#25: Leistenklippe 2.0

Die Leistenklippe und ich… wirklich warm sind wir bis jetzt nicht geworden, aber geben wir ihr eine zweite Chance. Wenn ich mich an die erste Tour zurückerinnere, schießen mir folgende Gedanken in den Kopf: Krankheit, Kälte, Sonne, Wind und das schlimmste, sch… Bilder ;o)

Diesmal muss es besser werden. Klamottentechnisch war ich top vorbereitet, laut Wetterbericht sollte es grau werden und meine Gesundheit war in Bestform. Kann ja eigentlich nichts schief gehen. Von Tag zu Tag verschlechterte sich (für mich) die Wettervorhersage. Die Wolken verschwanden immer mehr. 24 Stunden vorher hieß es dann: sonnig. Großes Kino -.- Aber Sven war diesmal mein Begleiter, so freut sich zumindest einer von uns ;o)

Der Plan: Sonnenaufgang Leistenklippe. Der ist aktuell 05:57 Uhr. Die Schlussfolgerung: 02:00 Uhr aufstehen, 03:00 Uhr losfahren und 04:45 Uhr das Auto am Bahnhof in Schierke parken. Müde war gar kein Ausdruck. Aber wenn man sich immer wieder vor Augen hält, du machst das freiwillig, geht’s eigentlich ;o)

Ankunft in Schierke

Bewaffnet mit unseren Taschenlampen stiefelten wir die 2,5 km nach oben in Richtung Klippe. Es war dunkel wie im Bärenarsch, nur der Mond hellte die ein oder andere Stelle auf. Ich schaltete meine kleine Taschenlampe ein, die neben Sven seiner völlig unterging, obwohl seine nicht viel größer war. Ich musste kurz lachen und überlegte warum ich sie überhaupt mitgenommen hatte. Aber um den Weg direkt vor mir auszuleuchten, reichte sie.

Die Leistenklippe

Eine Stunde später kamen wir an der Leistenklippe an. Oberhalb fegte der Wind bereits über die Bäume hinweg. Nun hieß es für mich: Mütze auf, Schal um, Handschuhe an. Und nein, das ist nicht übertrieben ;o)

Wir kletterten die Leiter hoch und wurden im Anschluss direkt mit einer straffen Briese begrüßt. Den Schal zog ich mir sofort weiter übers Gesicht, es kann nicht kuschelig genug sein. Mit der Kamera in der Hand fotografierte ich mich zusätzlich warm. Die Sonne war in eine riesige Wolkendecke gehüllt, nur ein paar Strahlen kamen durch.

45 Minuten später lag das schönste Licht hinter uns. Wir packten unsere sieben Sachen und kletterten die Leiter wieder nach unten. Windig war es zum Glück nicht, dafür kälter als zum Aufstieg. Die Winteraccessoires bleiben somit vorerst am Körper ;o)

Durch den Harzer Wald

Für ein paar Waldshots ist die Route echt super. Die Nacht zuvor hat es ordentlich geregnet, wodurch das grün viel saftiger wirkte.

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Nachdem direkt vor mir eine weitere Klippe erschien, fragte ich Sven, ob wir hier auf dem Weg nach oben auch vorbei gekommen sind. Prompt antwortete: Nö, wir laufen gerade nach Drei Annen Hohne, da willst du wohl gar nicht hin? Nein, da wollte ich eigentlich nicht hin. Typisch Ich, laufe einfach der Nase nach,  ohne auf die Beschilderung zu achten. Da wären wir wieder beim Thema mit der Orientierung und der Bockwurst.

Wir entschieden uns umzudrehen, da wir sonst ein Waldstück auslassen, in dem ich unbedingt fotografieren wollte. Die beste Entscheidung des Tages, warum erfahrt ihr weiter unten.

Im Dunkeln laufe ich solche felsigen Wanderwege eher ungern, im Hellen sind sie dafür extrem fotogen.

 

Willkommen im Märchen

Hier kommt er nun, der Grund, warum wir uns über den Umweg so gefreut haben: Ich weiß nicht, ob wir dieses Licht erwischt hätten, wenn wir dort 30 min. eher entlang gelaufen wären.

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Ich balancierte mal wieder zwischen den Steinen, um einen passenden Bildausschnitt zu finden, während Sven zu mir meinte: Du schaust in die falsche Richtung. Ich drehte mich um und sah die Sonne durch den dunklen Wald strahlen. Beide haben wir sowas bisher nur auf Fotos gesehen, aber noch nie live erlebt. Da standen wir also, mit der Gusche nach unten geklappt und haben uns gefreut wie ein Schneekönig.

Von solchen Spots bekommt man einfach nicht genug. Überall tauchte die Sonne den Wald in ein weiches warmes Licht. Ich will nicht wissen wir es aussah, zwei Verrückte krabbeln durch das Unterholz um DEN Blickwinkel zu finden. Die Brille hat mich nicht nur einmal vor einem Ast im Auge bewahrt.

