#10: Spooky Hřensko

Das Tor zur Böhmischen Schweiz: Hřensko

Passender kann man diese Gemeinde nicht beschreiben. Selten bin ich in solch malerischen Orten unterwegs, aber in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz gibt es sie wie Sand am Meer. Wir fuhren immer tiefer in den Osten Deutschlands und ich konnte meine Augen kaum vom Fenster lösen: Hier ist nicht nur Herbst, hier hat Mutter Natur richtig tief in den Farbtopf gegriffen.

Das Auto platzte aus allen Nähten. Meine Idee, zur Edmundsklamm nach Hřensko zu fahren, schlug wie eine Bombe ein. Ich war froh, dass Niklas mit dem monströsen XC 90 kam, denn der hat 7 Sitze. Gut, wir benötigten nur 6, aber unsere Rucksäcke brauchten ja auch eine Mitfahrgelegenheit. Wie immer waren die üblichen Verdächtigen dabei (Flo, Janine, Niklas) und zusätzlich neu mit am Start Pierre und mein Teamleiter, Torsten. Wir quatschen auf Arbeit viel über die Fotografie und als ich die Edmundsklamm erwähnte, breitete sich ein Grinsen in seinem Gesicht aus.

05:00 Uhr ging’s los in Richtung Sachsen, eine 2 – stündige Fahrt stand bevor. Kurz vor Leipzig sprang plötzlich die Öllampe unserer Kutsche an. Niklas war bestens vorbereitet, fuhr rechts ran und holte ein Fläschchen Öl aus dem Kofferraum. Die auf zubekommen, war ein kleines Highlight. Ihr kennt doch diese zugeschweißten Öffnungen, mit einer Folie unter dem Plastikverschluss. Da sind meistens solche kleinen Dinger zum aufziehen dran, wisst ihr was ich meine? Dort nicht. Was hat sich der Hersteller dabei gedacht? „Muaaahh die werden wir ärgern, wenn sie die Flasche öffnen wollen…“? Niklas musste die Folie mit dem Daumen eindrücken und hatte ihn dann voll mit Öl. Nervig, aber für den Motor gab es was zu trinken. Je tiefer wir in den Osten fuhren, umso Farbenprächtiger wurde es. Ich wäre am liebsten alle paar Meter aus dem Auto gesprungen.

Einige Kilometer später überquerten wir die Grenze nach Tschechien und ich wurde endlich erlöst, Ziel erreicht. Wir schnappten unsere Klamotten + Rucksäcke und stiefelten zum ersten Spot: Das Alte Gaswerk – Herrnskretschen. Freunde ich sage euch, die Hütte ist der Hammer und das beste, man kann sie mieten. Ich habe mich nicht nach den Preisen erkundigt, aber für eine Halloweenparty ist die Location perfekt. Jeder suchte eine andere Perspektive, Niklas und ich spielten etwas mit dem Laub vor der Linse herum und wurden zum Schluss belohnt. Die Bilder waren im Kasten, es konnte zum eigentlichen Ausflugsziel gehen: Die Edmundsklamm.

Wir stellten das Auto ab und folgten den Hinweisschildern zur Klamm. Während ich vor einer Übersichtskarte stand um sie zu studieren, schubste mich plötzlich etwas von hinten und ich machte einen Satz nach vorne. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wurde ich von einem Fahrradfahrer angefahren. Nicht nett, aber kann passieren. Das die Dame sich dafür nicht entschuldigt hat und einfach weiterfuhr, war frech.

Vor uns lag ein 20 minütiger Weg zu den Booten. Das Erste fuhr 09:00 Uhr und ich bekam auf Instagram den Tipp, dieses zu erwischen (bevor die Touris kommen). Ich plante eine gute Stunde für den Weg ein, eine weise Entscheidung. Wir standen an jeder Ecke mit unseren Kameras und inhalierten die Schönheit der Natur. Hätten wir unsere Stative mitgenommen, wären wir bis heute nicht an dem Steg angekommen ;o) Die Kamnitz schlängelt sich durch das Tal und gibt ein atemberaubendes Bild ab. Der Anblick hat was vom Bodetal, aber dieses ist bei weitem nicht so mystisch.

Kurz nach 09:00 Uhr erreichten wir unser Ziel, kauften eine Karte und warteten, bis wir auf das Boot durften. 10 Minuten später war es soweit, ich freute mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Mittlerweile sammelten sich ca. 15 Leute an, der Kahn ist für 25 ausgelegt. Reichlich Platz, um ein paar Fotos zu schießen (anders als auf der Wilden Klamm, dazu komme ich noch). Der Kahnfahrer erklärte uns mit viel Witz ein paar Eckdaten. Es ist so still dort, das man jeden Furz hört, der Name Stille Klamm macht ihr alle Ehre. Kurz vor dem Ende fuhr er weit an den Rand…ich überlegte, was jetzt kommt… Ein großer Wasserfall schoss nach unten und prasselte direkt vor uns in die Klamm. Leider konnte ich nicht schnell genug reagieren und habe nur einen Schnappschuss davon. Der Kahn glitt weiter durch’s Wasser und ich erblickte das kleine Häuschen, wodurch ich auf Instagram auf die Klamm aufmerksam wurde. Mein Zielfoto des Tages. Wir schossen was das Zeug hielt…Fotos, keine Munition ;o) Der Ausflug war bis jetzt ein voller Erfolg.

