#24: Frühling in Drei Annen Hohne

Der Wetterbericht der vergangen Wochen war immer der gleiche (zumindest am Wochenende): Sonne, Sonne und nochmal Sonne. Meine Muse versteckt sich dann meist im Keller und kommt erst wieder raus, wenn es zumindest etwas bewölkt ist. Zum Glück konnte ich sie mit dem Wetterbericht für das kommende Wochenende rauslocken. Aber was war das für ein Symbol neben den ganzen Wolken? Schnee? Tatsächlich, das perfekte Wetter für mich und Niklas. Wir überlegten, was wir Schönes anstellen und mir kam die passende Idee: Eine Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken.

Der Plan stand und ich fragte Denis auf Instagram, ob er nicht Lust hätte mitzukommen. Wir wollten seit längerem gemeinsam auf Tour und diesmal sollte es soweit sein ;o) Den vierten Platz im Auto belegte Torsten, er wird uns aber nur auf der Hin- und Rückfahrt begleiten.

Start in Drei Annen Hohne

Gegen 09:00 Uhr kamen wir am Bahnhof an. Wir schnappten unsere Sachen und stiefelten Richtung Information, um ein Ticket zu kaufen. Nachdem das erledigt war (zum Glück standen kaum Leute an), holte ich die Kamera raus und hielt die ersten Eindrücke fest. Plötzlich ertönte lautstark eine Durchsage, jemand parkt einen Teil des Bahnhofes zu. Zum Glück, denn mir fiel sofort auf, dass wir kein Parkticket gezogen hatten. Kurz bevor die Bahn kam, eilte Niklas also nochmal zurück zum Auto. Das wäre sonst ein richtig teurer Ausflug geworden.

Ein paar Minuten später trudelte die Schmalspurbahn in den Bahnhof ein und kam mit einem lauten Zischen zum Stehen. Der letzte Waggon war komplett leer, klar dass wir in diesen einsteigen. 

Wir breiteten uns ganz hinten im Abteil aus, wodurch ich in Ruhe den Innenraum aufnehmen konnte. Es war perfekt, den menschenleeren Waggon abzulichten.

Auf geht’s zum Brocken

10 Minuten später begann unsere Fahrt zum Brocken, mit einem kleinen Zwischenstopp in Schierke. Wir klappten die Fenster nach unten, lehnten uns mit Kopf und Kamera nach draußen und hielten unsere kleine Reise in Bildern fest.

Alle paar Minuten wischte ich die Linse vom Objektiv trocken, denn es fing wieder an zu schneien. Je höher wir kamen umso nebliger und verschneiter wurde es. Ich habe ja mit der weißen Pracht gerechnet, aber das so große Flocken runter rieseln, hätte ich nicht gedacht.

Nach 50 Minuten hielt die Bahn am Brockenbahnhof. Der Nebel war in dieser luftigen Höhe extrem. Die Wetterstation versank im Dunst, sodass ich sie nur noch schemenhaft wahrnahm. 10 Minuten später sogar nicht mal mehr das.

Ich hielt die Augen die ganze Zeit offen, denn von der einen zur anderen Sekunde veränderte sich die Sicht. Einen kleinen Moment ließ sich sogar der Sendeturm für ein Foto blicken. Ich wollte noch ein paar Meter zurückgehen, um ein weiteres Bild zu schießen, da war er schon wieder weg. Das Wetter ist auf 1142 Meter: Unberechenbar.

Wir entschieden uns für den Rückweg nach Drei Annen Hohne, denn aus fotografischer Sicht kamen wir nicht weiter. Ich hatte erst leichte Orientierungsprobleme, durch den vielen Schnee und Nebel sah alles gleich aus. Nach einem kurzen Blick auf die Karte fanden wir aber doch die richtige Abzweigung.

Anderthalb Kilometer später kreuzten wir die Schienen entlang des Götheweges. Zum Glück warf ich einen Blick auf den Fahrplan, in 5 Minuten sollte eine Bahn kommen, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Jeder suchte sich einen passenden Platz und wartete, dass sie schnaufend um die Ecke bog. Click, click, click, die Bilder waren im Kasten.

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Am Gelben Brink

Auf unserem Weg zum Ahrensklint ließ der Nebel nicht nach. Am Gelben Brink stürzt irgendwo die Ilse ins Tal. Ich konnte sie weder sehen, noch hören, bei dem Wetter kein Wunder ;o) Was wir allerdings fanden, war ein eingeschneites Auto mitten im Wald, völlig abgekapselt von der Zivilisation. So beginnen meistens gute Horrorfilme… wieder einmal musste ich feststellen, dass ich mir in letzter Zeit zu viele Folgen des Podcastes Mordlust anhörte und schüttelte das mulmige Gefühl in der Magengegend hab… aber etwas gruslig ist das schon, wenn mitten im Nirgendwo ein Auto parkt, oder?!

