#70: Oderteich & Wolfswarte

Nach dem Höchsten und Herrlichsten mußt du ringen, wenn dir das Schöne zuteil werden soll. Caspar David Friedrich (1774 – 1840)

Ich weiß, eigentlich wollte ich euch diesmal ein bisschen was von der Ostsee zeigen. Doch die Bilder vom vernebelten Oderteich waren so schnell auf der Speicherkarte und anschließend in Lightroom, dass die Ostsee noch ein wenig warten muss. Monatelang habe ich auf genau diese Wetterbedingungen gewartet.

Oderteich – eine Hassliebe

Ich weiß nicht, wie oft ich in der Vergangenheit zum Oderteich gefahren bin, irgendwas hatte ich immer zu meckern. Entweder war er halb leer, zugefroren, dann gab es keinen Nebel, oder es war sonnig… man hat schon richtige Probleme als Fotografin. Doch diesmal sollte es anders werden.

Der Vorteil an der kalten Jahreszeit, man muss nicht mitten in der Nacht aufstehen, um zum „Sonnenaufgang“ an einer Location zu sein. Gegen 05:00 Uhr ist völlig ausreichend – länger schlafe ich in der Woche auch nicht.

An diesem Tag begleitete mich Sven in den Harz. Wie gewohnt schlürfte er müde mit seinem Kaffeebecher aus dem Haus und stieg zu mir ins Auto.

Nach einer Stunde kamen wir in Torfhaus an. Meine Hoffnung auf Nebel zerschlug sich, denn weit und breit war nichts zu sehen. Dann wird es am Oderteich nicht anders aussehen, dachte ich mir noch. Doch weit gefehlt. Kaum verließen wir den Ort, begann die Nebelsuppe. Und sie wurde immer dichter. Teilweise war es so schlimm, dass ich auf 20-30 km/h runterbremsen musste.

Sven konnte beobachten, wie ich mich von Minute zu Minute mehr freute. Ob er genauso glücklich über den Nebel war wie ich? Ich weiß es nicht. Vielleicht war er nicht ganz so euphorisch wie ich, aber für ein paar Herbstbilder dürfte die Stimmung auch für ihn perfekt gewesen sein.

Wir stiegen aus dem Auto und für einen Moment war ich die glücklichste Fotografin im Harz. Ein ähnliches Gefühl kenne ich von früher, wenn am Heiligabend die Bescherung stattfand. Wir schnürten unsere Wanderstiefel fest, holten die Kameras aus den Rucksäcken und liefen Richtung Wasser.

Ich sammelte mich kurz, um nicht wie wild drauflos zu fotografieren. Das passiert mir bei so einem Wetter schnell, weil ich nicht weiß, wie lange es anhält.

Klar war auch, dass mein Kumpel Sven als Fotomodel herhalten musste. Zuhause ist mir sogar aufgefallen, dass ich ein ähnliches Bild bereits 2018 geschossen habe. Man entwickelt sich zwar in der Fotografie weiter, aber bestimmte Motive stechen einem immer wieder ins Auge.

Die Stimmung im Wald war beinahe noch schöner, als die am Ufer des Wasserspeichers. Es sah märchenhaft aus. Ja ich gebe zu, wie in einem Grusel-Märchen. Aber lieber gruselig, als sonnig 😄

Vor allem diese unendliche Stille entschleunigt einen im Nu. Man hört nur den Wind, der durch die teilweise kargen Bäume zieht und ein leises Knacken auslöst.

Die Bäume auf der anderen Seite ließen sich nur erahnen. In einem Moment, erkannte man leichte Silhouetten und im Nächsten war alles nur noch grau. Wenn man dann noch Stimmen hört und keinen sieht, ist die Gruselstimmung perfekt.

Kurz bevor wir unsere Runde zu Ende brachten, stach ein weißes Kleid aus dem Nebel hervor. Sven und ich grübelten, was das sein soll. Vielleicht eine Braut, dachten wir uns. Keine hundert Meter weiter waren wir schlauer.

Am Ufer des Oderteiches fand tatsächlich ein Brautpaarshooting statt. Wie geil ist das bitte?

Ich persönlich bin ja nicht der Portraitfotograf, doch Sven schossen in dem Moment so viele Fotoideen durch den Kopf, ich glaube er hätte das Shooting locker übernehmen können 😄 Ich war einfach nur begeistert von der Idee dieser Location und dann noch das Wetter dazu.

