#243: Weckelsdorfer Felsenstadt – Eine abenteuerliche Wanderung zwischen Felswänden & Schluchten

Mitten im rauen Herzen des Broumover Berglands in Tschechien verbirgt sich eine Landschaft, die wilder kaum sein könnte: die Weckelsdorfer Felsenstadt, Teil der legendären Adersbach-Weckelsdorfer Felsen. Schon beim ersten Schritt zwischen die mächtigen Sandsteintürme fühlt es sich an, als würde man eine andere Welt betreten. Über Jahrtausende haben Wasser, Frost und Wind hier ein steinernes Kunstwerk erschaffen: dramatische Felstürme, die wie versteinerte Riesen in den Himmel ragen, schmale Felsspalten, in denen das Licht geheimnisvoll flackert, und verwunschene Pfade, die sich wie ein Labyrinth durch die Schluchten winden. Den ersten Teil dieser faszinierenden Landschaft habe ich dir bereits im letzten Beitrag etwas näher gebracht. Nun möchte ich dir gern den zweiten Teil zeigen.

Die Burgruine Stremen

Wer die Weckelsdorfer Felsenstadt besucht, darf die Burgruine Střmen nicht einfach links liegen lassen. Auch wenn von der mittelalterlichen Bausubstanz heute kaum mehr als Verankerungen im Fels übrig sind, ist der Ort für mich als Fotograf ein absolutes Muss. Es ist dieses Gefühl, über den gigantischen Sandsteintürmen zu schweben, das diesen Spot so besonders macht. Wenn die tiefstehende Sonne die Felswände in warmes Licht taucht, entstehen hier Aufnahmen, die die ganze Wildheit Böhmens einfangen.

Der Weg nach oben ist kein gewöhnlicher Wanderpfad, sondern eher eine vertikale Herausforderung. Über hunderte Stufen und teils sehr steile Metallleitern schraubt man sich die Felsnadel empor. Doch oben angekommen, öffnet sich der Blick auf ein schier endloses Meer aus Felsspitzen und tiefgrünen Wäldern. Für das perfekte Panorama empfehle ich, die Kamera fest am Handgelenk zu sichern – die Plattform ist spektakulär, aber winzig.

Wanderung durch die Felsenstadt

Das Gelände ist kein klassischer Wanderweg, den man mal eben wegschrubbt, sondern eher ein riesiges Natur-Labyrinth. Das Coole daran: Die Perspektive wechselt gefühlt alle hundert Meter. Mal stehst du auf einem weiten Platz und starrst hoch zu monumentalen Felsnadeln, die wie versteinerte Riesen in den Himmel ragen, und nur eine Kurve weiter „verschluckt“ dich eine kühle, moosbewachsene Klamm.

Es ist einer dieser Orte, die man mit allen Sinnen wahrnimmt. Es riecht nach feuchtem Sandstein und Waldvielfalt, während das Echo deiner Schritte zwischen den engen Felswänden fast schon meditativ wirkt. Man merkt schnell, dass es hier nicht darum geht, möglichst schnell am Ziel anzukommen. Du wirst automatisch langsamer – nicht wegen der Steigung, sondern weil dich die Szenerie dazu zwingt, ständig stehen zu bleiben und zu schauen.

Besonders beeindruckend ist der Kontrast zwischen der massiven Wucht der Felsen und der Stille in den tiefer gelegenen Schluchten, wo selbst im Sommer eine angenehme Frische herrscht. Die Weckelsdorfer Felsenstadt zieht dich Schritt für Schritt tiefer in ihre eigene Welt. Es ist ein ehrliches Naturerlebnis ohne viel Schnickschnack, das einen am Ende des Tages mit müden Beinen, aber einem verdammt guten Gefühl und einer vollen Speicherkarte nach Hause schickt. Wer einmal Blut geleckt hat, will hinter jedem Felsen wissen, welcher Ausblick als Nächstes wartet.

