#47: Karpacz

Endlich Urlaub. Es gibt nichts Schöneres, als den letzten Arbeitstag hinter sich zu lassen und entspannt die Reisetaschen zu packen. Selbige werden auf diesem Trip etwas dicker, denn es geht in den Schnee. Für meinem Mann zum Snowboarden und für mich zum Wandern. Uns trennten nur noch vier Stunden Autofahrt vom Hotelzimmer.

Tag 1 – Ankunft in Karpacz/ Stabkirche Wang

Als wir im Hotel ankamen, begutachteten wir erstmal unser Zimmer. Es war ordentlich, sauber…. und verdammt klein. Man kam gar nicht daran vorbei, permanent im Bett zu liegen 😂 Aber vier Nächte sollten wir aushalten 😅

Nachdem die Klamotten im Schrank verstaut waren, ging es für uns zur Stabkirche Wang. Der etwa anderthalbstündige Fußmarsch hatte es in sich. Zuerst führte uns der Routenplaner über eine Staumauer in ein kleines Waldstück.

Danach ging es nur noch bergauf – teilweise mit einer 20%igen Steigung. Ich laufe echt gerne, auch lange, aber nach oben hasse ich wie die Pest. In der Vergangenheit habe ich allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt. So wie an diesem Tag.

Die Bilder waren im Kasten, Zeit, dass Abendessen vorzuziehen. Unsere Köpfe wanderten ins erste, dann ins zweite und dritte Lokal… alles voll. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, verlor ich den Glauben: 16:30 Uhr und nicht ein Restaurant in dieser Stadt war frei 😳 Eine verzweifelte Stunde später, wurden wir glücklicherweise fündig, um den Tag ausklingen zu lassen.

Tag 2 – die Schneekoppe

Eine straffe Brise mit leichtem Nieselregen wedelte uns um die Nase, als wir am nächsten Tag das Hotelzimmer verließen. Heutiger Tagesplan: Hoch zur Schneekoppe. Eine Berg- und Talfahrt mit dem Sessellift kostet umgerechnet ca. 15 Euro pro Person.

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Scheinbar sind die Polen keine Frühaufsteher, zumindest waren wir 09:15 Uhr die ersten Gäste. Die Fahrt nach oben dauerte knapp 4 Minuten. Die verwandelten sich mit starkem Wind und Regen, der sich 2 Minuten später in Schnee umwandelte, in einen wahren Höllentrip. Ein hoch auf unsere Skisachen 😂

Zum Glück ließ der Wind auf dem Berg nach, sodass wir entspannt die Umgebung erkundeten. Ein bis zwei Kilometer entfernt befand sich eine Baude, unser erster Halt an diesem Tag. Dass es auch der letzte war, wusste ich bis dato noch nicht.

Während wir unser Radler schlürften, wunderte sich Tobi, warum der Großteil der Wanderer Spikes dabei hatte. Glatt war es nun wirklich nicht und die Schneemengen waren überschaubar. Die Antwort folgte später.

Wir leerten unsere Gläser und bereiteten uns auf den Marsch zur Spitze vor. Nur ein Kilometer trennte uns von unserem Ziel. Wenn wir gemütlich laufen, sollten wir in einer Stunde oben sein.

Je höher wir kamen, desto windiger wurde es. Was anfangs noch ziemlich lustig war, entwickelte sich mit jedem neuen Höhenmeter zu einer waghalsigen Sache. Nach ca. 500 Meter gab ich den Kampf gegen die Natur auf. Tobi wäre noch weiter gelaufen, aber ich hatte bereits im Blick, dass wir auch irgendwie wieder herunterkommen müssen. Je höher wir kamen, desto glatter und stürmischer wurde es. Durch den Schneesturm konnte ich mich kaum auf den Beinen halten, ein Pärchen vor uns hockte sich sogar zusammengekauert auf den Boden.

Als uns dann auch noch eine Wanderin (mit Spikes) entgegenkam, unser Schuhwerk begutachtete und uns warnte, definitiv nicht weiterzulaufen, dachte ich mir: Das ist es nicht wert. Auf der Schneekoppe fegte ein mordsmäßiger Sturm und die gesamte Fläche war vereist. Ich mache ja viel Mist mit, aber auch ich habe Grenzen 😉

Also hielten wir uns an der wegweisenden Metallkette fest, während wir vorsichtig nach unten liefen. Für heute hatten wir genug von Sturm, Regen und Schnee. Da lässt man den Tag lieber bei einer kleinen Shopping Runde mit anschließender Riesenpizza in der Stadt ausklingen.

