#156: Zwischen Alexisbad und Mägdesprung

Lesezeit: ca. 8 Minuten

Mir kribbelte es in den Fingern, die ersten Herbstfarben einzufangen und wo würde das besser gehen, als in einem wunderschönen Laubwald. Zusätzlich packte mich der Ehrgeiz, mein Stempelheft aus dem Harz weiter zu befüllen. Das Abzeichen Wanderkönigin wartet bereits sehnsüchtig auf mich. Insgesamt konnte ich an dem Wochenende 6 Stempel absahnen und in diesem Beitrag zeige ich euch 2 wunderschöne Stempelstellen zwischen Alexisbad und Mägdesprung. Die Bilder aus diesem Beitrag gibt’s auf Wunsch für eure Wände oder zum Verschenken:

Startpunkt Alexisbad:

Ich stellte mein Auto auf dem Parkplatz in Alexisbad ab und begab mich auf die kurze Suche zu dem wohl schönsten Lost Place in der Gegend. Ich hatte das Gebäude im Netz entdeckt und wollte seitdem ein paar Impressionen davon festhalten. In meinen Augen ist es immer viel zu schade, wenn solche wundervollen Häuser leer stehen. Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich es kaufen und restaurieren.

Hier kann man sich kaum satt fotografieren. Natürlich hatte es auch seinen Reiz, einen Blick ins Innere zu werfen, aber das wollte ich an diesem Tag lieber lassen. Das letzte Bild von dem Haus war im Kasten und die circa 12 kilometerlange Rundwanderung konnte beginnen.

Ich überlegte ewig hin und her, ob ich die Tour an diesem Tag wirklich mache. Laut Wetterbericht sollte es regnen und stürmen. Beides miteinander kombiniert, kann auf Dauer echt anstrengend werden. Und als ich an meiner ersten Stempelstelle ankam, war ich mir echt unsicher, ob ich die Tour nicht lieber abbrechen sollte.

Stempelstelle 177: Verlobungsurne

Die Aussicht hier oben war super schön, aber der Wind, der mir die Regentropfen vor das Gesicht schleuderte, war alles andere als angenehm. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, die Tropfen von meinem Objektiv zu wischen und suchte daher erstmal in einer Hütte Schutz. Auf meinem Handy sah ich nach, inwieweit sich die Runde abkürzen ließ.

Auf der Karte entdeckte ich verschiedenste Möglichkeiten, die Tour vorher zu beenden. Also wanderte ich immer bis zum nächsten Abzweig, um zu schauen, ob sich das Wetter vielleicht bessert. Auch der Wald bot mir viel Schutz vor dem Wind und so konnte ich mich wieder mehr auf die Fotografie konzentrieren.

Die Route führte mich von einer Aussicht zur Nächsten. Mittlerweile hatte ich mich an das dauerhafte tröpfeln gewohnt und war glücklich, die ersten Herbstfarben entdecken zu können. Auch wenn hier noch sehr viel grün war, gab es vereinzelte Baumarten, die in knalligen Farben eingehüllt waren.

Und plötzlich, mitten drin, wurde es auf einmal windstill und leichte Nebelschwaden zogen in den Wald hinein. Ich hörte nur noch das Plätschern der Regentropfen und meine eigenen Schritte. Der Moment war einfach nur magisch. Ich griff zu Kamera und war überglücklich, doch noch etwas Nebel zu erwischen.

Entlang der Pionierklippe durch den Pioniertunnel:

Und so schnell wie der Nebel kam, war er auch wieder weg. Es war witzig zu sehen, dass er wirklich nur in diesem kleinen Waldabschnitt festhing. Für mich ging es nun aber erstmal weiter durch den Pioniertunnel zur Pionierklippe. Der Wanderweg auf dieser Strecke war etwas abwechslungsreicher und somit auch viel fotogener. Ich mag diese schroffen Felsen, die sich am Hang der Berge entlang schlängeln.

Stempelstelle 195: Köthener Hütte

Die Köthener Hütte stand schon seit Jahren auf meiner Liste der Orte, die ich besuchen möchte. Auch wenn es für ein Päuschen ungeeignet war, da es von vorne reinregnete, ließ ich es mir nicht nehmen, an diesem wunderschönen Fleckchen Erden einen kleinen Snack zu essen. Bei dieser Aussicht schmeckt es gleich noch viel mehr.

