#65: Kleine Bastei und kleiner Winterberg

Diesmal ging es mit Sven in die Sächsische Schweiz. Ich wollte ihn ursprünglich am Freitag 16:00 Uhr abholen, jedoch entschieden wir uns, bereits 14:30 Uhr zu starten. Er wollte mich vorher zum Essen einladen, weil ich den Fahrer spiele. Klar das ich da nicht nein sage 🤤

Gegen 15:00 Uhr fuhren wir mit etwas Verspätung los und folgten der A14 Richtung Dresden. Doch schon nach ein paar Kilometern staute es sich, sodass wir nur schleppend vorankamen. Sven schaltete Google Maps ein und schon begrüßte uns ein Stau am Autobahndreieck Nossen. Ich bin nichts anderes gewohnt, wenn ich Freitagnachmittag in die Sächsische Schweiz fahre, aber das es so voll wird, damit rechnete ich nicht. Statt einem leckeren Abendessen beim Tschechen gab es nun was von Burger King. Während ich meinen einen Burger verdrückte, gab’s für Sven 4 und eine Coke. Wahnsinn, wohin isst er das nur, dachte ich mir.

Ankunft Schmilka

17:45 Uhr kamen wir in Schmilka an. Das Auto stand sicher auf dem Parkplatz und wir überlegten völlig hektisch, wo wir am dümmsten entlang laufen. Den direkten Weg, oder doch lieber auf die App vertrauen, mit einem kleinen Umweg? Wir vertrauten der App, was sich später als Segen herausstellen sollte. Wir brauchen über 50 Minuten für 2,3 Kilometer bis zur Aussicht, das wird sportlich. 19:10 Uhr war Sonnenuntergang. Entsprechend sprinteten wir den Berg nach oben. Am Anfang noch voller Euphorie, doch bereits 15 Minuten später hechelten wir wie ein paar alte Leute. Gut, Sven ist alt (*grins), aber auch ich hatte mit 10 Jahren weniger auf dem Buckel ordentlich zu kämpfen. Wir laufen lieber gemütlich und entspannt irgendwo hoch, aber wenn die Zeit im Nacken sitzt, muss man auch mal die Arschbacken zusammenkneifen.

Kleine Bastei

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18:45 Uhr kamen wir dann endlich oben an, gerade noch pünktlich. Ein Fotograf stand bereits mit seinem Stativ bereit und rückte die ganze Zeit keinen Zentimeter zur Seite… wie ich diese Leute liebe. Aber egal, umso kreativer wird man.

Wir waren vielleicht 20 Minuten oben, als die Sonne bereits hinter der Felsenlandschaft verschwand. Zeit für uns, den Abstieg zu wagen. Diesmal über den (meiner Meinung nach) kürzeren Weg.

Am Anfang dachte ich noch, der ist ja viel besser, bis die gefühlten drei Millionen Stufen kamen. Und die nahmen und nahmen kein Ende. Immer und immer wieder kam ein neuer Treppenabsatz und ich war froh, dass wir uns diesen Weg nicht hochgequält haben.

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Milchstraße am Lilienstein

Als wir endlich am Auto ankamen, fuhren wir zum nächsten Spot, dem Lilienstein. Doch bereits auf dem Weg dorthin überraschte uns eine Baustelle. Sven meinte, wir müssen der Umleitung folgen, was ich auch tat.

Ich weiß nicht wie oft ich im Auto geflucht habe, aber es war nicht wenig. Die Umleitung stellte sich als Rallyestrecke heraus. Die Stoßdämpfer meines kleinen Seat Ibiza hatten einiges zu tun. Und durch die Staubwolke vor mir war die Sicht eher bescheiden. Das kann man jetzt positiv oder negativ sehen. Ich merkte schnell, dass uns die Umleitung in eine Ecke beförderte, in die wir gar nicht wollten. Als wir dann an der Elbe vor der Festung Königstein ankamen, war klar, ich drehe wieder um. Genau rechtzeitig, denn die Umleitung ist nur einseitig befahrbar und die Ampelschaltung war zu jeder vollen und halben Stunde. Es war 20:27 Uhr – Glück gehabt.