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Tag 3 – Entdeckungstour durch Karpacz

Tobi kam ja eigentlich zum Snowboarden her, allerdings waren von knapp 10 Pisten nur 2-3 unspektakuläre Pisten geöffnet. Also entschied er sich in das einstündig entfernte Pec pod Sněžkou zu fahren (Tschechien). Diese Stadt befindet sich genau auf der anderen Seite der Schneekoppe und hat mehr als doppelte so viele Pisten geöffnet. Warum auch immer, gab es dort auch mehr Schnee, obwohl die Lage beinahe identisch ist.

Zeit für mich, Karpacz zu erkunden. Ich hatte an unserem ersten Tag ein kleines Waldstück entdeckt, was ich mir näher ansehen wollte. Nach einem entspannten Frühstück und zwei bis drei Netflix Folgen „Ich schweige für dich“, stiefelte ich zur Mittagszeit nach draußen. Über Nacht fielen ca. 10-15 cm Neuschnee. Das war natürlich ein perfektes Timing, um ein paar Winterbilder einzufangen.

Ich steckte die Kopfhörer in die Ohren, drehte die Musik auf und genoss die Zeit für mich alleine. Ab und an braucht man das auch mal 😊 Nicht eine Menschenseele kam mir entgegen, während ich durch den frischen Schnee stapfte.

Ihr kennt ja bereits die Staumauer vom Anfang des Beitrages. Mit dem Schnee bedeckt sah es hier gleich tausendmal schöner aus. Vor zwei Tagen noch kein wirkliches Highlight, entdeckte ich nun viel mehr Motive.

Nach der Staumauer ging es für mich weiter durch den Wald. Laut meiner App gab es zwei Wege. Den Offiziellen und einen Schleichweg parallel zum Fluss. Ich entschied mich für den Weg am Wasser entlang und bereute meine Entscheidung nicht eine Minute.

Eine gute Stunde später war plötzlich Schluss. Nachdem ich schon ein wenig klettern musste, ging es für mich nicht mehr weiter.

Anstatt einer Rundwanderung lief ich nun wieder zurück, diesmal aber über den offiziellen Wanderweg. Klar, dass es auch dort einiges zu entdecken gab.

Der Tag verging wie im Flug. Tobi und ich kamen für ein gemeinsames Abendessen fast zeitgleich zurück. Tja und so schnell war der dritte Tag auch vorbei. Warum vergeht auf Arbeit die Zeit eigentlich nie in dem Tempo?

Tag 4 – Wenn nichts klappen will

Dieser Tag sollte einfach nicht unserer werden. Ursprünglich wollten wir hoch zur Schneekoppe und den See Mały Staw erkunden. Die erste schlechte Nachricht, unser Auto steckte im Schnee fest. Wir benötigten knapp 30-45 Minuten, um wieder Fahrt aufzunehmen. Nachdem das erledigt war, erfuhren wir, dass der Lift geschlossen war (Schneesturm auf der Schneekoppe). Prima…

Machen wir das beste draus, dachten wir uns. So startete unser Tag in einer der vielen Bauden, während wir überlegten, was wir anstellen. Im Endeffekt gibt es hier überall Wald, Spazierengehen passt ja eigentlich immer. Das man hier für das Betreten des Waldes pro Nase 2 Euro verlangte, verstand ich allerdings nicht so richtig – passte aber zum Rest des Tages 😂

Wie vielleicht der ein oder andere bemerkt, liebe ich die Kombination aus Schnee und Wasser. Davon gab es hier mehr als genug:

Nachdem wir eine ganze Weile gelaufen waren, der See für mich eh nicht erreichbar war, wollte ich mir wenigstens noch die schneebedeckte Stabkirche Wang sehen. Der letzte Stopp an diesem Tag für uns.

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Und ich muss sagen, so gefiel sie mir gleich viel besser, oder was meint ihr? Irgendwie haben wir den Tag dann doch noch erfolgreich überstanden 😂

Tag 5 – Zurück nach Halle (Saale)

Ein letzter Spaziergang, bevor es für uns wieder Richtung Heimat ging. Unsere kleine Fellnase Charly war die ganzen Tage natürlich mit am Start. Nachdem er den Schnee anfangs überhaupt nicht toll fand, bekam er 2 Tage später nicht genug davon.

Alles in allem ist Karpacz ein toller Ort zum Erholen und Wandern. Für Wintersportler würde ich den Ort allerdings nicht empfehlen. Irgendwie sind die Tschechen, was die Skigebiete angeht, besser aufgestellt. Wir haben nun den direkten Vergleich zwischen Karpacz und Pec pod Sněžkou. An alle Nicht-Ski- und Snowboardfahrer: Euch kann ich Karpacz  nur wärmstens empfehlen.

Wenn ihr nichts verpassen wollt, abonniert gerne meinen Blog. Keine Sorge, ich bombardiere niemanden mit Mails zu. Die nächste Tour im Harz ist bereits in Planung und ich freue mich, wenn ihr mich weiterhin begleitet.

6 Kommentare zu „#47: Karpacz“

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