Man muss einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Nach Licht kommt Schatten

Auch wenn dieser Moment mit dem magischen Licht nur kurz anhielt – er war einfach fantastisch. So einer, der hängen bleibt. Danach ging’s dann stetig bergauf. Und weißt du was? So schlimm, wie ich’s mir immer vorgestellt hab, ist der Aufstieg durch die Schwedenlöcher gar nicht. Gut, ich geb’s zu: Wir haben ständig angehalten, um Fotos zu machen. Aber genau das war wahrscheinlich das Geheimrezept. Wenn man den Weg entspannt angeht, nicht hetzt, sondern sich Zeit nimmt – dann ist der Aufstieg gar nicht so wild. Und ganz ehrlich: Das Hirn ist viel zu sehr damit beschäftigt, all die Schönheit um einen herum aufzusaugen, als dass es realisiert, dass man eigentlich schwitzt. Zwischen moosbedeckten Felsen, dem Plätschern irgendwo in der Ferne und dem letzten bisschen Nebel in der Luft vergisst man glatt, dass es eigentlich bergauf geht.

Fazit Schwedenlöcher

Oben angekommen, war ich zwar gut durchgewärmt, aber irgendwie auch total zufrieden. Die Mischung aus Nebel, Licht und dieser spontanen Entscheidung, die Schwedenlöcher mal andersrum zu laufen, hat diesen Tag für mich echt besonders gemacht. Manchmal braucht es gar keinen großen Plan. Nur ein bisschen Wetterglück, gute Schuhe, eine Kamera – und die Offenheit, sich überraschen zu lassen. Ich glaube, genau das macht solche Touren für mich so besonders: Jeder Moment fühlt sich ein bisschen wie ein Geschenk an.

Und wer weiß – vielleicht hab ich bei der nächsten Wanderung zu den Schwedenlöchern mit dem Nebel noch etwas mehr Glück. Doch nächste Woche nehme ich dich erstmal mit zu den Pohlshörnern. Ich bin mir bis heute zwar unschlüssig, ob ich die Wanderung aus fotografischer Sicht wirklich gut fand oder nicht… aber eines ist sicher: Ich möchte sie dir definitiv nicht vorenthalten. Also, wenn du nichts verpassen willst, lass gern ein Abo da – du weißt schon, für die Abenteuer, die noch kommen.

Wandbilder, Kalender und Poster gibt’s hier:

6 Kommentare

  1. Wahnsinn, sehr beeindruckend 😍 Ich liebe diese Laterne 😍 LG

  2. Sehr schön und eindrucksvoll! Im Nebel habe ich es nicht erlebt – aber vor anderthalb Jahren war es auch tagsüber wunderschön, geheimnisvoll und romantisch dort!

  3. Deine bergauf-Erfahrung kann ich nur bestätigen, auch wenn es bei mir eher andersrum ist: Mangels Kondition muss ich verschnaufen, dann schaue ich mich um und finde Motive (und mein Mann sagt hinterher „Wo war das denn? Das habe ich gar nicht gesehen!).
    Du hast wunderschöne Photos gemacht. Ich gratuliere zudem beglückenden Ausflug!

    • Ganz lieben Dank. Das geht mir wirklich so oft so. Wobei auch mir sowas passiert, wenn ich mit anderen Fotografen unterwegs. Immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich der Blick ist.

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