#61: 13 Stunden Sächsische Schweiz

Das Thermometer sprang auf über 30 Grad, die Sonne ballerte einem förmlich ins Gesicht und der Feierabend stand vor der Tür. Ich grübelte, was man mit so einem Nachmittag anfangen soll. Vor den Pool legen ist nicht mein Ding, dafür sollte ich noch den ganzen Samstag Zeit haben. Ich fand den letzten Sonnenuntergang im Harz so klasse, dass ich überlegte, wieso nicht in die Sächsische Schweiz fahren? Aber extra 2 Stunden fahren, für eine Stunde Sonnenuntergang? Neeee… über Nacht bleiben und noch den Sonnenaufgang mitnehmen? Da kommen wir der Sache schon näher.

Ich grübelte, fahren/ nicht fahren, lohnt es sich wirklich, alleine loszudüsen? Nachdem ich mit meinem Mann schrieb und er mich bekräftigte, mach das doch, packte ich meine sieben Sachen, räumte mein Auto auf und fuhr los. Im Gepäck ein kleines Kissen, eine Decke, Verpflegung und Kamera – Equipment.

So fuhr ich also 16:00 Uhr in Richtung Sächsische Schweiz. Auf der Autobahn herrschte die reinste Blechlawine. Zum Glück bin ich rechtzeitig losgefahren und hatte somit genügend Zeit bis zum Sonnenuntergang.

Parkplatz am Gohrisch

Nach über zwei Stunden kam ich endlich an und die Temperaturen kletterten nicht wirklich nach unten. Ich verstaute eine dünne Jacke für abends im Rucksack, packte ein kühles Radler ein und wanderte den kurzen Aufstieg zum Gohrisch hoch. Oben angekommen ist die Aussicht phänomenal. Vor kurzem war ich zum ersten Mal auf dem Carolafelsen und dachte, das wäre die beste Aussicht. Aber was man auf dem Gohrisch sieht – Holla die Waldfee.

Bis auf zwei Pärchen war die Aussichtsplattform leer. Ich machte es mir ein paar Meter abseits bequem, öffnete mein Radler und genoss die Weitsicht. Bis zum Sonnenuntergang waren es noch zwei Stunden, die aber ohne Probleme verflogen.

Als es endlich losging, wurde es auf der Plattform allmählich kuschlig. Immer mehr Menschen wollten sich ebenfalls den Sonnenuntergang ansehen. Ich hatte mir ein Plätzchen relativ weit vorne gesichert, sodass kein Kopf im Weg war.

Das Licht wurde von Minute zu Minute schöner, nur der Nebel blieb leider aus. Aber kein Problem, es war trotzdem traumhaft. Als die ersten Bilder im Kasten waren, entschied ich mich ein Stückchen weiter herunterzuklettern, um dort weitere Motive einzufangen. Nachdem die goldene Stunde vorbei war, wechselten die Farben von rot-orange zu blau-lila. Bis jetzt hat sich die Fahrt definitiv gelohnt.

Auf zur Bastei

Gegen 22:00 Uhr saß ich auch schon wieder im Auto. Der Abstieg ging relativ flott. Wer es noch nicht wusste, alleine im Dunkeln bin ich der Schisser No. 1 🙂 Und es wurde von Minuten zu Minuten düsterer. Knapp 15 Minuten bin ich gefahren, suchte mir eine ruhige Ecke auf dem Bastei-Parkplatz und machte es mir auf der Rücksitzbank bequem – zumindest war das der Plan. Ich schrieb nebenbei mit Sven, verputzte ein wenig Brot mit Salat und genoss einfach mal die Ruhe. Ich fragte Sven, ob er nach seiner Schicht noch Lust hätte, herzukommen. Er überlegte nicht lange und obwohl auch er bereits den ganzen Tag auf den Beinen war, setzte er sich ca. 23:30 Uhr ins Auto und für los.

gohrisch_bastei-58

Währenddessen versuchte ich in Embryonalstellung irgendwie ein Auge zuzubekommen, scheiterte aber kläglich. Mein Auto war einfach zu klein. Wenn es hochkommt, verschwand ich für eine halbe Stunde im Land der Träume, aber die restliche Zeit versuchte ich einfach nur zu ruhen und halbwegs bequem zu liegen, ohne das ich mir irgendwelche Arterien abklemmte. Wenn ich das nächste Mal alleine mit meinem Auto über Nacht weg bin, muss ich mir irgendwas anderes überlegen.

Halb 2 in der Nacht kam Sven angedüst. Ich hatte mein Fenster ein Stück geöffnet und es war so ruhig draußen, dass ich ihn bereits in der Ferne hörte. Kaum parkte er sein Auto neben meinem, stieg ich aus und streckte meine Glieder durch. Nach dem ein oder anderen Knacken, schnappten wir uns die Kamera und zogen los.

