#145: Stützerbach im Thüringer Wald

Endlich prognostizierte der Wetterbericht fette Wolken mit etwas Regen. Das wollte ich mir natürlich nicht durch die Lappen gehen lassen und daher entschied ich spontan einen Tag Urlaub zu nehmen. Diesmal sollte es nach Thüringen gehen. Ein Punkt auf der todo-Liste in diesem Jahr war, den Thüringer Wald näher zu erkunden.

Ankunft Wanderweg Stützerbach:

Von Tag zu Tag wich der Regen immer mehr in den Hintergrund – ob es wirklich die richtige Entscheidung war, extra loszufahren? In meiner Vorstellung wanderte ich am Morgen durch einen triefenden Wald. Doch als ich nach der zweistündigen Autofahrt ankam, war alles furz trocken – na prima. Aber ich steckte den Kopf nicht in den Sand, schnappte meine Ausrüstung und zog los.

Die ersten Meter im Thüringer Wald:

Bei mir entscheiden oft die ersten Meter, ob die Wanderung ein Erfolg wird. Meist war es bisher immer so, dass wenn der Anfang nicht so pralle war, der Rest irgendwie auch nicht überzeugt. Vielleicht liegt es dann auch an der Motivation. Hier war es so, dass der Wald mich direkt mit offenen Armen empfing. Auch wenn ein breiter Wanderweg nicht so ganz mein Geschmack ist, so wie sich der Weg hier durchschlängelte, war es großartig.

So langsam kam ich in Fahrt. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber ich muss mich immer erstmal „warm“ fotografieren. Wenn ich dann im flow bin, entstehen die Bilder fast wie von selbst. Ich versuche immer, den Betrachter tief mit in den Wald zu ziehen, so dass er denkt, er würde direkt neben mir stehen.

Die unzähligen Wald-Details waren wirklich unglaublich schön. Je länger ich auf der Suche nach ihnen war, desto mehr habe ich entdecken können. Vor allem die vielen Farne hatten es mir mal wieder angetan. Ich mag es total, wenn sie alles zuwuchern und man sich wie im Dschungel fühlt.

Die ganzen umgeknickten Bäumen waren größtenteils mit Moos bedeckt, was der Landschaft noch ein grüneres Äußeres schenkte. Leider kam ich an viele Stellen nicht näher heran, ohne den Abhang herunterrutschen zu müssen. Aber mit dem 28-70 mm konnte ich ganz gut reinzoomen. Und ob ihr es glaubt oder nicht, mittlerweile tropfte es mir sogar langsam von oben in den Nacken – zumindest für ein paar Minuten.

Wenn der Wald sich verwandelt:

Drei verschieden aussehende Waldabschnitte begegneten mir auf der gesamten Wanderung, die knapp neun Kilometer umfasste. Ich fand es faszinierend, weil es immer einen harten Cut gab. Als ob Mutter Natur mit dem Finger schnipste und zack, gab es eine neue Kulisse zu entdecken. Im nächsten Bereich wechselten sich vor allem die Farben braun und grün ab. Oberhalb des kleinen Baches gab es viele Brauntöne und unterhalb wucherte der Farn in einem herrlichen grün.

Das Highlight der gesamten Wanderung:

Langsam aber sicher schob sich die Sonne durch die Wolkendecke. Jetzt hieß es schnell sein und die kurzen Schattenmomente ausnutzen. Sowas ist immer der absolute Hass, wenn ich mir nicht die Zeit nehmen kann, die ich gern hätte. Ich versuchte an diesem Tag sogar das Licht mit ins Bild einzubauen, aber die Schatten waren einfach zu krass. Nicht umsonst gibt es den Spruch „Zwischen 11 und 3 hat der Fotograf frei.“ – wirklich jeder verflucht sie, die Mittagssonne 😂

Was sich hier auf ein paar Quadratmetern für Spots im Finsteren Loch tummelten, war der absolute Knaller. Ich hüpfte von einem Stein zum anderen und konnte es kaum fassen, wie idyllisch alles war. Da es hier sehr viel Laubwald gibt und der Spot vom Parkplatz aus nicht weit entfernt ist, muss ich die Ecke wohl im Herbst nochmal auf irgendeiner Runde mit einbauen. In Oberhof steht noch ein Moor auf dem Plan und vielleicht schaffe ich es, beides miteinander zu verbinden. Wäre die Sonne nicht nach einer Weile dauerhaft draußen geblieben, würde ich wohl heute noch dort stehen und meine Motive jagen.

So ihr fleißigen Leser, nun sind wir schon wieder am Ende angekommen. Ich befinde mich diese und nächste Woche im Urlaub, das heißt der nächste Blogbeitrag könnte sich noch ein gaaaanz klein wenig verzögern. Vor mir liegen knapp 300 Bilder, die ich dafür durchschauen und bearbeiten muss. Aber ich beeile mich, versprochen. Bis dahin wünsche ich euch ein paar schöne Sommertage.

16 Kommentare zu „#145: Stützerbach im Thüringer Wald“

  1. Nun, ich kann Ihnen versichern, dass ich wirklich Lust hatte, neben Ihnen im Wald zu stehen. Vielleicht stempeln manche deine Bilder als nichtssagend ab, weil sie nicht dem klassischen Postkartenmotiv entsprechen – dennoch schaffst du es immer wieder, den Zauber des Waldes naturgetreu einzufangen. Schönes Wetter ist schön, aber an einem bewölkten und regnerischen Tag durch den Wald zu wandern, gefällt mir auch. Vor allem, wenn ich das in den Ardennen oder wie so oft in den Alpenländern machen kann.
    Vielen Dank für diese wunderbare Einführung in diesen wildromantischen Wald und genießen Sie Ihren bevorstehenden Urlaub.

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  2. Ach das wohltuende Schweigen des Waldes tönt aus Deinen Bildern heraus, wie gut das Betrachten doch tut, bei dieser brüllenden Hitze! Und die Jägerkanzel strahlt ja so viel Heimeligkeit aus, als Kind habe ich mich so gern in solchen Jagdsitzen verkrochen, bin ganz verliebt in dieses Foto. Der Thüringer Wald hat einen ganz besonderen Zauber, ich bin vor zwei Jahren da mal Richtung Erfurt mit dem Zug durch, zum ersten Mal in meinem Leben, ich war ja auf unaussprechliche Weise so angetan, um so schöner, jetzt Deine Fotos betrachten zu können.
    LG von Astrolady

    Gefällt 1 Person

    1. Die Jagdsitze muss ich immer wieder fotografieren, sobald einer meinen Weg kreuzt ☺️ Und der Thüringer Wald ist zum entspannen wirklich wunderschön 😊 So viel grün an jeder Ecke, einfach klasse. LG Christiane

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