Als es die tolle Strecke wieder bergauf ging, kamen wir nach gut 20 Minuten an unserem Spot an. Und was stellten wir fest? Die Milchstraße ist an diesem Tag gar nicht über dem Lilienstein sichtbar. Eine Situation, in der man nur noch lachen kann, sich ein Radler öffnet und den Sternenhimmel genießt. Denn der war an diesem Tag trotzdem grandios. Und ein bisschen Milchstraße gab’s auch, jedoch mit einer viel zu hellen Festung Königstein im Hintergrund. Aber egal 😂

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Nachdem der erste „Schock“ verdaut war, wurde es ein wundervoller Abend. Unsere Kreativität wurde auf die Probe gestellt und wir versuchten immer wieder Perspektiven zu finden, in denen die Festung nicht zu sehr im Bild stört. Der Verlaufsfilter, um die Festung abzudunkeln, lag natürlich ordnungsgemäß zu Hause in der Schublade 🤭

Nun wurde es Zeit, das Nachtlager aufzuschlagen. Wir parkten mitten in der Pampa an einem Feldweg, die Sitze waren eingestellt und die Sachen verstaut. Bis plötzlich ein paar hundert Meter vor uns eine Taschenlampe anfing zu zappeln. Mal war sie zu sehen, dann war sie wieder weg. Grund genug für Sven, ein mulmiges Gefühl zu bekommen. Ich fragte ihn, ob wir uns lieber woanders hinstellen wollen und er bejahte.

Sven kannte einen Parkplatz in Bad Schandau, der nicht sehr auffällig und kostenlos ist. Und jetzt liebe Lesenden, kommen wir zu dem Moment, als ich das erste Mal unter einer Brücke schlief. Denn die befand sich direkt über uns. Aber ein Dach hatten wir ja trotzdem über dem Kopf, also alles halb so wild. Zeit für die nächtliche Ruhe, der Wecker wird 04:30 Uhr klingeln, um zum Sonnenaufgang pünktlich am kleinen Winterberg zu sein.

Kleiner Winterberg

Die Füße waren kalt, an den Scheiben lief das Kondenswasser nach unten, Rücken und Beine taten weh. Guten Morgen Bad Schandau. Während Sven neben mir fröhlich vor sich hin schnarchte, war ich bereits vor dem Wecker wach… eigentlich war ich die ganze Nacht wach. Mein Körper ist einfach nicht dafür ausgelegt, auf einem Autositz zu schlafen. Außer im Auto von Niklas‘ Eltern, dem XC90. Da schaffe selbst ich es, wegzunicken.

Als Sven einigermaßen wieder unter den lebenden verweilte und seinen Kaffee in die Trinkflasche umfüllte, ging es los in Richtung Kirnitzschtal. Bereits in der Vorplanung war ich etwas skeptisch, ob wir den richtigen Weg zum kleinen Winterberg finden. Gute Erfahrungen mit dieser Aussicht konnte ich ja bis jetzt nicht sammeln. Wer jetzt nur Bahnhof versteht, sollte diesen Artikel lesen.

Als wir auf dem Parkplatz ankamen, gesellten sich zwei weitere Wanderer zu uns, die ebenfalls zum kleinen Winterberg wollten. Da wir Lampen hatten und die beiden nicht, traten wir die Tour zusammen an 😅

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Der Anfang des Weges war sehr angenehm, keine großartige Steigung, keine Stufen… doch die sollten noch kommen. Nachdem wir ca. 30 Minuten unterwegs waren, begann der Aufstieg. Ich glaube, die beiden waren etwas geübter als wir, denn bereits nach ein paar Minuten konstantes Treppensteigen war die Luft raus. Das könnte auch mit dieser unschönen Nacht zu tun haben. Aber hilft alles nix, da mussten wir jetzt durch. Es dauerte zum Glück nicht lange, bis wir oben ankamen, tief prustend.

