Manchmal beginnt eine gute Wanderung nicht mit einem perfekten Startpunkt, sondern mit einem kleinen Umweg. Rund 30 Minuten bin ich durch Thüringen gekurvt, weil gefühlt jede zweite Straße gesperrt war. Irgendwann saß ich nur noch lachend im Auto und habe mich meinem Schicksal ergeben, indem ich meinen Wunschparkplatz aufgab und nach einer Alternative suchte. Dann fällt die Wanderung durch den Zeitzgrund halt etwas größer für uns aus, als gedacht. Es könnte schlimmeres geben.
Anreise, Route und Einkehrmöglichkeit
- Parkplätze findest du hier: Waldparkplatz Pechofen
- Details zur Rundwanderung: Zeitzgrund
- Möglichkeit zur Einkehr: Brauereigasthof Ziegenmühle


Ankunft Parkplatz Bockmühle (anstatt Wanderparkplatz Pechofen)
Als ich endlich parke, war der Zeitplan längst egal. Der Himmel hing tief, der Morgen war grau, und über dem Tal lag ein feiner Dunst, der alles weichzeichnete. Genau so wie ich es mag. Der Zeitzgrund war genau in der Stimmung, die ich mir erhoffte. Gut, etwas mehr Nebel hätte sein dürfen, aber ich war zufrieden. Ein breiter Weg führte mich die ersten Meter durch feuchten Wald. Links und rechts standen Bäume, die noch nicht so recht wach wirkten. Mit dabei hatte ich an diesem Tag meine kleine Fellnase Charly. Er schnupperte fröhlich am Wegesrand und wusste noch nicht so genau, was ihn an diesem Tag erwarten würde.




Unterwegs im Zeitzgrund
Die Wanderung selbst ist unspektakulär im besten Sinne. Es gibt keine Aussichtspunkte, die nach Aufmerksamkeit verlangen, keine Highlights, die man abhaken müsste. Stattdessen sind es die kleinen Dinge, die den Weg prägen. Ein kleiner Teich mit einer Hütte davor, Baumstämme am Wegesrand und ein moosiger Waldboden. Schnell wird klar: Hier geht es nicht ums Ankommen, sondern ums Draußensein ohne Zielstress. Der Weg zieht sich leicht, ohne anstrengend zu sein. Genau richtig, um den Kopf langsam runterzufahren.


Fotografieren im Dunst – warum graues Wetter hier funktioniert
Der Dunst bleibt hartnäckig, und genau das macht seinen Reiz aus. Kontraste sind weich, Farben zurückhaltend, nichts drängt sich in den Vordergrund. Statt großer Motive funktionieren hier vor allem Linien des Weges, Tiefenstaffelungen durch die Bäume und kleine Szenen am Wegesrand. Ich fotografiere langsamer als sonst und lasse vieles bewusst liegen. Nicht jeder Schritt muss ein Bild werden. Der Zeitzgrund zwingt einen ein wenig dazu, weniger zu wollen und genau darin liegt seine Stärke. Gerade bei solchen Lichtstimmungen greife ich später gern auf meine Lightroom-Presets für gedeckte Farben und weiches Licht zurück. Sie verändern die Szene nicht, sondern helfen dabei, genau diese ruhige, leicht melancholische Atmosphäre zu bewahren, die vor Ort spürbar war.


Charly sah mittlerweile aus wie ein kleines Ferkel. Da es in den letzten Tagen viel regnete und Charly ein recht kleiner Hund ist, spritze ihm alles an den Bauch. Aber ich denke, er hat den Tag genauso genossen wie ich. Allerdings hat er wohl nicht damit gerechnet, dass wir eine etwas größere Runde drehen. Denn als wir an den Mühlen im Zeitzgrund ankamen, wollte er in wirklich jede einzelne rein. Die erste wies uns ab, doch in der zweiten wurden wir fündig. Im Brauereigasthof Ziegenmühle gab es für mich ein leckeres Würzfleisch mit einem Grog dazu und Charly bekam einen Napf mit Wasser und ein paar Leckerlis von mir. Die Pause hatten wir uns an diesem Tag echt verdient, auch wenn es bis zum Auto nur noch ein Kilometer war.


Mein Fazit zu dieser herrlichen Wanderung im Zeitzgrund
Im Auto angekommen schlief Charly sofort auf dem Beifahrersitz ein. Wir waren beide etwas durchgefroren und freuten uns über die Sitzheizung. Und ja, auch Charly durfte in den Genuss der wohligen Wärme kommen. Wäre an diesem Morgen alles glatt gelaufen, hätte ich diese Runde vermutlich einfach als „schöne Wanderung“ abgespeichert. Durch das Verfahren, den Zeitverlust und das diffuse Wetter wurde sie zu etwas anderem. Eine Wanderung durch den Zeitzgrund ist kein Ort für spektakuläre Highlights oder dramatische Fotospots. Er ist ein Ort für leise Tage, für graues Wetter und für Momente, in denen man merkt, dass nicht jeder Ausflug einen perfekten Plan braucht. Und manchmal führen einen gesperrte Straßen genau dorthin, wo man eigentlich hinwollte – nur eben ein bisschen später.
Ich hoffe die Tour hat dir genauso gut gefallen wie mir. Wenn du keine neuen Geschichten, Touren oder Fotospots verpassen willst, dann abonnier gern meinen Blog. Ich freu mich, wenn du auch beim nächsten Mal wieder mit am Start bist.




Wow, solche tolle Wald-Fotos, richtig mystisch. Aber Thüringen ist ohnehin ein schönes Bundesland.
Viele liebe Grüße aus Innsbruck
Gitte
Dem kann ich nur zustimmen. Thüringen hat so schöne Ecken, danke für deine lieben Worte. Viele Grüße Christiane