10 Fragen an Anskar Lenzen

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Alle Bilder von Anskar findet ihr auf seinem Instagram-Profil: anskar.lenzen

Für alle, die dich nicht kennen: Wer bist du, wo kommst du her und wie bist du dort gelandet, wo du jetzt bist?

Hi, mein Name ist Anskar und ich bin gebürtig aus Lübeck, aufgewachsen nähe Frankfurt und aktuell wohnhaft in Leer (Ostfriesland). Hier arbeite ich seit April 2021 als Biologe in einem Umweltplanungsbüro, nachdem ich vorher in Wien mein Masterstudium zum Wildtierökologen abgeschlossen habe.

Was ist das beste an deinem Beruf?

Das beste an meinem Beruf ist das viele draußen sein. Ich arbeite viel in der Natur und beobachte verschiedene Tiergruppen (vor allem Vögel). Gelegentlich kann ich das dann auch mit meiner Fotografie verbinden!

Auf Instagram entdeckt man bei dir viele Tierbilder. Würdest du sagen, du hast dich auf die Art der Fotografie spezialisiert?

Mittlerweile sicherlich ja! Ich fotografiere noch immer gerne Landschaften, aber deutlich weniger als zu Beginn meiner Fotografie. Dementsprechend hat sich auch meine gesamte Ausrüstung geändert. Innerhalb der Wildtierfotografie spezialisiere ich mich vor allem auf städtische Tiere.

Du setzt dich zusammen mit deiner Partnerin Lea sehr für den Naturschutz ein. Hast du drei einfache Tipps, die jeder sofort auf seiner Wanderung umsetzen kann?

Das Wichtigste ist immer auf den Wegen zu bleiben (vor allem in Schutzgebieten)! Tiere kennen das Wegenetz und sind an Bewegungen auf den Wegen gewöhnt, so dass sie sogar oft wenige Meter neben dem Weg ruhen. Sobald man dann also von Wegen abgeht, handelt man für die Tiere unberechenbar und sie verfallen in einen Angst- oder Fluchtmodus.

Ähnlich verhält es sich mit Drohnen, auch diese stellen eine Gefahr dar und sollten vor allem in Schutzgebieten auf dem Boden bleiben und man sollte zurück zur Kamera wechseln.

Drittens kann man sagen, dass man sich Tieren auch nicht nähern sollte, nur weil sie sich einem zeigen. Einen respektvollen Abstand einhalten und keine Anfütterungsversuche starten, sorgt dafür, dass in Zukunft auch viele andere Naturnutzer noch solche tollen Wildlife Momente erleben werden.

Welche Linse benutzt du am liebsten, um die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung einzufangen? Hast du bisher mal eines fotografiert, dass dir näherkam, als dir lieb war?

Ich nutze vor allem das Sony SEL 200-600mm F5.6-6.3 E-Mount an meiner Sony a7IV.

Ich habe einen riesigen Respekt vor Wildtieren entwickelt und „lege es nie drauf an“, das gilt insbesondere bei Wildtieren mit Jungtieren. In der Regel reagieren Tiere eher mit Fluchtverhalten als mit einem Angriff, trotzdem sollte man sich stets zurückhalten und vorsichtig agieren. Deshalb hatte ich glücklicherweise bisher auch noch keine Situation die mir nachträglich negativ im Kopf geblieben ist!

Mittlerweile hast du schon viele Länder bereist. Welcher Ort hat dich bisher am meisten fasziniert?

Das wird für mich immer der Regenwald Ecuadors sein. Ein absolut magischer, vielfältiger und geheimnisvoller Ort, an dem die Natur teils noch intakt ist. Wildtiere sieht man hier viel schwieriger, aber man spürt die immer-währende Präsenz. Ich habe dort für ein halbes Jahr in einer Rettungs- und Auswilderungsstation für Wildtiere gearbeitet und geforscht und obwohl die Zeit wirklich toll war, war es auch eine Herausforderung. Der tägliche Regen geht auf Dauer wirklich auf die Psyche!

Wie ist deine Meinung zu Thema Kahlschläge? Ich bin viel im Harz unterwegs und muss immer wieder feststellen, dass fast alles abgeholzt wird, was nur irgendwie geht. Ich bin nicht vom Fach, habe aber mal gehört, dass sich die Natur unter dem Totholz viel besser erholen kann, als wenn alles einer Steppe gleicht. Kannst du das bestätigen?

Kahlschläge müssen Sinn machen und das tun sie nur in den seltensten Fällen. Wenn ich auf einmal eine gesamte Fläche abholze, verändere ich das Ökosystem von heute auf morgen massiv (z.B. Regenhaushalt, Boden, Totholz, Biomasse usw.). Totholz ist immens wichtig für Wälder und die Biodiversität, aber wir müssen auch unsere Waldstruktur ändern. Weg von den Fichtenkulturen, zurück zu einem gesunden Mischwald.

Zum Thema Wälder, Forste, Borkenkäfer, Fichtenkulturen und allem was dazu gehört haben wir übrigens einen dreiteiligen Podcast zusammen mit „Forst erklärt“ aufgenommen. Hier werden viele Fragen beantwortet!

Gibt es aktuell ein Umweltthema, das dir Unbehagen bereitet?

Das wird immer der Klimawandel und unsere nicht-Bereitschaft diesbezüglich etwas ändern zu wollen sein. Hier sollten wir langsam mal anfangen an einem Strang zu ziehen, anstatt uns gegenseitig ausspielen zu wollen. Wenn nicht für uns, dann zumindest für unsere (Enkel)Kinder.

Was denkst du, würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Wir brauchen mehr Aufklärung und die Gesellschaft muss endlich anfangen gewissen Menschen besser zuzuhören. Darunter fallen unter anderem Wissenschaftler, die sich extrem mit akuten Problemensowie deren Lösungen auseinandersetzen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Lea und ich arbeiten aktuell an etwas sehr Großen. Darüber möchten wir noch nicht viel verraten, aber es wird die Fotografie mit unserem wissenschaftlichen Hintergrund deutlich näher zusammenbringen.
Ansonsten möchte ich mich auch beruflich weiterentwickeln und die Fotografie als zweites Standbein aufbauen.

Vielen lieben Dank für deine Zeit Anskar.

6 Kommentare zu „10 Fragen an Anskar Lenzen“

  1. Spricht mir aus der Seele das kurze Interview.
    Natur erhalten, für weitere Nutzer und Generationen lebendig halten, dass haben wir selbst in der Hand.
    Leider wird für Likes und Clicks und das besondere Bild jede Vernunft über Bord geworfen und Regeln und sinnvolle Verbote umgangen.
    Danke für dieses schönen kleinen interessanten Interviews.

  2. Sehr interessante Reportage und ich stimme zu 100 % mit Anskars Position zum menschlichen Verhalten in der Natur sowie mit seinen Ansichten zum Naturschutz überein.

Kommentar verfassen