Während das Brautpaar eine Pose nach der anderen einnahm, verkrümelten wir uns zurück zum Auto. Es stand die Frage im Raum, was wir mit diesem angebrochenen Tag noch anstellen. In der Nähe lag die Wolfswarte. Sven kannte sie noch nicht und ich wollte wissen, wie es dort im Nebel aussieht. Das zweite Ziel stand fest.

Wolfswarte

Während wir auf dem Weg zur Wolfswarte des Bruchberges waren, verzog sich der Nebel langsam. Es kamen zwar in großen Abständen immer wieder neue Schwaden, aber es war bei weitem nicht so viel wie am Oderteich.

Der Nebel verzog sich genau so lange, bis wir an der schroffen Felswand ankamen. Auf dem Parkplatz sagte ein Mann noch zu seiner Frau, zur Wolfswarte brauchen wir heute nicht, da sieht man eh nichts… Komische Ansichten gibt es 😄 Eine fehlende Weitsicht hat doch auch ihre Reize, oder?

Die Bilder waren im Kasten und wir entschieden uns für den Heimweg. Doch der direkte Weg zum Auto war mir zu langweilig. Aus diesem Grund entschieden wir uns für einen kleinen Bogen. Den genauen Weg verlinke ich euch gern wieder im Anschluss.

Eine andere Route zu wählen, war eindeutig die richtige Entscheidung.

Die Tour war ein voller Erfolg. Ich habe nach vielen Monaten Wartezeit endlich die Bilder vom Oderteich, die mir im Kopf herum schwirrten. Ich hoffe, euch hat der kleine Ausflug gefallen. Die beiden Routen zur Tour findet ihr hier:

Wenn ihr zukünftig keine Tour verpassen wollt, abonniert gern meinen Blog. Beim nächsten Mal zeige ich euch nochmal das Torfhausmoor. Hier platzte ich zu meinem Geburtstag unerwartet in einen kleinen nebligen Schneeschauer. Ein persönliches Geschenk von Petrus quasi 😉

29 Kommentare zu „#70: Oderteich & Wolfswarte“

    1. Freut mich riesig 😍 Die 61 hat es mir auch mächtig angetan 😅 Meinst du Filter im Sinn von drauf schrauben, oder in der Nachbearbeitung? Richtige Filter nutze ich nicht (möchte aber irgendwann mal einen Tiffen Black-Pro-Mist kaufen). Alles andere passiert in der Nachbearbeitung im Lightroom. Aber auch da sind es nur die typischen Regler für Farbe, Sättigung usw.. Ich finde, das Sigma 16 mm (was ich zu 90% nutze), hat einen ganz bestimmten Look. Vielleicht ist es das, was dir so gut gefällt 😉

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  1. Unglaublich meditativ! Der Nebel reduziert den Blick auf etwas sehr wesentliches. Diesen Aspekt liebe ich an der chinesischen Landschaftsmalerei, bei Deinen Fotos hier kommt bei dem einen oder anderen Motiv genau das heraus. Auch der einsame Mensch aus der Ferne im Landschaftsbild – ein absolutes Zen-Motiv, es drückt soviel aus.
    Bei der Braut im Weiß wäre es mir aber ein bissel mulmig geworden. Ich hätte an irgendwelchen irren Gothik- oder Hexen-Fans gedacht, die da einen verschrecken wollen. Der Harz ist ja seit Goethe prädestiniert dafür.
    Ganz angetane Grüsse von Astrolady

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  2. Fantastische Fotos. Hier in Regensburg ist von November bis Februar Nebel, und Motive gibt es genug. Bin gestern durch den Wald spaziert und der Nebel hatte Äste und Bucheckern mit Eiskristallen überzogen. Sehr mystisch. Wie Eisregen prasselte es ganz leise.
    Viele Grüße von Kerstin

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  3. Servus Christiana, Du hast wieder einmal viele wunderbare Bilder geschossen. Wenn die Sonne nicht scheint, kommen die wenigen Farben viel besser zur Geltung, wie Du die Stimmungen eindrucksvoll eingefangen hast. (Wie langweilig ist ein blauer Himmel.) Deine Berichte machen Lust, in diesen Zeiten Deutschland zu erkunden, auf in den Harz.
    Viele Grüße aus Franken
    Peter

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