#244: Suché skály Tschechien – Wandern & Fototipps für die „Malá-Skála-Dolomiten“

Dürre Felsen – so lautet der Name einer der spektakulärsten Felsformationen in Tschechien. Die Dürren Felsen (Suché skály) gelten als das markanteste Wahrzeichen des Böhmischen Paradieses und ziehen Wanderer wie Fotografen gleichermaßen in ihren Bann. Warum diese schroffe Wand auch die „Malá-Skála-Dolomiten“ genannt wird, welche Pfade zu den besten Aussichten führen und was du beim Fotografieren beachten musst, erfährst du in diesem Guide. Für uns ging es an einem windigen Morgen auf eine faszinierende Wanderung, die uns fast den Atem raubte.

Spektakuläre Natur: Die „Malá-Skála-Dolomiten“

Wer im Böhmischen Paradies (Český ráj) wandert, kommt an einer Formation nicht vorbei: den Dürren Felsen (Suché skály). Anders als die massiven Blöcke der Weckelsdorfer Felsenstadt, wirken die Suché skály zerbrechlich und doch unbezwingbar. Das Geheimnis liegt in ihrer Entstehung: Während die meisten Felsenstädte in Tschechien aus horizontalen Schichten bestehen, wurden diese hier durch die enorme Wucht der Lausitzer Verwerfung senkrecht aufgestellt.

Stell dir vor, die Erdkruste hätte ein riesiges Buch einfach mit dem Buchrücken nach oben aufgestellt – genau so ragen die Rippen der Suché skály in den Himmel. Da der Regen an diesen vertikalen Wänden sofort abfließt, bleibt kaum Feuchtigkeit für Pflanzen übrig. Das Ergebnis? „Dürre“, nackte Felswände, die im Sonnenlicht (oder wie bei uns im stürmischen Grau) silbern glänzen.

Anreise, Wanderroute und Einkehrmöglichkeit

Der gelbe Pfad: Wind, Kiefern und weite Blicke

Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um das große Ganze zu sehen. Während viele Wanderer direkt zu den Dürren Felsen stürmen, haben wir uns an diesem windigen Morgen für die gelbe Markierung auf der gegenüberliegenden Talseite entschieden. Warum? Weil die Suché skály wie eine gewaltige Kulisse wirken, die man am besten aus der Distanz bestaunt. Von den Aussichtspunkten oberhalb von Besedice aus entfaltet sich ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst: Die senkrechten Zacken der „Malá-Skála-Dolomiten“ ragen wie ein versteinerter Drachenrücken aus dem satten Grün des Iser-Tals empor.

Unsere Wanderung startete am Wanderparkplatz zwischen Besedice und Malá Skála. Der Wind pfiff uns ordentlich um die Ohren, als wir den gelb markierten Weg einschlugen, der uns durch das Felsenlabyrinth Kalich-Chléviště führte. Entlang des gelben Weges gibt es immer wieder versteckte Abzweige zu Aussichtspunkten wie der „Český ráj“ Aussicht. Von hier aus hast du die Dürren Felsen direkt vor der Linse und zwar auf Augenhöhe. Bevor der Blick auf die Dürren Felsen frei wird, schlängelt sich der Weg durch enge Felstore und kleine Höhlen. Ein krasser Kontrast zur weiten Sicht, die einen kurz darauf erwartet.

Suché skály (Dürre Felsen) Fototipps

Unser Standpunkt auf der gegenüberliegenden Talseite, hoch oben auf dem gelben Wanderweg bei Besedice, ist der Heilige Gral für Landschaftsfotografen. Hier sind meine Tipps, wie du unter diesen Bedingungen das perfekte Bild der „Malá-Skála-Dolomiten“ machst.

Das Spiel mit Licht und Schatten im Labyrinth:

  • Kontraste nutzen: Suche nach Felsspalten, durch die ein einzelner Lichtstrahl bricht. Das erzeugt eine mystische Stimmung. Wenn der Wind oben die Wolken jagt, verändert sich das Licht im Labyrinth sekündlich.
  • Natürliche Rahmen: Nutze die dunklen, engen Felsdurchgänge als natürlichen Rahmen für den Blick durch das Labyrinth. Das gibt deinen Bildern eine unglaubliche Tiefe.

Fokus auf Strukturen und Natur-Details:

  • Makro-Motive: Achte auf die grünen Farne und leuchtenden Moose, die in den feuchten Nischen des Labyrinths wachsen. Der Kontrast zwischen dem weichen Grün und dem harten, grauen Stein ist ein fantastisches Motiv.
  • Strukturen betonen: Das diffuse Licht eines bewölkten Morgens ist perfekt, um die feinen Linien und die Erosion des Sandsteins ohne harte Schlagschatten abzulichten. Geh nah ran und fülle das ganze Bild mit der Textur des Felses.

