#124: Winterzauber am Oderteich

Der Plan, welchen ich mir auf der letzten Tour vornahm, sollte klappen. Ich saß an einem Freitag vor Instagram und scrollte durch die aktuellen Storys. Und eine Story stach mir besonders ins Auge. Zu sehen war der Oderteich, bedeckt mit Schnee und nicht zugefroren. Schnell lud ich die Akkus meiner Kameras auf, packte zusätzlich noch eine analoge ein und düste keine 24 Stunden später in den Harz. Alle Landschaftsbilder aus diesem Beitrag gibt’s übrigens auf Nachfrage im Shop zu kaufen.

Ankunft am Oderteich:

An diesem Tag waren wir zu fünft unterwegs. Die meisten Fotografen denken sich vielleicht, dass man sich da nur im Weg herumsteht, aber das ist nicht der Fall. Sowas passiert eigentlich nur, wenn du mit Egoisten unterwegs bist, aber bei uns nimmt jeder Rücksicht auf den anderen. Gerade der Austausch in so einer Gruppe macht besonders viel Spaß.

Die Runde begann relativ entspannt. Ein paar Autos standen zwar bereits am Oderteich, aber voll war es zum Glück nicht, noch nicht. Ich begann die ersten Bilder zu machen und wurde innerhalb von ein paar Sekunden entschleunigt.

Das Wetter an diesem Tag hätte besser nicht sein können. Eigentlich wünsche ich mir am Oderteich immer Nebel, aber diesmal nicht. Ich finde es viel schöner, wenn der See im Winter ruhig ist und die dunklen Bäume zusammen mit dem Wasser einen krassen Kontrast zum Schnee abgeben. Die Spiegelung kommt dann besonders intensiv rüber.

Ich konnte mich an diesem Tag nicht satt sehen. Alles wurde in eine wundervolle Ruhe getaucht. Man hörte nur das Knirschen vom Schnee. An einigen Stellen versank ich für einige Zentimeter und holte mir dadurch das kühle Nass in die Schuhe.

Pastellfarbene Winterstimmung:

Während ich damit kämpfte, den Schnee aus meinen Schuhen zu bekommen, veränderte sich die Farbe des Himmels plötzlich in warme Pastelltöne. Die nassen Knöchel waren vergessen. Ich griff zur Kamera und war wie in Trance: wie geil ist bitte die Natur?

Solche Momente erlebe ich echt nicht oft. Weit nach Sonnenaufgang kam dieses warme Licht und verschwand innerhalb von einer halben Stunde wieder. Ich dachte kurz, dass sich die Sonne noch blicken lässt, aber Fehlanzeige. Nachdem möglichst viele Aufnahmen im Kasten waren, verschwand alles wieder und zurück blieb eine graue Wolkendecke. Das störte mich natürlich auch nicht, aber die Farben waren eine gelungene Abwechslung.

Die Sonnenkappe:

Um an die nächsten Bilder zu kommen, musste ich etwas tiefer im Schnee versinken. Vor knapp einem Jahr fand ich eine bestimmte Perspektive von der Brücke an der Sonnenkappe und wollte diese gern erneut mit Schnee einfangen. Ich stapfte durch den tiefen Schnee, während es an den Beinen immer eisiger wurde…. was tut man nicht alles für’s Foto. Aber auch die anderen Motive in der Ecke lohnen sich immer wieder auf’s neue. Der Oderteich wird einfach nie langweilig.

Wir überlegten an der Stelle, ob wir weiter zur Wolfswarte laufen, entschieden uns aber kurzerhand dagegen. Eh wir dort oben ankommen würden, wären schon zu viele Menschen unterwegs. Und ich schieße lieber Bilder, wenn niemand drauf zu sehen ist.

Während ich meine digitalen Kameras um die Schulter hängen hatte, lag meine analoge Knipse sicher in der Bauchtasche. Diesmal wollte ich nach vielen Jahren wieder einen Film verschießen. Die Kamera ist in meinen Augen nicht nur übel hübsch, sie funktioniert auch noch ganz gut. Die Ergebnisse zeige ich euch am Ende dieses Beitrages.