Zeit für eine kleine Lunchpause. Die Aussicht war so überwältigend, da schmeckt es gleich viel besser. Gestärkt ging es zur nächsten Location: Die Wilde Klamm. Ich vermute das „Wild“ findet seinen Ursprung in überfüllten Booten, denn dadurch wird es eine wirklich wilde Fahrt. Erneut lag ein 20 – minütiger Weg vor uns, für den wir locker eine Stunde brauchten. Hier gab es so viele Eindrücke die wir festhalten wollten: riesige Gesteinsbrocken die in der Klamm lagen, goldene Herbstfarben, kleine Brücken…so stell ich mir den Himmel für Fotografen vor ;o)

Wir kamen an einem kleinen Wartehäuschen an und sahen den Kahn gerade losfahren, wie blöd. Neben dem Steg stand ein Kasten mit einer Kurbel. Man sollte 2x kurbeln, damit ein neues Boot angeschwommen kommt. 15-20 min. später war es in Sichtweite. In dieser Zeit sammelten sich jede Menge Besucher an. „Die passen alle in das Boot?“, fragte ich in die Runde. 10 Minuten später wusste ich, ja die passten (mehr oder weniger) alle in das Boot. Wir saßen mittig und der Fahrer signalisierte, dass wir weiter aufrutschen sollten. Kurz bevor es los ging, kamen 3 Wanderer und obwohl das Boot schon prall gefüllt war, durften sie mit drauf. Die Sardinenbüchse war perfekt gefüllt, ich schätze mit mind. 30 Leuten. Bewegen war so gut wie unmöglich, die Schräglage erwähne ich gar nicht erst, fotografieren Fehlanzeige. Das i-Tüpfelchen war der Fahrer. Ich habe selten jemanden erlebt, der so viel Spaß an seinem Job hat. Sein Highlight war vermutlich, mit dem Kahn hin und her zu schwenken, die Sardinen sollten sich in der Büchse nicht langweilen… Was hatten wir für einen Spaß *reusper*. 10 Minuten später neigte sich der Höllentrip dem Ende zu, endlich war der Steg in Sicht.

Weiter geht’s an der Klamm entlang in Richtung Prebischtor. Pierre hatte eine 18 km lange Wanderung rausgesucht, er wusste glaube nicht, wie weit 18 km sein können. Wir durchquerten ein Waldstück und kamen in Stimmersdorf raus. Die Zeit verging wie im Flug, wir waren bereits 6 Stunden unterwegs. Zum Prebischtor wären es 75 Minuten gewesen, runter dann nochmal 45. Die Zeitangabe auf knapp 5 km gerechnet, schreckte mich etwas ab. Hinzu kommt, dass um die Zeit der Massentourismus abgefertigt wird, worauf keiner wirklich Lust hatte. Die Location bleibt also erstmal auf der todo – Liste stehen, sie rennt nicht weg und ist im Sommer zum Sonnenaufgang sicherlich schöner.

Wir suchten einen alternativen Rückweg und dachten, ihn gefunden zu haben. Auf einer Übersichtskarte war neben der Hauptstraße nach Hřensko ein Radwanderweg eingezeichnet. Laut Karte darf auf dem Radwanderweg kein Radfahrer fahren. Die Logik verstehe wer will. Krampfhaft suchten wir diesen Weg, leider ohne Erfolg. Also traten wir die restlichen 6 km auf der Landstraße an. Das machte alles andere als Spaß. Für die Füße war es der Horror und aus fotografischer Sicht ernüchternd. Arschbacken zusammenkneifen, da mussten wir durch. Der Weg zog sich wie Kaugummi. Nach einer guten Stunde sahen wir das Ortseingangsschild Hřensko. Endlich.

Unsere Mägen knurrten, der perfekte Moment, für ein spätes Mittagessen. Die Auswahl der Restaurants war überschaubar und somit stand rasch fest, wo es hingeht. Ich kenne tschechisches Essen so: Riesenportion zum guten Preis. Dort gab es alles andere, als eine riesen Portion. Vor mir stand ein Portiönchen. Viel Mühe gaben sie sich jedenfalls nicht, aber wir hatten erstmal was im Bauch.

Die 2 – stündige Heimreise stand an und der Großteil von uns war froh zu sitzen. Nach exakt 12 Stunden befand ich mich wieder am ursprünglichen Treffpunkt in Halle (Saale). Was für ein Tag. Ich werde mit meiner Familie nochmal her fahren, dann für einen längeren Zeitraum. Es gibt so vieles zu entdecken, für eine Tagestour zu viel.

5 Kommentare zu „#10: Spooky Hřensko“

    1. Hallo Max ohne Netflix 🤣 Freut mich das er die gefällt 😍 Wenn du da Bock drauf hast, dann mach es. Ich kann es jedem empfehlen, schon alleine, weil es eine wunderbare Erinnerung ist.

      Liebe Grüße Chrisi

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