Komposition: Den „Drachenrücken“ betonen

  • Die Suché skály sind eine Linie. Nutze diese Linie in deinem Bild. Positioniere sie so, dass sie als Führungslinie den Blick des Betrachters von einer Bildecke (z.B. unten links) quer durch das Bild (nach oben rechts) leitet. Das gibt dem Foto Dynamik und betont die Länge der Formation.

Das kleine Abenteuer: Am Fuß der Dürren Felsen

Nachdem wir das Panorama genossen hatten, lockte uns die Neugier doch noch einmal weg von den breiten Pfaden. Auf der gegenüberliegenden Seite verbergen sich die Kletterzustiege. Jene schmalen, abenteuerlichen Pfade, die die Kletterer direkt zu den Einstiegen ihrer Routen führen. Diese Wege sind alles andere als ein Sonntagsspaziergang. Sie verlangen absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, da sie oft über loses Geröll, steile Wurzelpassagen und direkt an der Abbruchkante entlangführen – nichts für Wanderer. Obwohl wir beide uns auf solchen Wegen bestens auskennen und die nötige Erfahrung mitbringen, ist es am Ende doch eine Kopfsache. Ich bin ehrlich: Alleine wäre ich an diesem windigen Morgen vermutlich umgedreht und hätte die Kraxelei links liegen gelassen.

Doch da Denise selbst klettert und auch ich kleine Felsen schon bestiegen bin, haben wir es gewagt. Es macht einen riesigen Unterschied, wenn man sich gegenseitig motiviert. So konnten wir noch ein echtes kleines Abenteuer erleben und den rauen Sandstein der „Malá-Skála-Dolomiten“ aus nächster Nähe spüren. Wir waren gerade so richtig im Flow und genossen das Kraxeln zwischen den massiven Felsblöcken, als das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung machte. Eine plötzliche Regendusche erreichte uns und verwandelte den staubigen Sandstein innerhalb von Sekunden in eine rutschige Angelegenheit. Da nasser Sandgestein tückisch glatt wird, siegte die Vernunft über den Entdeckergeist. Wir konnten unser Kraxelei-Abenteuer zwar nicht so lange ausdehnen wie geplant, aber das kurze Eintauchen in die steile Welt der Suché skály war den Adrenalinkick allemal wert.

Fazit Dürre Felsen: Lohnt sich die Wanderung?

Die Dürren Felsen (Suché skály) sind weit mehr als nur ein markanter Punkt auf der Landkarte des Böhmischen Paradieses. Sie sind ein Beweis dafür, wie dramatisch und eigenwillig die Natur gestalten kann. Wer hier wandert, merkt schnell: Es muss nicht immer die riesige, kilometerweite Felsenstadt sein, um einen tiefen Eindruck zu hinterlassen. Manchmal reicht eine einzige, gewaltige Wand aus senkrecht aufgestelltem Sandstein, um die eigene Perspektive zurechtzurücken.

Unsere Tour hat uns gezeigt, dass dieses Gebiet zwei völlig verschiedene Gesichter hat. Auf der gelben Markierung oberhalb von Besedice erlebst du die majestätische Totale – den „Drachenrücken“, der über dem Iser-Tal thront. Es ist der Ort für die großen Panorama-Momente und das meditative Beobachten der ziehenden Wolken. Der Abstecher zu den Kletterzustiegen hingegen war das raue, ungefilterte Erlebnis. Auch wenn uns die Regendusche schließlich den Rückzug diktiert hat, war dieses kurze Stück „Kraxelei“ das Salz in der Suppe.

Wenn du die Suché skály besuchst, nimm dir Zeit. Hetz nicht nur von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Bleib stehen, wenn der Wind durch die Kiefern peitscht, und schau den Kletterern zu, die wie winzige Punkte in der Vertikalen hängen. Pack eine windfeste Jacke ein, achte auf das Wetter (Sandstein und Regen sind keine Freunde!) und lass dich auf die raue Ästhetik der „Malá-Skála-Dolomiten“ ein. Die Dürren Felsen sind ein Ort für Entdecker, Fotografen und all jene, die das Besondere im Detail suchen. Wir kommen definitiv wieder – hoffentlich beim nächsten Mal mit etwas mehr Sonnenschein und ohne die unfreiwillige Dusche von oben.

Wenn dir diese Tour gefallen hat und du Lust auf weitere Wanderungen, Fotospots und Tipps aus der Praxis hast, dann abonnier gern meinen Blog. Für die Bildbearbeitung danach habe ich ebenfalls vorgesorgt: Meine Lightroom Presets sind für genau solche Outdoor-Momente gemacht. Vielleicht helfen sie auch dir weiter.

2 Kommentare

  1. Das ist wieder mal ein spannender Tipp für einen Görlitzer „Fast-Rentner“. Und bisher unbekannt. Danke dafür!

Kommentar verfassen