Es gibt kaum etwas Schöneres, als den nahenden Herbst zu erleben. Die Blätter beginnen sich langsam zu färben und der Farn verliert sein saftiges Grün, als ob er sich still und leise vom Sommer verabschieden würde. Was könnte da besser passen als eine kleine herbstliche Wanderung zu den Honigsteinen in der Sächsischen Schweiz? Die standen schon eine ganze Weile auf meinem Plan und auch wenn der erhoffte Regen ausblieb, war ich gespannt, was uns erwarten würde. Und so startete ich mit Denise und Murphy unsere Tour – mutig, voller Elan und mit einem Rucksack voll Snacks.
Vom idyllischen Rathen zum Amselsee
Los ging es mit einem leckeren Mittagessen im Amselgrund. Denise lies sich ein Fischbrötchen schmecken und für mich gabs eine Bockwurst. Von nichts kommt nichts und ich brauchte für das, was mir bevorstand, ein bisschen Energie. Doch bevor es mit der Kraxelei losging, hatten wir noch einen anderen Plan. Eine entspannte Bootsfahrt auf dem Amselsee. Die wäre genau das Richtige, um den Herbsttag zu genießen. Schließlich kann man ja nicht nur Gipfel stürmen, man muss auch mal die Seele baumeln lassen – und was wäre da besser geeignet als ein romantisches Ruderboot auf spiegelglattem Wasser?
Doch als wir am Bootsverleih ankamen, traf uns die herbstliche Realität: Der Betreiber hatte bereits alle Boote in den Winterschlaf geschickt! Keine Ruder, keine Seefahrt, nur ein paar traurige Enten, die uns mitleidig ansahen. Da standen wir nun, voller Tatendrang und Lust auf ein gemütliches Schippern – aber das einzige, was wir an diesem Tag noch in Bewegung setzen konnten, waren unsere Beine. Gut, so ist das eben im Herbst: Manchmal machen nicht nur die Blätter schlapp, sondern auch die Freizeitangebote. Aber hey, wer braucht schon ein Boot, wenn man eh den Fußbus in Bewegung setzen will.

Der Talwächter
Der Aufstieg in Richtung Talwächter war für den Anfang recht entspannt. Unterhalb gab es eine kleine „Höhle“, wo wir es uns gemütlich machten und die ersten Bilder schossen. Aus fotografischer Sicht alles kein Highlight, aber muss auch gar nicht. Es zogen immer mal ein paar Wolken vor die Sonne und genau auf diese Momente wartete ich, damit die Bilder nicht zu grell werden. Von hier aus hatte man eine hübsche Sicht auf den Mönch an der Bastei. Und auch wenn das Laub noch nicht so knallig war, wie wir es gern gehabt hätten, kam der ein oder andere Farbtupfer langsam zum Vorschein.






Weiter in Richtung Honigsteinscheibe
Wir setzten unsere Route weiter fort. Die Pfade wurden immer schmaler und an einer Stelle kam ich das erste Mal an meine Grenzen (Bild links). Der Pfad führte am Felsen entlang und ich musste mich gut festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Irgendwie hatte ich mir das mit dem Kraxeln anders vorgestellt. Für jemanden mit Höhenangst – hey, it’s me – ist das immer wieder eine neue Herausforderung. Sobald ich das Gefühl habe, nicht sicher stehen zu können, vergeht mir irgendwie die Lust. Meine Beine zitterten leicht und ich kann mich noch erinnern, wie ich halb am Felsen klebte und Denise mir immer wieder etwas Mut machen musste. Augen zu und durch. Oder besser gesagt, Augen offen und durch.


Nachdem das geschafft war, folgte glücklicherweise ein entspannterer Weg. Es ging ein paar Treppen nach oben und kurz darauf folgte auch schon die nächste Aussicht, die alles wett machte. Solltet ihr mal in der Region unterwegs sein, dann bitte nur, wenn ihr trittsicher seid und ggf. jemanden dabei habt, der sich auskennt. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich definitiv umgedreht und die Lachse im Amselsee gefüttert. Aber mit Denise an meiner Seite wusste ich, dass sie mir durch die schwierigen Passagen mit meinen zwei linken Füßen helfen wird.








Aufregender Weg zur Lammscheibe
So, der erste Schock war verdaut und nun kamen nur noch zwei speziellere Stellen auf dem Weg in Richtung Lamm. Eine davon war etwas tricky (Bild oben rechts), weil die wieder am Felsrand war und an der anderen mussten wir etwas klettern (Bild unten rechts). Aber Denise sagte mir, wo welcher Fuß hin muss und auch Murphy haben wir erfolgreich nach oben geschoben. Mich hat es etwas beruhigt, dass ich wusste, dass es den ganzen Weg nicht wieder zurück ging. Im Dunkeln wäre ich da für kein Geld langgelaufen. Aber wir wollten ein kleines Abenteuer und das bekam ich.




