#158: Camping im Fichtelgebirge

Die Blätter fallen leise von den Bäumen, das Schmuddelwetter breitet sich aus und bunte Farben verbreiten ihren Charme. Die perfekte Zeit, für ein herbstliches Camping-Abenteuer im Fichtelgebirge. Ich liebe diesen Campingplatz, der direkt am See liegt. Hier habt ihr alles vor der Nase und das Auto müsste theoretisch nicht bewegt werden. Im Hotel am Fichtelsee könnt ihr lecker essen und Wanderwege gibt es an jeder Ecke.

Mein Lieblingsplatz, der Fichtelsee:

Die nächsten 5 Tage hieß es also Natur pur und einfach mal die Seele baumeln lassen. Wenn ihr keinen Bock auf Menschen habt, geht einfach irgendeinen Wanderweg entlang, der etwas abseits liegt. Ich verspreche euch, dann seht ihr auch keine Menschen. Ich mag sowas total, wenn man die Ruhe genießen kann.

Am ersten Morgen wollten wir gemütlich mit Charly spazieren gehen und lagen vorher ewig lange im Bett. Hätte ich gewusst, dass draußen alles voll im Nebel hängt, wäre ich früher aufgestanden. Wir erwischten quasi nur noch den Rest der magischen Stimmung.

Das sollte mir nicht nochmal passieren. Jeden weiteren Morgen stand ich zeitig auf, um einen Blick aus dem Wohnwagen zu werfen. Spontan entschied ich, ob ich eine Runde drehe oder nicht. Zwei Mal kuschelte ich mich zurück ins Bett zu meinen Liebsten und zwei Mal zog ich los.

Vom Fichtelsee zum Weismain:

Im Vorfeld stellte ich mir eine Runde über Outdooractive zusammen. Entspannte zehn Kilometer sollte sie gehen, sofern das Wetter mitspielen würde. Los ging es am Fichtelsee.

Der Tag begann mit einem dicken Wolkenband. Trotzdem ließ es sich die Sonne nicht nehmen, das Grau mit einem wunderschönen pastellfarbenen Orangeton zu versehen.

Ich dachte mir nur, hoffentlich wird es den restlichen Tag nicht sonnig… Am besten nicht so viel drüber nachdenken und den Morgen einfach genießen. Von dem erhofften Nebel war weit und breit schon mal nichts zu sehen. Okay, ein ganz leichter Dunst hing zwischen den Baumwipfeln fest, aber der war kaum der Rede wert.

Ich kam an diesem Tag nicht wirklich in die Fotografie rein. Manchmal habe ich ein Brett vor dem Kopf und weiß nichts mit den Motiven anzufangen. Und so entschied ich mich, einfach etwas wandern zu gehen und die Umgebung zu erkunden.

Und wie das immer so ist, wenn der Druck (den ich mir selber machte) erstmal raus ist, klappt’s auch mit der Kreativität. Kaum verzog sich die Sonne komplett, gefiel mir die Umgebung schon viel besser.

Die Farben wurden bunter und die kleinen Details endlich schöner. Als wenig später leichter Nieselregen einsetzte, stieg meine Stimmung immer weiter. Der Wald kann im Herbst so vielfältig sein. An einer Stelle erstrahlen Gelbtöne und an der anderen überwiegt ein saftiges Grün.

Weiter zum Paschenweiher:

Doch was soll ich sagen, dieser Moment hielt nicht ewig an. Mein Blick wanderte zum Himmel und was ich dort sah, gefiel mir gar nicht. Blau, Blau und noch mehr Blau. Mir war klar, dass die düstere Stimmung gleich weichen müsste. Als die Sonne kurz darauf durchkam, rauschte meine Motivation zurück in den Keller – aber nur ganz kurz, denn….

Die Sonne kam raus und an einem kleinen Teich hatte ich so viel Glück, dass sich Nebel ansammelte. Tja und die beiden Dinge miteinander vereint ist eine ganz wunderbare Kombination, oder was meint ihr? Als ich dann noch tropfende Spinnennetze entdeckte, war ich für diesen Tag rundum glücklich. Ich hatte meine düstere Stimmung, Nebel mit Lichtstrahlen und großartige Detailaufnahmen. Was will ich mehr?

Am Weismain:

Im Anschluss ging es nochmal kurz zum Weismain, doch an diesem Spot wurde es mir schnell zu hell. Immer dann, wenn die Sonne kurz hinter einer Wolke verschwand, schoss ich eins, zwei Bilder. Richtig Spaß machte mir das aber nicht. Vielleicht sollte ich mir die Location für eine bessere Wetterstimmung aufheben und erstmal eine Mittagspause einlegen? Wie sagt man so schön: Zwischen 11 und 3 hat der Fotograf frei. Also, Mahlzeit.

Ich haute mir mit Tobi den Bauch voll und gemeinsam fielen wir ins Suppenkoma. Gleichzeitig zogen am Himmel dunkelgraue Wolken auf und Tobi merkte schnell, dass ich hibbelig wurde. Genau auf so ein Wetter wartete ich die ganze Zeit. Während er es sich im Wohnwagen mit Charly gemütlich machte, zog ich nach dem ersten Wolkenbruch nochmal los.