Feuersalamander im Harz:

Herbst, Regen, Harz – drei wichtige Zutaten, um diesen kleinen Wesen zu begegnen. Bisher entdeckte ich Feuersalamander nur in Wernigerode und in Thale, doch nun auch hier. Der Kleine bewegte sich wie in Zeitlupe über den Wanderweg und ich erschrak, als er plötzlich vor meinen Füßen in eine Starre verfiel. Wir hatten wohl beide nicht damit gerechnet, dass wir uns über den Weg laufen würden.

Über die Mägdetrappe zurück ins Tal nach Mägdesprung:

Nach dieser tierischen Begegnung ging es weiter in Richtung Tal. Die Hälfte der Wanderung lag hinter mir. Die Entscheidung doch alles zu erwandern, lag jetzt nicht mehr in meiner Hand, denn ab hier gab es keine Abkürzung zum geplanten Weg. Bisher war die Tour ein voller Erfolg, mal sehen was mich noch erwarten würde.

Auf der Wanderkarte sah ich bereits, dass mich die nächsten Meter neben der Landstraße entlang führten. Auch wenn das gar nichts für mich ist, gab es an diesem Tag keine Alternative dazu. Aber auch dieser Teil der Wanderung war alles andere als langweilig, denn jetzt wartete die Selketalbahn auf mich (auch wenn es nur ein zufälliger Schnappschuss war).

Diese Dampflok ist auch so ein Motiv, welches einfach nie langweilig wird. Schade, dass sie mich an diesem Tag überraschte und ich mir keinen geeigneteren Platz aussuchen konnte – aber in der Eile nimmt man, was man kriegt. Der Weg führte mich weiter entlang der Schienen zurück in den Wald. Links die Selke und rechts die Schmalspurbahn, was willste mehr.

Der Selkefall:

Ein Motiv, worauf ich mich an diesem Tag besonders freute, war der Selkefall. Die Farben waren zwar noch nicht ganz so knallig wie erhofft, aber man muss diesen Wasserfall einfach mitnehmen, wenn man daran vorbeiläuft. Egal ob man auf der rechten oder linken Seite des Wassers steht, er ist aus jedem Blickwinkel sehr fotogen.

Bahnhof in Alexisbad und Mägdesprung:

Ja ich weiß, der Beitrag hat schon Überlänge, aber ich kann euch beruhigen, wir kommen dem Ende jetzt ganz schnell entgegen. Insgesamt war ich mittlerweile sechs Stunden unterwegs und denkt nicht, dass es zwischendurch aufhörte zu regnen. Nein, es nieselte konstant vor sich hin und auf meiner Liste für diesen Tag standen nur noch die Bahnhöfe in Alexisbad und Mägdesprung. In Alexisbad war ich ziemlich schnell durch und in Mägdesprung fand ich eine kleine Hütte, die Bratwurst und Tee an einem heißen Kachelofen für mich bereithielt. Ihr könnt euch vorstellen, wie dankbar ich über die Wärme von innen und außen war. Es ist selten, dass die Kamera so schnell im Rucksack verschwindet.

So ihr Lieben, das war’s für heute. Beim nächsten Mal geht’s endlich in den Urlaub, das Fichtelgebirge rief nach mir. Bevor es aber im Camper gemütlich wurde, fuhr ich nochmal fix nach Sachsen. Wo es wohl hinging? Wenn ihr das erfahren wollt, dann lasst gern ein Abo da.

16 Kommentare zu „#156: Zwischen Alexisbad und Mägdesprung“

  1. Tolle Bilder! Als wir im Oktober dort waren und das verlassene Hotel in Alexisbad gesehen haben, hat es uns auch sehr leid getan, dass es leer steht. Und wir haben an dich gedacht. „Das wär was für Chrissi Wanderblende“ hab ich gesagt …😉

  2. Toller Bericht (und auch nicht zu lang), tolle Fotos! :-)) Hach, Nebel und Niesel, ich liebs, wirklich.

  3. Schöner Beitrag und coole Bilder. Bei dem Lost Place kribbelt es gleich bei mir… Sieht super interssant aus, schon von außen. Schade, dass sowas verfällt. Und ich glaub, du bist die einzige, die eine leere Straße, so fotografieren kann, dass es wirklich interessant aussieht 👍 Freu mich schon auf den nächsten Beitrag 😊

  4. Wundervolle Bilder, die allesamt begeistern! Selbst das verlassene Hotel hat seinen Charme vor deiner Linse behalten. Aber natürlich ist es schade, wenn ein so eindrucksvolles Gebäude einfach dem Verfall überlassen wird. Danke und weiter so! Liebe Grüsse, Elisa

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