Wir ließen das wundervolle Fleckchen Erde hinter uns und wanderten weiter Richtung Spinne, eine Wegkreuzung mit einer kleinen Schutzhütte. Hier fließt die Wormke entlang, ein Zufluss der Kalten Bode.

Sven liebt es, solche kleinen Strömungen von Bächen festzuhalten. So schnell konnte ich gar nicht gucken, da hing er wieder einmal halb im Gebüsch. Mein Stativ lag gut verstaut im Auto. Im Geiste klopfte ich mir selbst auf die Schulter, hat sie wieder super hinbekommen -.- Dafür hat Sven fast immer zwei dabei, ein Großes und ein Kleines. Ich lieh mir das große Stativ aus und suchte mir ebenfalls kleine „Wasserfälle“. Ganz schön schweres Teil trägt er da mit sich rum. Ich musste es teilweise mit zwei Händen tragen. Das würde erklären, warum sein Rucksack immer auf halb acht hängt ;o)

Obwohl ich es lieber grau mag, ging mir die Sonne an diesem Morgen ausnahmsweise nicht auf den Keks ;o) Der Wald verschluckte viel Licht und lies nur die gelb – orangen Farbtupfer für uns zurück. Hier und da strahlte die Sonne durch, herrlich.

 

Und wieder in Schierke angekommen

Gegen 09:00 Uhr kamen wir in Schierke an und ich versuchte zum x-ten Mal die Hütte der Bergwacht festzuhalten. Bis jetzt habe ich nicht ein Foto hinbekommen, mit dem ich zufrieden war. Das sollte sich diesmal ändern ;o)

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In der Ferne hörten wir etwas schnaufen. Ein kurzer Blick auf die Uhr und ich sagte zu Sven: Kann eigentlich noch nicht sein, die erste Bahn fährt kurz vor 10 Uhr. Trotzdem brauste plötzlich eine um die Ecke. Tja und was machen zwei „nerdige“ Fotografen, wenn sie schon einmal da ist? Richtig, Kamera raus und fotografieren. Am Bahnhof erkannten wir dann auf der Anzeigetafel, dass es sich um einen Sonderzug handelt. Noch 7 min. bis zur Weiterfahrt. Um ein paar Meter tiefer in den Wald zu rennen, reichte die Zeit aus. Wir suchten uns eine Kurve und kaum hatten wir ein geeignetes Plätzchen gefunden, zuckelte sie los.

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Ob es die richtige Entscheidung war, der Leistenklippe eine zweite Chance zu geben? Definitiv. Bis auf den Sonnenaufgang war es ein voller Erfolg. Trotzdem warte ich weiter, um in der Gegend bei richtig dichtem Nebel nach oben wandern zu können. Bis dahin werde ich sicherlich noch den ein oder andere Spot im Harz besuchen.

10 Kommentare zu „#25: Leistenklippe 2.0“

  1. Also ich möchte mal ganz ehrlich sein, von dem Sonnenaufgang auf der Klippe war ich ein bisschen entäuscht ! Ich hätte mich geärgert wenn ich um 2 Uhr aufgestanden wäre ! Die Aufnahmen vom Sonnenaufgang in der Waldlichtung sind aber dafür umso besser ! Das Sonnenlicht sieht wirklich ganz toll aus ! Auch die Langzeitbelichtungen vom fließenden Wasser super !!! Und den Zug natürlich nicht zu vergessen ! Also tolle Fotos bis auf den Sonnenaufgang auf den Felsen !!!

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  2. Ich bin schwer beeindruckt, dass ihr es mitten in der Nacht aus dem Bett schafft. Wenn mein Freund und ich das versuchen, endet das in der Regel so: Ich drücke zehn Mal auf die Schlummertaste vom Wecker. Irgendwann fleht mein Freund, ob wir nicht doch noch ein Stündchen schlafen könnten. Ich bin morgens zu willensschwach, um zu wiederstehen. So gegen acht Uhr schaffen wir es aus dem Bett, sind aber beide der Ansicht, dass man unbedingt noch eine zweite Tasse Kaffee trinken müsse, weil es ja noch so früh ist. Und dann irgendwann sind wir beide der Meinung, dass wir uns nun auch nicht mehr beeilen brauchen. Ist ja sowieso schon so spät. Die Folge: Wir wandern meistens genau in der Mittagshitze den Berg hoch und haben nie so schöne Bilder wie ihr. 🙂

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    1. Vielen lieben Dank, freut mich extrem das sie dir gefallen 😍
      😂😂😂 Sehr geil. Ich habe mir vor Jahren die Schlummertaste abgewöhnt. Der Wecker klingelt und ich stehe direkt auf. Das erleichtert einem tatsächlich den Start in den Tag 😅 Habe früher so oft drauf gedrückt, bis er aus war 🤭 Das geht irgendwann nicht mehr so weiter..
      In der Mittagssonne wandern 😱 Das wäre tatsächlich nichts für, vorallem wenn Sommer ist 😅 Mal sehen, zu nächsten Brockentour gehts bestimmt noch früher los, um pünktlich zum Sonnenaufgang oben zu sein 😅

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