Der Himmel veränderte sich von Minute zu Minute und präsentierte uns ein unglaublich schönes Farbenspiel. Auch wenn die Landschaft noch in die Dunkelheit der Nacht eingehüllt war, zeigte uns die Sonne, wie schön ein Tag beginnen kann 😍

Und dann kam er endlich, dieser kurze Moment, als die Sonne am Horizont nach oben klettert und die Umgebung präsentiert.

Alles wurde plötzlich in ein warmes Licht gehüllt. Auch wenn der gewünschte Nebel mal wieder nicht für uns bestimmt war, hat alles gepasst. In der Ferne ertönte das Röhren eines Hirsches, welches und den gesamten Sonnenaufgang begleitete. Einfach großartig.

Kurz vor Sonnenaufgang kamen drei weitere Wanderer zu uns und wollten den berühmten Sprung über die Felsspalte wagen. Für Sven und mich ist das ja gar nichts, aber wer sich sowas zutraut, nur zu. Obwohl die eine Wanderin auch viel Mühe hatte, ihre Angst zu überwinden. Ich hätte viel zu viel Schiss abzustürzen. Ein falscher Schritt und es war dein Letzter. Nix für mich, nix für Sven. Fotografieren wollte ich den Sprung dann aber trotzdem, cool sieht es ja aus.

Und mit diesem Sprung verabschiede ich mich von euch. Viel ist an diesem Tag nicht mehr passiert. Ich war zwar mit Sven noch an der Idagrotte, doch das Licht war durch. Reicht ja eigentlich auch, was wir in der kurzen Zeit erlebt haben.

Ich habe euch ja versprochen, alle Touren bei Outdooractive einzustellen. Wer sich für die Runde zur Kleinen Bastei interessiert, sollte hier vorbeischauen und die Wanderung zum kleinen Winterberg findet ihr hier. Viel Spaß beim Nachlaufen wünsche ich euch.

Wenn euch der Beitrag gefallen hat und ihr zukünftig keine Tour verpassen wollt, folgt gern meinem Blog. Mittlerweile ist die Rücksitzbank meines Autos etwas bequemer, sodass bereits die nächste Tour in den Startlöchern steht. Und diesmal wird’s wieder etwas grau, hoffe ich 😉

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PS: Aufgrund einiger Nachfragen bei Instagram, Facebook und im Blog habe ich eine Seite erstellt, die sich mit der Bildbearbeitung befasst. Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, wird hier fündig. Ich habe das Thema vorerst relativ allgemein gehalten und ein paar Vorher-Nachher-Bilder eingefügt. Solltet ihr detailliertere Infos wünschen, lasst es mich gern wissen. Die Seite ist noch im Aufbau und wird bei Bedarf natürlich erweitert. 😃

15 Kommentare zu „#65: Kleine Bastei und kleiner Winterberg“

  1. Ich selbst knipse ja nur herum, beim Spazierengehen zu menschlichen Zeiten und überlasse den Zufall, was mir vor die Linse kommt, manchmal wird sogar was tolles draus. Wenn ich Deine Geschichte hier lese, dann wird mir klar, weshalb man zu richtig guten fotografischen Werken kommen kann: wegen der irren, vielen Anstrengungen die dahinter stecken. Fotografie ist echte Arbeit, manchmal sogar Schinderei. Denn das ganze Equiptment muss ja auch noch rumgeschleppt werden, mich nervt schon, dass meine olle Canon so schwer ist, dann lasse ich sie auch öfters zu Hause.
    Wieder sehr genussvolle Eindrücke. Danke Euch beiden für Eure Mühen, die ich dafür auf Euch genommen habt.
    Der Lohn ist ja dann die Freud!!!
    LG von Astrolady

    Gefällt 1 Person

    1. Ganz ganz lieben Dank. Wenn man so zurückblickt, ist es wirklich immer wieder ein kleines Abenteuer, so eine Wandertour.
      Ich hatte früher auch eine Canon, da mir die aber viel zu schwer wurde, entschied ich mich für eine kleine Sony. Die nimmt man viel öfter mit 😉 LG Christiane

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