#197: Der Gohrisch im Nebel

Der Sommer meinte es im letzten Jahr nicht sonderlich gut mit mir. Immer wenn es regnete, hatte ich keine Zeit zu fotografieren und wenn ich Zeit hatte, war es mächtig trocken. Doch an einem Nachmittag Anfang August war es plötzlich soweit…. graue Wolken zogen über die Sächsischen Schweiz und auf dem Wetterradar entdeckte ich eine blaue Front. Gemeinsam mit Denise überlegte ich hin und her, welchen Spot wir uns anschauen wollten. Und schnell war klar, noch nie war ich auf einer Sommerwanderung rund um den Gohrisch unterwegs. Meist bin ich dort nur zum Sonnenaufgang oder zum Sonnenuntergang hoch. Jetzt war es an der Zeit: Der Gohrisch im Nebel war fällig.

Der Aufstieg

Auch wenn es relativ eindeutig war, dass es eine Schlechtwetterfront geben könnte…. ganz so sicher war ich mir nicht. Denn es wollte einfach nicht düster werden. Aber gut, von Pirna aus dauert es eh circa zwanzig Minuten, bis wir vor Ort wären, also blieb ich erstmal ganz entspannt. Wobei ich tatsächlich mächtig hippelig war, weil ich so einen Bock auf Regen hatte. Man mag es kaum glauben, aber ja. Das passiert relativ oft. Vor Ort stellte ich dann fest, Nebel gab es zwar keinen, aber es war grau und begann zu nieseln. Joar, da lässt sich was draus machen, würde ich sagen.

Die steife Brise auf dem Gohrisch

Keine dreißig Minuten später hieß es dann: Ich wollte Scheißwetter, ich bekam Scheißwetter…. aber so richtig. Oben auf dem Berg pfiff uns der Wind ordentlich um die Nase und der Regen kam schön von der Seite. Es war so derb, dass uns teilweise die Kapuzen vom Kopf flogen. Wie viel Wind es gab, kannst du ganz gut auf dem Querbild erkennen, auf dem Denise an der Aussicht steht. Die Jacke hatte sich ordentlich aufgeplustert. Aber ich fand es immer noch gut. Joar, ein bisschen anstrengend, weil auf der Objektivlinse permanent Tropfen waren, aber wer das eine will, muss das andere mögen.

Der Nebel ließ weiterhin auf sich warten, der alte Schlawiner. Aber ich habe Geduld. Gut, eigentlich nicht, aber ich übe mich seit einigen Monaten darin. Gemeinsam mit Denise und Murphy schlenderte ich also erstmal gemütlich durch den Wald. Die Bäume schützten uns etwas vor dem Regen und das Grün….. also dieses Grün war so unglaublich hübsch. Und als sich der Dicke dann auch noch ins Farn setzte und mich mit seinen großen braunen Augen ansah…. ja da war’s egal, ob es Nebel gab oder nicht. Das war einfach nur zuckersüß.

Nebel zieht durchs Tal

Tja und dann ging plötzlich alles ganz schnell… der Nebel zog aus dem Tal immer höher und ließ sich an der Aussicht nieder, mit Blick zur Hunskirche am Papststein. Genau das Motiv, was ich soooo gern einfangen wollte. Es war einfach perfekt und hätte schöner nicht sein können. In der einen Minute war der Felsen noch sichtbar, in der nächsten konnte man ihn nur noch erahnen.

Ich hing sabbernd vor meiner Kamera und litt mal wieder an völliger Reizüberflutung. Das passiert oft, wenn eine Stimmung so geil ist, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Aber ruhig Blut, ich konnte mir denken, dass er nicht gleich nach fünf Minuten wieder verschwand. Manchmal kann man gar nicht so schnell gucken, gerade wenn es windig ist und zack, ist er weg. Aber an diesem Tag hatten wir richtig viel Glück.

Durch den Nebelwald

Ich wollte mich von der Aussicht gar nicht trennen, aber vielleicht finden wir ja noch ein bisschen Nebel im Wald, das war zumindest meine leise Hoffnung. Wir machten uns daher auf den Weg zurück zum Auto und das Schöne am Gohrisch ist: Du musst nicht den gleichen Weg runterlaufen, den du hochgelaufen bist. Vor uns lag also ein riesiges Waldstück, was es zu entdecken gab. Und was soll ich dir sagen, die Suppe hing genau dort fest. Geil!

Leider hielt sich der Nebel nur auf einer bestimmten Höhe und je tiefer wir kamen, desto weniger wurde es. Aber das ist überhaupt nicht schlimm. Der Nachmittag war trotzdem unglaublich schön, auch wenn ich mich im Anschluss auf die warme Dusche und heiße Pizza freute. Man könnte sagen, ich war nass bis auf den Schlüppi. Aber ab und an muss sowas auch mal sein. Und ich denke, die Dusche und die Pizza hatten wir uns mehr als verdient.

Ich hoffe, dir hat der Gohrisch im Nebelkleid genauso gut gefallen wie mir. Der Berg ist wirklich immer einen Ausflug wert, egal bei welchem Wetter. Im Herbst durfte ich ihn bisher noch nicht ablichten, fällt mir da ein. Ich denke, das sollte ich in diesem Jahr definitiv ändern, dann habe ich alle Jahreszeiten durch.

Beim nächsten Mal nehme ich dich mit zur Gautschgrotte im Polenztal. Auch hier hatte ich endlich wieder mehr Glück mit dem Wetter, auch wenn es nicht neblig war. Wenn du Bock drauf hast, mitzukommen, lass gern ein Abo da und ich gebe dir Bescheid, wenn der Beitrag online ist.

Unzählige Wandbilder, Kalender und Poster gibt’s hier:

3 Kommentare

  1. Die Nebelbilder auf der Bergkuppe sind besonders schön, die im Wald aber auch.
    Ich mag allerdings Sonnenaufgänge und -untergänge noch lieber sehen.

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