#115: Herbstliches Wernigerode

Ich konnte es kaum abwarten, endlich den bunten Wald im Harz zu fotografieren. Doch als ich mit Sven in Wernigerode ankam, musste ich feststellen, dass es noch nicht wirklich herbstlich aussah. Klar, einzelne Bäume waren bei der Laubfärbung in vollem Gange, aber die Buchen z.B. waren fast noch so grün wie im Sommer. Und als ich dann noch sah, wie viele Bäume auf dem Weg zur Steinernen Renne fehlten, habe ich mich etwas geärgert, überhaupt Urlaub genommen zu haben. Aber warten wir den Tag erstmal ab, vielleicht wird es trotzdem gut.

Auf dem Weg zum Gasthaus Steinerne Renne:

Hauptsächlich hatte ich geplant, Wasserfälle zu fotografieren. Die sahen dort bisher immer klasse aus und Sven erzählte mir, dass es auf der anderen Seite der Holtemme noch weitere Wasserfälle gibt, die ich bisher nicht kannte. Doch bevor wir richtig loslegten, kreuzte ein kleiner Waldbewohner unseren Weg.

Die ersten zwei Kilometer waren nicht mehr wirklich fotogen. Es ist unglaublich, wie schnell sich der Wald verändert, bzw. teilweise nicht mehr existiert. Auch wenn ich weiß, dass sich alles im Wandel befindet, traurig stimmt einen der Anblick trotzdem. Wenn man hier ein Jahr vorher noch entlang lief und fast alles blickdicht war, kann man jetzt Lücken über Lücken bewundern. Aber davon möchte man sich nicht die Stimmung vermiesen lassen, das Wasser war noch da und das ist nicht unwichtig, wenn man kleine Wasserfälle fotografieren möchte.

Ich war die ganze Zeit auf der Suche nach anderen Perspektiven. Meist rutschten wir kleine Abhänge nach unten, aber kamen immer sicher am Spot an, den wir aus der Ferne ausgespäht hatten.

Ich in der Holtemme:

Als wir wenig später am Gasthaus Steinerne Renne ankamen, präsentierte sich der Harz doch noch in einem traumhaft schönem Herbstkleid.

Während ich das klassische Bild vom Gasthaus einfing, stand ich am Rand des Flussbetts und wollte noch einen weiteren Schritt nach vorne machen. Das ihr Lieben, war mein Fehler. Ich rutsche mit dem rechten Fuß weg und landete seitlich bis zur Hüfte in der Holtemme. Die Kamera war in der rechten Hand, während ich sie instinktiv dauerhaft nach oben hielt und versuchte, mich mit dem linken Arm wieder aufzuraffen. Da jedoch alles rutschig war, glitt mein linkes Bein ebenfalls Richtung Wasser und so lag ich nun mit beiden Beinen im Fluss… hat’se wieder super hinbekommen. Sven beobachtete die Situation von der Brücke und fragte sich nur, was ich da wohl mache. Das Endresultat von der Aktion war, dass ich meine Schuhe auskippen und die Socken auswringen konnte. Meine Hose war zum Glück schnelltrocknend und innerhalb von 1 Stunden wieder in Ordnung. Dass ich mir durch dieses Manöver den linken Arm gezerrt habe, merke ich glücklicherweise erst auf der Heimfahrt.

Aber man ist ja hart im Nehmen, natürlich ging es nicht sofort zurück zum Auto, ich fotografiere auch in so einer Situation fröhlich weiter. Immerhin kam ich noch nicht an den Wasserfällen vorbei, weswegen ich hergefahren war. Zum Glück kamen die schneller als erwartet, denn wenn die Füße einmal nass sind, kann man bei den nächsten Spots auch etwas waghalsiger sein. Nasser konnten die nicht werden.

Die Harzer Schmalspurbahn zum Abschluss:

Der Wanderweg ist mit den kleinen Wasserfällen und dem Gasthaus echt cool, aber landschaftlich hat mich der Weg dorthin nicht vom Hocker gehauen. Mir fehlte einfach das saftige grün, wie ich es aus anderen Regionen kenne. Dadurch, dass der Borkenkäfer immer fleißiger wird und man mehr und mehr abholzt, sieht es in meinen Augen nicht sehr ansprechend aus, zumindest in den höheren Lagen. Unten am Bahnhof Steinerne Renne war das wieder ganz anders. Hier gibt es gesunden Laubwald. Auch wenn die Blätterfärbung noch nicht weit fortgeschritten war, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, die Brockenbahn zu knipsen. Und die sah diesmal anders als erwartet aus.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Runde dennoch schön war, auch wenn nicht so herbstlich wie erhofft. Anfangs war ich etwas irritiert, warum das so ist. Warum gab es dieses Jahr Mitte Oktober noch so viele grüne Bäume und vor 2 Jahren war der Herbst in vollem Gange? Das hängt wohl damit zusammen, dass der Sommer 2021 relativ nass war und die vergangenen Sommer sehr trocken. Wieder was dazu gelernt.

Das nächste Mal nehme ich euch mit zur Teufelsmauer. Euch erwartet ein Sonnenaufgang der Extraklasse. Ihr dürft gespannt sein. Wer das nicht verpassen will, kann gern meinen Blog abonnieren.

16 Kommentare zu „#115: Herbstliches Wernigerode“

  1. Die Tiefenschärfe dieser Fotos ist umwerfend! Das Kolorit sowieso wie immer. Aber dieser kleine schwarzgelbe Waldgeist ist ja nur noch entzückend, er schaut Dir in die Augen und verrät Dir die geheimnisvollsten Orte seines Reiches …. so wirken die Fotos, grossartig, ich liebe den Harz sowieso.
    LG von Astrolady

    Gefällt 2 Personen

  2. … Da hätte ich Dich auch führen können – ich habe meine ersten 38 Jahre in Wernigerode gelebt, und ich war mit meiner Mutter oft an der „Kleinen Renne“; den ganzen Tag auf einer Decke, meine Mutter häkelte und las unzählige Bücher, während ich am und im Wasser spielt. Das Wasser ist sehr schmackhaft, aber zum Baden auch im Hochsommer zu kalt. Im Gasthaus Steinerne Renne habe ich mit meinem Kind 2021 und 2020 jeweils ein paar Urlaubstage verbracht. Ohne Geräusche von Automotoren, keine „Laubpuster“, und auch kein Handy-Empfang. – Ein Tip für herbstliche Motive: Die Klosterteiche bei Michaelstein (Ortsteil von Blankenburg), dort für den Harz eher untypische malerische Laubwälder an den Berghängen, die erst an den Teichen enden.

    Gefällt 1 Person

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