#80: Verregnete Wanderung im Harz

Ich sehnte mich so sehr danach, in die Natur zu fahren. Meine letzte Tour war knapp zwei Monate her. Schierke, Ziegenrück, Bad Schandau oder doch lieber Wernigerode? Ich konnte mich ewig nicht entscheiden. Erst am Morgen vor der Abfahrt entschied ich nach Schierke zu fahren. Laut Wetterbericht sollte es neblig werden, perfekt. Auch Stefani war wieder mit am Start und mindestens genauso begeistert, von der Vorhersage.

Schierke

Satte 6 Euro mussten wir für den Parkplatz am Bahnhof löhnen. Ganz schön fett, aber was soll’s. Der kleine Bahnhof ist ein Highlight für sich, doch das Drumherum verändert sich immer mehr. An jeder Ecke wurden Bäume abgeholzt, ich erkannte die Gegend kaum wieder. Die Hütte von der Bergwacht hat ihre Magie verloren, genauso wie der Feuerstein. Man blickt der nackten Tatsache ins Auge, dass der Wandel im vollen Gange ist.

Wir fingen ein paar Bilder ein und wollten weiter zur Leistenklippe schauen. Doch bereits nach den ersten hundert Metern drehten wir ab. Ein komplett vereister Wanderweg stoß uns übel auf. Ich mache ja viel mit, aber auf sowas habe ich keine Lust. Wir überlegten hin und her, wo es nun hingehen sollte und entschieden uns für Wernigerode.

Wernigerode

In Wernigerode angekommen, klatschten mir die ersten Regentropfen auf die Brillengläser, während ich aus dem Auto stieg. Hoffentlich beruhigt sich das Wetter ein wenig. Es darf gern Nieseln, aber in Strömen muss es nicht regnen. Wir verstauten sicher unsere Sachen und liefen in den Wald hinein.

Den Hippelhangweg habe ich im Herbst lieben gelernt. Saftige Herbstfarben bekam ich an diesem Tag natürlich nicht, dafür tummelte sich ein bisschen Nebel zwischen den Bäumen. Perfekt um mein Tele einzusetzen.

Je höher wir kamen, desto erschrockener war ich. Nicht nur in Schierke wurde radikal abgeholzt, auch in Wernigerode begann man mit dem Fällen der Fichten. Man ist nur noch baff und traurig, wenn man sowas sieht. Aber es dient dazu, einen gesunden Mischwald zu schaffen.

Am Gasthaus Steinere Renne wurde es glücklicherweise grüner und die Holtemme schoss förmlich den Berg hinunter. Ich kann mich nicht erinnern, dort jemals solche Massen an Wasser gesehen zu haben. Dank der Schneemassen im Winter gab es reichlich Tauwasser. Nach den Nebelschwaden hat sich der Tag zum zweiten Mal gelohnt.

Ursprünglich wollten wir weiter zum Ottofelsen, bis es plötzlich anfing zu hageln. Als der in Regen umschlug, entschieden wir uns für den Rückweg. Der ging diesmal an der Holtemme entlang und nicht über den Berg. Genau die richtige Entscheidung, der Rückweg war in meinen Augen das schönste von der ganzen Tour.

Urwald-Feeling. Ich war zwar noch nie in einem, aber genauso stelle ich es mir vor. Direkt über uns gab es so viel toten Wald. Alles sah braun und vertrocknet aus. Doch hier unten entdeckten wir verschiedene Grüntöne, es war unglaublich.

Auch wenn ich mittlerweile nass bis auf die Unterwäsche war, genoss ich den Moment. Die Holtemme wurde immer reißender und auch der Regen von oben ließ nicht nach. Aller paar Minuten befreiten wir unsere Objektive von Regentropfen, um ein klares Bild zu bekommen.

So langsam wurde es Zeit am Auto anzukommen, denn es wurde kalt. Hoffentlich hat es sich gelohnt, nass bis auf die Knochen zu sein, dachte ich mir. Die Vorfreude wuchs immer mehr, einen Blick auf die Speicherkarte zu werfen. Doch wenn man Fahrer ist, muss man sich etwas in Geduld üben, bis man die Resultate bestaunen kann.

Ich hoffe, euch hat der kleine Rundweg gefallen. Wer Lust hat, findet hier die Tour zum Nachlaufen. Bis jetzt weiß ich noch nicht, wo ich als Nächstes hinfahre. Eigentlich möchte ich seit Monaten zur Ziemestalbrücke, doch immer, wenn ich auf graues Wetter warte, drückt sich am Wochenende die Sonne durch. Frechheit. Lasst mir gern ein Abo da, wenn ihr genauso gespannt auf die nächste Tour seid, wie ich.

21 Kommentare zu „#80: Verregnete Wanderung im Harz“

  1. Noch schläft er ja der Wald, sammelt Kräfte in nebelig Kalter Luft und trüben Tagen. Doch wenn der Harz mal erwacht hat er was dramatisches. Kein Wunder, dass Goethe die Hexen dort in seiner Dichtung angesiedelt hat. Bei Deinen Fotos kommt mir die Musik „Walpurgisnacht“ von Kitaro in den Sinn. Aber wie gesagt, sie steht noch bevor und das hier im Nebel ist geballte Ruhe vor dem Sturm in dem die Geister anbrausen werden. Ich liebe den Harz, er ist was besonderes, unaussprechlich inspirierend.
    Gruss von Astrolady

    Gefällt 2 Personen

  2. O, sorry – das war nicht von Kitaro – nun finde ich diese Musik nicht mehr, unter Walpurgisnacht gibt es ja so viele Titel – schade – aber bei dieser Musik dachte ich immer an den Harz.

    Gefällt 1 Person

  3. Deine Begeisterung für den Weg am Fluss teile ich, ebenso wie der Wunsch nach Nebel. Dafür stehe ich auch ne ganze Ecke vor meinem Arbeitsbeginn auf, um das zu erleben. 😊
    Stimmungsvolle Bilder mit dem gewissen Extra, das ich sehr mag! Braun, grau, schwarz… Nutzt Du ein bestimmtes Preset?

    Gefällt 1 Person

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