Am Vormittag dominierten durch die Sonne eher warme Farben und nun war es ein bläulicher Ton. Durch den Blaustich wirkt die Umgebung meiner Meinung nach geheimnisvoller. Ich mag es total, mit den Farbtemperaturen zu spielen, um dem Wetter auf einem Bild noch mehr Ausdruck zu verleihen.

Zum Glück bin ich nochmal losgefahren, um den Spot am Weismain genau mit dieser Stimmung zu erwischen. Dass es einen Tag später noch besser werden würde, wusste ich in diesem Moment allerdings noch nicht.

Last but not least: Fichtelsee

Die ganze Zeit wartete ich sehnsüchtig auf Nebel, doch bis auf ein paar vereinzelte Nebelschwaden ließ er sich einfach nicht blicken. Der nächste Morgen sollte mein letzter Versuch werden. Auch wenn der Blick aus dem Wohnwagen nicht ganz zufriedenstellend war, entdeckte ich zwischen den Baumwipfeln einen zarten Dunst. Grau am Himmel war es auch, also nichts wie los.

Und wie ihr es auf den ersten Bildern bereits seht: Ich wollte die Suppe, ich bekam die Suppe. Über dem gesamten Fichtelsee hingen Nebelschleier. Es war etwas windig, das heißt die Umgebung veränderte sich im Sekundentakt. Wie sehr ich das liebe. So schnell wie ich die Motive sah, konnte ich sie gar nicht fotografieren. Da ich nie weiß, wie lange der Nebel bleibt, musste ich echt schnell sein.

Von mir aus hätte die Zeit stillstehen dürfen. Das Warten in den letzten Tagen hatte sich echt gelohnt. Auch die Herbstfarben waren an diesem Tag besonders kontrastreich. Der Cut zwischen Grün und Orange war teilweise so heftig, dass Mutter Natur eine direkte Linie zog. Links davon war alles grün und rechts davon bunt. Gut erkennen könnt ihr das auf dem 4. Bild unten.

Den ganzen Morgen begegnete ich nur ein bis zwei weiteren Menschen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie still es dort war. Kein Autolärm oder sonstige Geräusche. Nur der leise Wind zog über die Baumspitzen hinweg und gab ein entspanntes Rauschen von sich.

So langsam breitete sich ein Grummeln in meiner Magengegend aus. Ursprünglich wollte ich nur eine kleine Runde drehen und hatte keine Verpflegung dabei. Doch immer wieder entdeckte ich neue kleine Pfade, die mich von einem Motiv zum Nächsten brachten.

Nun aber ab ins Restaurant. Tobi wartete bereits sehnsüchtig auf mich. Ziel war eines unserer Lieblingslokale hier in der Gegend, das Wirtshaus zur Bleaml Alm. Als Vorspeise gab es eine Meerrettichsuppe und als Hauptgang verschlang ich Fagotti-Nudelsäckchen mit Birnen-Käse-Füllung im pikantem Pilzrahm. Ein absoluter Gaumenschmaus, ich sag es euch. Wenn ihr also mal in der Nähe seid, wisst ihr was zutun ist. 😉

So schnell ist der Urlaub wieder vorbei. Ich hätte noch locker zwei bis drei Monate hier bleiben können, aber das fänden unsere Arbeitgeber bestimmt nicht so witzig. Beim nächsten Mal nehme ich euch mit ins Vogtland. Dort war ich gemeinsam mit den German Roamers und vielen anderen Fotografen unterwegs. Besonders der Sonnenaufgang war der absolute Knaller. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, lasst gern ein Abo da.

Wenn ihr eines der Bilder aus diesem Beitrag gern an euren Wänden aufhängen möchtet, gebt mir gern Bescheid und ich binde es im Shop mit ein:

15 Kommentare zu „#158: Camping im Fichtelgebirge“

  1. Das sind wieder Momente, die auf den Grund der Seele gehen, die Du da eingefangen hast. Die Dunststrahlen, die auf den Teich treffen, erzeugen so einen heiligen Moment, es fehlt nur noch, dass Frau Holle aus dem Gewässer steigt oder aber heidnische Pilgerinnen dort hineinsteigen, um den ErdmutterSegen zu empfangen. Ein epischer Moment, wie überhaupt viele Bilder dieser Fotoserie. Ich bin tief berührt!

  2. Deine Fotos sind immer schön, aber diese Serie sticht heraus… nicht nur wegen der Anzahl der Fotos, sondern auch wegen der familiären Atmosphäre, die ich darin immer finde.
    Danke für all das Schöne und das Essen im „Wirthaus sur Bleaml Alm“ sieht super lecker aus. Urlaub ist immer viel zu schnell vorbei 😉

    1. Ganz lieben Dank dir. Die Gegend ist wirklich so schon, dass ich dort jedes Jahr hinfahren könnte. Du bist mitten in der Natur und gerade als Fotografin ist das einfach ein Traum.

  3. Hallo,

    die Fülle an spannenden Fotos beeindruckt mich. Wie das Licht durch die Bäume fällt… Schön eingefangen. Am Meisten hat mich tatsächlich das Beitragsfoto abgeholt. Der Weg zwischen den Seen mit den kleinen Fichten. Die Kälte… Mega! 🙂

    Jacov

  4. Ach, welch beeindruckende Fotos und schön auch mal wieder eins von namensvetter Charly zu sehen. Liebe Grüße Anja und der andere Charly 🙋🏻‍♀️🐶

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