#50: Tief im Moor von Torfhaus

Während das Coronavirus die ganze Welt in Atmen hält, beschloss ich in den Harz zu fahren. Die Medien machen einen nur verrückt, die Wirtschaft wird langsam in den Ruin getrieben, Zeit für mich den Kopf im Wald freizubekommen. Und bevor die Bundesregierung auch noch eine Ausgangssperre verhängt, musste ich das düstere Wetter ausnutzen 😏

Unterwegs nach Torfhaus

Samstag, 06:00 Uhr: Wie ich mit erschrecken feststellen musste, wurde es um die Zeit bereits hell. Beim nächsten Mal wusste ich, dass ich noch früher losfahren muss. Die A36 war gespenstisch leer, fast kein Auto vor oder hinter mir. Der prüfende Blick in den Himmel ließ mich zweifeln, ob es an diesem Tag wirklich düster wird. Keine Wolke weit und breit und die Sonne saß mir förmlich im Nacken 😟

Ich versuchte weiterhin dem Wetterbericht zu vertrauen und wurde letztendlich belohnt. Je näher ich meinem Ziel kam, desto grauer wurde es. Und in Torfhaus kam dann auch noch Nebel hinzu. Wie lange habe ich gehofft, am Torfhausmoor endlich mal so ein Wetter zu erwischen. Ich parkte mein Auto, zog mir die Wanderschuhe an und stieg aus. Keine 5 Sekunden später bereute ich es, keine Mütze eingepackt zu haben. Es war arschkalt. Glücklicherweise entschied ich mich früh für die Winterjacke. Ich schnappte mir meine Kamera und lief los, während mir der Wind ordentlich ins Gesicht pustete 🥶

Rund ums Torfhausmoor

Mich erwartete mehr Schnee, als ich erwartet hatte. Um genau zu sein, ging ich davon aus, gar keinen vorzufinden. Das Schönste an diesem Tag jedoch war die Ruhe. Man hörte nur das Pfeifen des Windes und das Knarren der Bäume, fast wie im Horrorfilm.

Zusammen mit dem Nebel wirkte es beinahe surreal. Nachdem ich das Moor erreicht hatte, war alles um mich herum weiß und in Nebel gehüllt. Der Wind war hier auf freier Fläche so bitterkalt, dass mir fast die Hand abfiel, während ich die Stimmung einfing.

Die abgestorbenen Bäume kamen durch den Nebel perfekt zur Geltung. Warum es in vielen Teilen des Harzes so aussieht, habe ich in meinem Beitrag #27: Moody Brocken erklärt. Und wenn man regelmäßig in den Harz fährt, sieht man die Veränderung von Jahr zu Jahr mehr.

Der klang der Bäume im Sturm, wurde plötzlich etwas grusliger. Entweder die Bäume waren jetzt anfälliger als vorher, oder der Sturm nahm an Fahrt zu. Nachdem ich dann in der Nähe auch noch gehört hatte, wie ein Baum lautstark umfiel, war die Gruselstimmung perfekt 👻

Ich beschloss, etwas schneller zu laufen, bis sich die Situation wieder beruhigte. Links und rechts von mir knarzte und knackte es stimmig im Wind. Wenn ich unterwegs allerdings ein Motiv entdeckte, musste ich trotzdem kurz anhalten 😅

Die Wolken am Himmel zogen im Eiltempo vorbei. Zwischendurch blitzte immer mal etwas blauer Himmel auf. Ich vermutete, dass die düstere Stimmung bald vorbei war. Ich genoss erstmal die letzten Meter, die noch vor mir lagen.

Zwei Kilometer später kam ich an meinem Startpunkt an. Ein erneuter Blick in den Himmel und ich stellte mir die Frage, ob ich eine zweite Runde irgendwo drehe. Immerhin könnte es vorerst das letzte Mal sein, dass ich in Zeiten von Corona im Harz unterwegs bin 🙄

Ich stieg in mein Auto und fuhr Richtung Oderteich. Beim letzten Mal scheiterte es an der Sonne. Genau wie an diesem Tag, leider. Es war bereits gegen 11 Uhr und die Schatten waren einfach zu hart. Aus fotografischer Sicht wirklich nicht schön. Ich entschied mich nach einer knappen halben Stunde doch für den Heimweg. 

Zu viel Corona, zu wenig Harz

Tja und jetzt, zwei Wochen später sitze ich an meinem Rechner und schreibe diesen Blog, während mittlerweile touristische Fahrten in den Harz verboten sind. Bis zum 19.04.2020 soll es vorerst so weiter gehen. Keine Ahnung, wie es sich danach entwickelt, aber ich befürchte, diese Regelungen halten noch eine ganze Weile an. Was ist daran so schlimm, alleine im Wald wandern zu gehen? Auf Arbeit ist es täglich „gefährlicher“ und das geht auch in Ordnung… Egal, es ist wie es ist und ich hoffe, ihr da draußen bleibt alle gesund. Ich habe noch ein paar Lost Places Bilder auf meinem Rechner liegen, vielleicht gibts demnächst eine neue Rubrik hier im Blog 😂 Lasst mich wissen, wenn ihr Bock drauf habt.

Wenn ihr nichts verpassen wollt, abonniert gern meinen Blog. Keine Sorge, ich bombardiere niemanden mit Mails zu.

6 Kommentare zu „#50: Tief im Moor von Torfhaus“

  1. Wow! Klasse Stimmung bei deinen Fotos, mich hats richtig gepackt! Vor allem das Farbspiel mit dem braunen Weg oder die Fotos mit dem Wasser sind toll. Bin begeistert ! ♥

    Gefällt 1 Person

  2. Super Klasse die kleine Rundtour festgehalten.
    Tolle Fotos, sehr schön beschrieben.
    wenn man ( zu touristischen Zwecken ) wieder los darf,
    mache ich die kleine Rundtour gleich als erstes.
    Liebe Grüße
    Burkhard

    Gefällt 1 Person

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