Ich ließ Denis und Niklas die ganze Zeit vorlaufen, um sie mit ins Bild einzubauen. Zwei einsame Wanderer die sich ihren Weg durch den tiefen Schnee bahnen, dass passt einfach super zur Wetterstimmung.

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Hoch zum Ahrentsklint

Auf 822 Meter Höhe befindet sich der Ahrentsklint. Mit Hilfe von Eisenleitern kann man auf die Spitze der Felsformation klettern. Nun hieß es Vorsicht, denn es war mega rutschig durch die Nässe. Von oben hat man bei klarer Sicht vermutlich einen wunderschönen Ausblick. Wir konnten zwar nicht ganz so weit schauen, aber interessant war es trotzdem. Den Brocken umschlang weiterhin Nebel, aber der Wurmberg war zu sehen, glaube ich zumindest (ich habe eine Orientierung wie eine Bockwurst).

Unten wartete bereits eine Reisegruppe, welche nach und nach den Felsen emporstieg. Der perfekte Moment, weiterzuziehen.

Der Nebel lichtete sich langsam, Zeit für den Schnee. Da kamen aber nicht nur ein paar kleine Krümel runter, sondern gigantische Flocken. Innerhalb von Sekunden wurde es immer schlimmer. Wir suchten in einer kleinen Schutzhütte nach einem trockenen Plätzchen in der Hoffnung, der Schnee lässt bald nach. Zum Glück hatte ich ein kleines Handtuch im Rucksack und konnte die Kamera vom Wasser befreien. Seitdem ich im Regen in der Bastei war, packe ich immer eins ein ;o)

Nach der kleinen Verschnaufpause ging es weiter Richtung Trudchen. Der Schnee ließ natürlich nicht nach (war ja klar). Ich schützte die Kamera so gut es geht vor den Flocken und holte sie nur hervor, wenn ein passendes Motiv in Sicht war.

Weiter zum Trudenstein

Genau wie der Ahrentsklint ist der Trudenstein eine kleine Granitklippe, auf der man die Aussicht genießen kann. Vorsichtig stiegen wir die Leitern nach oben, welche diesmal extrem steil und rutschig waren. Wer nicht schwindelfrei ist, könnte hier leichte Probleme bekommen. Oben angekommen war die Aussicht witterungsbedingt eingeschränkt, aber trotzdem schön.

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Zum Sonnenauf- oder -untergang im Sommer stell ich es mir fantastisch vor. Wenn ich das nächste Mal zur Leistenklippe wandere, werde ich hier bestimmt auf einen Abstecher vorbei kommen.

Zurück nach Drei Annen Hohne

Der Schnee legte mittlerweile einen ordentlichen Zahn zu. Den Blick richtete ich immer mehr Richtung Boden, um nicht alles ins Gesicht zu bekommen. Je näher wir Richtung Bahnhof kamen, umso schlimmer wurde es. Das hielt uns natürlich nicht davon ab, noch das ein oder andere Bild der Dampflok zu schießen. Die stand gerade wartend auf dem Gleis und wurde auf die nächste Fahrt vorbereitet. Genug Zeit, um ein paar Details festzuhalten.

Immer mehr Flocken sammelten sich im Gesicht und auf der Kamera. Nun war es wirklich an der Zeit, die Heimreise anzutreten. Die Tour war komplett nach meinem Geschmack. Okay, etwas weniger Schnee hätte es von oben sein dürfen, aber irgendwas ist ja immer ;o)

12 Kommentare zu „#24: Frühling in Drei Annen Hohne“

  1. Die Fahrt mit der Bahn fanden wir recht schön. Der Brocken selber war für uns weniger beeindruckend als gedacht. Ich wäre gerne auch zu Fuß zurück gewandert, habe aber meine Familie zuliebe darauf verzichtet. Dieses Vorhaben muss noch umgesetzt werden.
    Wir waren übrigens im Sommer dort. Mit ziemlich vielen anderen Besuchern…

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    1. Ganz lieben Dank, freut mich, dass sie dir gefallen. Das Foto hat einer meiner treuen Begleiter geschossen ;o) Fotografen sind ja sonst eher selten auf ihren Bildern zu sehen ;o)

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