Anreise, Wanderroute und Einkehrmöglichkeit Weckelsdorf

Tipps fürs Wandern und Fotografieren

Damit deine Tour zum Erfolg wird, habe ich hier meine persönlichen Empfehlungen zusammengestellt. Beim Fotografieren in dieser Felsenstadt stehst du oft vor einem echten Licht-Dilemma: Während draußen die Mittagssonne knallt, herrscht in den tiefen Felsgassen fast schon ewiges Dämmerlicht. Mein Tipp: Nutze genau diese extremen Kontraste! Wenn die Sonne nur die obersten Spitzen der Felsen streift, während die Pfade tief im Schatten liegen, entstehen diese herrlich dramatischen Bilder, die den Vibe der Schluchten perfekt einfangen. Ein Polfilter ist dabei dein bester Freund, um die satten Farben der Moose und Flechten auf dem gelblichen Sandstein so richtig zum Leuchten zu bringen.

Überhaupt ist das Timing hier alles, denn die Felsenstadt ist ein ständiges Labyrinth aus Licht und Schatten. Wer als Erster im Park ist, wird oft mit mystischem Morgennebel belohnt, der zwischen den massiven Felsnadeln hängen bleibt – ein absoluter Traum für stimmungsvolle Aufnahmen. Versuche aber unbedingt, das Wochenende zu meiden. Die schmalen Stiegen zur Burgruine Střmen bieten kaum Platz für Stativ-Aufbauten, wenn sich ganze Wandergruppen an dir vorbeiquetschen wollen.

Was das Equipment angeht, empfehle ich dir eine strikte „Ausrüstungs-Diät“. Der Aufstieg zu den Aussichtspunkten erfordert ordentlich Kondition, da zählt jedes Gramm. Ich packe meist nur zwei Objektive ein. Ein Weitwinkel, um die gewaltigen Dimensionen der „Domwände“ überhaupt aufs Bild zu bekommen, und ein leichtes Tele, um die bizarren Felsstrukturen hoch oben zu isolieren. Aber vergiss vor lauter Ehrfurcht nicht den Perspektivenwechsel. Hör zwischendurch auf, nur nach oben zu starren, und schau dir die Makro-Motive direkt am Wegesrand an. Der Kontrast zwischen dem rauen Stein und dem weichen, tiefgrünen Moos erzählt seine ganz eigene Geschichte der Verwitterung.

Fazit Weckelsdorfer Felsenstadt

Wenn mich jemand fragt, ob sich die Weckelsdorfer Felsenstadt lohnt, gibt es von mir ein klares: Absolut! Im Vergleich zum bekannteren Adersbach ist es hier deutlich urwüchsiger und schroffer. Wer auf der Suche nach dem perfekten Shot ist, findet zwischen den gigantischen „Domwänden“ eine Kulisse, die fast schon an einen Fantasyfilm erinnert. Weckelsdorf ist nichts für bequeme Turnschuh-Wanderer, sondern ein echtes Erlebnis für alle, die es ein bisschen wilder mögen. Pack genug Speicherplatz ein, nimm dir Zeit für die Details am Wegesrand und genieße die Ruhe in den kühlen Felsschluchten. Für mich einer der besten Orte in Tschechien, um Natur pur einzufangen.

Wenn dir diese Tour gefallen hat und du Lust auf weitere Wanderungen, Fotospots und Tipps aus der Praxis hast, dann abonnier gern meinen Blog. Für die Bildbearbeitung danach habe ich ebenfalls vorgesorgt: Meine Lightroom Presets sind für genau solche Outdoor-Momente gemacht. Vielleicht helfen sie auch dir weiter.

4 Kommentare

  1. Es ist beeindruckend, wie du die wilde und urwüchsige Atmosphäre der Weckelsdorfer Felsenstadt eingefangen hast – man bekommt beim Lesen direkt Lust, sich selbst in diesem steinernen Labyrinth zu verlieren. Besonders der Kontrast zwischen den monumentalen Sandsteintürmen und der kühlen Stille in den moosbewachsenen Schluchten kommt in deiner Beschreibung und den Bildern wunderbar zur Geltung. Mein Tipp für dich: Um die gewaltigen Dimensionen der „Domwände“ noch greifbarer zu machen, könntest du versuchen, eine Person (vielleicht in einer auffälligen Jackenfarbe) klein im unteren Bilddrittel zu platzieren, um dem Betrachter einen direkten Größenvergleich zu ermöglichen.

  2. Pingback:Dürre Felsen Tschechien: Wandern in den „Böhmischen Dolomiten“

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