Die Zeit verschwand wie im Flug und die ersten Familien und Wandergruppen kamen uns entgegen. Vorbei war es quasi mit der Idylle und die Gegenwart holte uns ein. Gerade auf dem letzten Stückchen war es nur noch anstrengend. Der Weg über die Holzstege ist relativ schmal und uns kamen Massen entgegenkamen. Auch wenn ich mich trotzdem nicht beirren ließ, meine Bilder zu schießen, verlor ich allmählich die Lust. Ich hätte nicht gedacht, dass bei dem Wetter doch so viele Menschen in den Harz strömen.

Der Oderfall:

Doch bevor es zurück auf den völlig überfüllten Parkplatz ging, statteten wir dem Oderfall noch einen Besuch ab. Auch wenn die anderen nicht so ganz überzeugt waren, ob es sich lohnt, wollte ich unbedingt nachschauen. Viel laufen muss man nicht extra und bereits am Anfang kurz nach der Brücke wusste ich, das wird guuuuut. Und so war es dann auch. Nicht ganz ungefährlich (man sollte trittsicher sein), aber definitiv lohnenswert.

Im Anschluss ging es dann zurück zum Auto. Die Menschen, die sich dort befanden, waren unglaublich. Keine Ahnung, wie man da noch Bock hat, auf einen frei werdenden Parkplatz zu warten. Hätte ich das Spektakel aus der Ferne gesehen, wäre ich sofort umgedreht. Aber nein, die Leute stellten teilweise die Ein- und Ausfahrten zu. Da sage ich jetzt mal nichts weiter dazu.

Weiter geht’s mit Analog:

So, zum Schluss gibt es jetzt wie versprochen, die analogen Eindrücke vom Spot. Nicht perfekt, aber dafür mit sehr viel Charme. Ich werde zukünftig bestimmt öfter eine analoge Knipse mitnehmen, zumindest wenn das Gewicht auf dem Rücken keine große Rolle spielt. Der ganze Prozess vom Foto zum fertigen Bild ist einfach super spannend. Ich liebte es vor 20 Jahren und ich liebe es noch heute.

Ich hoffe, euch hat der Beitrag gefallen. Beim nächsten Mal geht’s erneut in den Schnee und zwar ins Fichtelgebirge. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann abonniert gern den Blog.

20 Kommentare zu „#124: Winterzauber am Oderteich“

  1. Ich muss sagen, absolut perfekt. Eine Frage zum analogen Weg. Ich besitze noch eine Nikon FM2. War damals die Leica der Nikon. Ich fotografiere (sehr selten) auf Ilford XP2, lasse den Film in hoher Qualität scannen und bearbeite dann mit LR und wenn nötig mit Photoshop.

  2. Gerade nach meinem Feedback. Also ich versuche es noch einmal: Eine Frage zum analogen Weg. Ich besitze noch eine Nikon FM2. War damals die Leica der Nikon. Ich fotografiere (sehr selten) auf Ilford XP2, lasse den Film in hoher Qualität scannen und bearbeite dann mit LR und wenn nötig mit Photoshop.

    1. Scheinbar steh ich grad völlig auf dem Schlauch… 🙈 Das du geschrieben hast, dass du mit einer Nikon FM2 selten auf einen Ilford XP2 fotografierst und dann alles in hoher Qualität scannen lässt, um die Bilder anschließend in LR/ PS zu bearbeiten, habe ich verstanden. Aber welche Frage hast du dazu, das lese ich nicht heraus 🤭

  3. Ich glaube mit Deinem Können, könntest Du bei Deiner Motivwahl sogar mit dem Smartphone die Leute begeistern!
    Herrlich, der Natur in ihren Traum hineinsehen zu können. Unfassbar, dass das in Deutschland ist.

  4. Der Oderteich mal ganz anders als ich ihn im September letzten Jahres erlebt habe! Und diese halbe Stunde pastell – Wahnsinn!!
    Meine Analogen sind schon lange weg. Aber ich kann durchaus den Reiz verstehen. Analog zwingt einen viel mehr über das Bild und die Komposition nachzudenken…

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