Aussicht am Lamm
Die Aussicht am Lamm war dafür wieder umso schöner und wir konnten uns etwas entspannen, bevor es zur letzten Aussicht gehen sollte. Ich wollte zum Sonnenuntergang ganz ganz hoch. Doch da kannte ich den Weg noch nicht. Schnell begriff ich, dass ganz hoch nicht immer viel besser ist. Aber dazu gleich mehr. Ich Spoiler aber schon mal: Es gab keinen Sonnenuntergang.




Mein Endgegner: Die Honigsteine
Tja, hier endet nun die fotografische Dokumentation, da ich die Kamera im Rucksack verstaute und für den Rest des Tages keine Lust mehr hatte, Fotos zu schießen. Passiert selten, aber kommt vor. Geplant war der Sonnenuntergang oben an den Honigsteinen und der Weg dorthin brachte mich definitiv an meine Grenzen. Ich biss also die Zähne zusammen, kletterte am Felsen nach oben, bekam immer wieder Unterstützung und stellte am Ende fest, dass der letzte Schritt, den ich machen musste, für mich nicht in die Tüte kam.
Klar war das mehr als ärgerlich, weil der Aufstieg schon keinen Spaß gemacht hatte und ich wusste, ich muss den Mist wieder runter. Konnte man vorher nicht wissen, nervig war es für mich dennoch. Wenn ich unten schon ein mulmiges Gefühl habe und merke, es macht keinen Spaß, dann lasse ich es zukünftig lieber gleich. Ich wandere liebend gern durch einen Dschungel, lass mir die Zweige ins Gesicht schlagen, überquere Wasser und laufe durch Schlamm, aber alles, was mit einem Abgrund zu tun hat, wird einfach nicht mein Ding werden. Kleine Kraxelein ok, aber die Honigsteine hoch war für mich nichts. Eigentlich sollte es „relativ einfach“ sein, aber mein Kopf blockierte und dann sollte man Wissen, wo seine Grenzen sind.
Die Moral aus der Geschichte
Was habe ich aus diesem Tag gelernt? Manchmal ist es besser, einen Schritt zurückzutreten, anstatt sich zu sehr unter Druck zu setzen. Die Natur ist wunderbar, aber noch wunderbarer ist es, sicher wieder nach Hause zu kommen. Und mal ehrlich, die Aussicht, die wir am Lamm genießen konnten, war mehr als genug, um den Tag zu einem Erfolg zu machen. Es muss nicht immer höher, weiter, schneller sein.
Ich hoffe, dir hat die Wanderung zu den Honigsteinen in der Sächsischen Schweiz dennoch gefallen. Beim nächsten Mal geht’s nach Thale. Dort setzte sich mal wieder der Nebel fest, es war fantastisch. Wenn du nicht verpassen willst, wie es weitergeht, dann abonniere gern meinen Blog.
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Bei Deinen wunderbaren Berichten möchte man am liebsten die Wanderschuhe schnüren und zum Rucksack greifen. Ich muss unbedingt mal wieder in die Sächsische Schweiz. Gerade auch mit Blick auf Caspar David Friedrich und die aktuelle Ausstellung in Dresden. Für mich habe mittlerweile das Jenaer Umfeld und den Wald der Hohen Schrecke (Thüringen/Sachsen-Anhalt) entdeckt. Viele Grüße
Vielen lieben Dank, das freut mich wirklich sehr. Dann ging mein Plan quasi auf 😉 Die Hohe Schrecke muss ich auch mal wieder besuchen, dort war ich bisher 1x und es war klasse.
Wow, ich bin beeindruckt, welche heiklen Stellen Du auf dieser Tour bewältigt hast – hätte ich mich nicht getraut. Und ich finds sehr vernünftig, dass Du abgebrochen hast, als es Dir wirklich zu viel geworden ist. Oft macht man ja Fehler WEIL man Angst hat, das können andere oft nicht nachvollziehen.
Also: Weiter so!!! Und noch viele schöne Wanderungen mit tollen Fotos wünsche ich Dir. 🙂
Ich danke dir, es freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefallen hat. Und du hast natürlich vollkommen Recht. Viele übergehen die Angst und machen Fehler, aber das muss nicht sein. Ich hoffe, dich weiter mit spannenden Beiträgen versorgen zu können 😉