Als Erstes wollte ich mir den Spot für den Sonnenaufgang ansehen. Nachdem wir knapp 100 – 200 Meter durch den Wald liefen, duftete es plötzlich so extrem nach Wildtier, dass wir uns dazu entschieden, später nochmal herzukommen. Ich konnte zwar mit der Taschenlampe nichts entdecken, aber unser Gefühl sagte uns, dass wir lieber umdrehen sollten. Also doch zur Wehlsteinaussicht, um ein paar Nachtbilder einzufangen. Ich weiß gar nicht, wann ich Sven das letzte Mal gesehen habe, aber es muss weit vor Corona gewesen sein. Die Gesprächsthemen gingen uns zumindest nicht aus.

Nach über einer Stunde starteten wir einen zweiten Versuch und gingen erneut zur Sonnenaufgangslocation. Und diesmal zum Glück ohne befremdlichen Geruch. Nachdem wir das Ziel erreicht hatten, stellte ich ernüchternd fest, dass es sich hier nicht um die Location handelt, die ich vermutete. Hmm…also doch etwas klassisches für heute – die Basteibrücke.

Basteibrücke

Anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang kamen wir an der Aussichtsplattform an und bis auf eine weitere Person, war niemand anzutreffen. Und selbst die verschwand kurz nach unserer Ankunft. Meine Hoffnung wuchs, hier vielleicht doch einen ruhigen Aufgang erleben zu können – denkste. Kurz vor halb 6 Uhr kamen immer mehr Menschen. Ich hasse es, wenn mir einer in den Nacken atmet und an diesem Morgen war es nicht nur einer. Locker 10 – 15 Personen tummelten sich auf dieser Plattform – Sven und ich direkt vorne – das ist ja genau meins. Eins kann ich euch sagen, dieser Fehler passiert mir nie wieder. Eigentlich kenne ich ja dieses Stativgerangel hier, aber da bis Sonnenaufgang keiner weiter anzutreffen war, erhoffte ich mir ein Wunder.

Naja, jedenfalls sackten Sven und ich ein paar Bilder von der Sonne ein und verpieselten und schnell wieder nach unten. Pralle war der Aufgang eh nicht – ein Bild was schon Hunderttausend vor mir geschossen haben, ist einfach nicht mein Ziel. Dann fehlte auch noch der erhoffte Nebel und ein paar Wölkchen… Wir drehten eine kleine Runde an dieser Location, entschieden uns dann aber zurück zum Auto zu laufen. Kann halt nicht immer alles klappen.

Nach 13 Stunden befand ich mich wieder auf der Autobahn in Richtung Heimat. Ein Gesprächspartner hätte mir diesmal echt gutgetan, da ich durch den fehlenden Schlaf ziemlich müde war. Ein Hoch auf den Podcast von Christian Mate Grab. Der war aufmunternd genug, um die knapp zwei Stunden Fahrt irgendwie über die Bühne zu bringen.

Ich hoffe, die Tour hat euch gefallen. Der nächste Trip in die Sächsische Schweiz ist schon in Planung. Den Spot, den ich am Morgen fotografieren wollte, habe ich nun glaube gefunden. Ihr dürft gespannt sein, ob es beim zweien Versuch geklappt hat. Und sobald das Wetter wieder etwas schlechter wird, bringe ich euch auch die gewohnten düsteren Bilder mit. Bis dahin heißt es, Sonne satt. Wollt ihr das nicht verpassen, abonniert gern meinen Blog, ich freue mich auf euch.

22 Kommentare zu „#61: 13 Stunden Sächsische Schweiz“

    1. Daaaanke, total lieb 😍 Du wirst lacheb, ich fahre eigentlich am liebsten bei Regen und trüben Wetter hin 😅 Aber aktuell bleibt mir nix anderes übrig, wenn ich fotografieren möchte. Das Wetter ist einfach zu sonnig 😅

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  1. Wow, das war wieder eine tolle Tour. Die Bilder vom Sonnenuntergang sind ein Traum. Hätte ich gar nicht erwartet, dass sich dort zu Sonnenauf- und untergang viele Leute herumdrücken. Vielleicht bringt mich das auf eine Idee… mir die Nacht um die Ohren schlagen, ist zwar nicht meins, aber früh aufstehen Kriege ich hin.

    Gefällt 1 Person

  2. Hi Wanderblende, jetzt verstehe ich auch deinen „Namen“. Danke, dass du meine Einträge schon mehrfach mit einem like versehen hast. Deine Seite(n) finde ich sehr schön gestaltet und es liest sich auch sehr süffig. Ich wollte dir auf meinem Blog Danke sagen…. Aber ich hab’s noch nicht rausgefunden, wie es geht. Wie ich sehe, habe ich in alle Richtungen noch viel Potenzial nach oben. Bin noch am Lernen. Ich wünsche dir weiterhin viele interessante Objekte vor der Linse! Liebe Grüsse Corrnelia
    PS: Du hast sicher an gewissen Ausdrücken in meinen Texten gemerkt, dass ich aus der Schweiz bin. Ist eben Schweizer-Deutsch, ha, ha, ha.

    Gefällt 2 Personen

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