#144: Mit dem Heißluftballon über die Sächsische Schweiz

Alle Menschen mit Höhenangst sollten sich jetzt gut festhalten. Mein Traum war es, einmal mit dem Heißluftballon über die Sächsische Schweiz zu fahren, zum Sonnenaufgang. Im letzten Jahr zum Geburtstag kam ich der Sache etwas näher. Auf meinem Geburtstagstisch lag ein Gutschein für eine Fahrt an einem Tag meiner Wahl. Und kaum kletterte die Anzeige des Thermometers nach oben, buchte ich einen Termin und studierte die ganze Woche vorher das Wetter. Hoffentlich spielt es mit, dachte ich mir. Und dann kam es, wie es kommen musste – die erste geplante Fahrt viel aus, denn es war zu windig. Aber sie konnte direkt auf den nächsten Tag geschoben werden und diesmal sollte es klappen.

01:00 Uhr nachts klingelte der Wecker und eigentlich wälzte ich mich die letzten 3 Stunden nur noch von rechts nach links. Die Aufregung ließ sich nicht verbergen, immerhin fährt man nicht täglich mit einem Heißluftballon in bis zu 2000 Metern Höhe. Ich packte meine Sachen und checkte nochmal den Rucksack, ob auch wirklich nichts fehlte. Essen, Trinken, zwei Kameras, drei Objektive, Speicherkarten und Ersatzakkus. Lieber zu viel als zu wenig, dachte ich mir.

Ankunft in Pirna und Aufbau des Ballons:

Nach einer knapp zweistündigen Autofahrt kam ich in Pirna an und wir begannen damit, alles auszupacken und aufzubauen. Ich startete mit meinem Sigma 28-70 mm, um das Geschehen individuell einfangen zu können. Der Korb war für 9 Personen ausgelegt und zwei große Ventilatoren mit Benzinmotor sorgten dafür, dass der Ballon innerhalb kürzester Zeit mit Luft gefüllt wurde. Kurz darauf kam der Brenner zum Einsatz und der Riese stieg wie in Zeitlupe nach oben.

Ehe man sich’s versieht, ist man in der Luft:

Nun hieß es, schnell sein. Wir durften keine Zeit verlieren, hopsten alle in den Korb und während ich noch die ersten Bilder vom Brenner schoss, bemerkte ich gar nicht, dass wir bereits in der Luft waren. Das Abenteuer konnte endlich beginnen.

Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, wie es dort oben ist. Es kam mir vor, als stünde ich auf einem kleinen Balkon und blickte von einer Balkonbrüstung nach unten. Man merkt weder, dass es vorwärtsgeht, noch dass man steigt oder sinkt – zumindest ging es mir so. Ursprünglich hatte ich mich auf ein dauerhaftes Bauchkribbeln eingestellt und sogar Anti-Kotztabletten dabei. Im Flugzeug und auf Schiffen wird mir manchmal ein bissel komisch und man will ja nicht, das aus 1700 Meter Höhe… na ihr wisst schon 😂

Die perfekte war Höhe erreicht und zum Glück hatte ich zwei Kameras dabei. Ich wollte unbedingt vermeiden, auf engem Raum das Objektiv wechseln zu müssen. Es ist zwar möglich, fordert aber viel Kreativität, damit die anderen Leute im Korb nicht meinen Ellenbogen in den Rippen zu spüren bekommen 😉 An der einen Kamera hatte ich ein Sigma 100-400 mm dran und an der anderen ein Sigma 28-70 mm. Der Rand des Korbes wurde zusätzlich für das Tele als kleines Stativ umfunktioniert, Not macht erfinderisch. Und schon konnte es losgehen.

Ein warmer Sonnenaufgang:

Die Sonne war bereits über den Horizont gehüpft und tauchte die Landschaft in ein goldenes Licht. Hier oben ist dieses Erlebnis nochmal intensiver. Du hörst weder Vögel noch Autos, nicht mal den Wind. Einzig der Brenner gibt in längeren Abständen ein lautes Fauchen von sich, während sich die Nackenhärchen dabei erhitzen. Und während wir durch die Lüfte glitten, drehte sich der Ballon ganz langsam im Kreis. Man hatte also immer die Möglichkeit, in jede Richtung zu blicken und zu fotografieren.

Als der Pilot sagte, dass wir bereits seit fast 45 Minuten fuhren, war ich etwas erschrocken. Die Zeit hier oben raste förmlich. Nun mussten wir ganz langsam einen Landeplatz suchen. Und das war gar nicht so einfach wie gedacht. Wir verloren an Höhe und streiften mit unserem Korb die ersten Baumwipfel. Es kann einem schon mulmig werden, wenn man direkt auf einen Baum zusteuert. Aber man unterschätzt das Gewicht des Korbes, denn der drückt die Bäume sanft beiseite.

Mit zunehmender Sonne wurde das Fotografieren immer schwieriger, zumindest war es für meinen Geschmack mal wieder zu hell. Das war aber überhaupt kein Problem, denn so konnte ich ohne schlechtes Gewissen die Kameras verstauen und mich auf die Landung vorbereiten. Mir wäre es sonst echt schwergefallen, die Kamera beiseite zu legen, wenn die Bedingungen aus fotografischer Sicht noch länger perfekt gewesen wären. Die Landung selber war ein weiteres Highlight. Im Endeffekt gehst du einfach nur in die Hocke, bist Rücken an Rücken mit einem weiteren Passagier und hältst dich an den griffen vom Korb fest. Tja und dann hoffst du, dass der Korb nicht umkippt.

Wir hatten Glück und der Korb samt Ballon kippte nicht seitwärts. Der Wind schliff uns zwar noch etwas über den Boden, aber das war nicht weiter schlimm. Die gesamte Fahrt war ein voller Erfolg und ich kann nur jedem empfehlen, so eine Erfahrung mal mitzumachen.

Am Ende gebe ich allen Fotografen noch einen Tipp mit an die Hand. Nehmt am besten einen Brennweitenbereich von 16 – 200 mm mit. Alles über 200 mm wird mit dem Dunst etwas schwierig. Die besten Bilder sind bei mir mit dem 16 mm und dem 28-70 mm entstanden. In dem Bereich konnte ich den schönsten Kontrast festhalten. Und ansonsten, legt auch mal die Kamera beiseite und genießt den Moment. Ich weiß, als Fotograf sehr schwierig 😉

Seid ihr auch schon mal mit einem Heißluftballon unterwegs gewesen? Wenn ja, dann teilt gern eure Erfahrungen in den Kommentaren. Beim nächsten Mal nehme ich euch mit auf eine traumhaft schöne Wanderung durch den Thüringer Wald. Es wird extrem grün und wild, ihr dürft gespannt sein.

22 Kommentare zu „#144: Mit dem Heißluftballon über die Sächsische Schweiz“

  1. wow ein Mega Erlebniss und fotografisch genial festgehalten. Ich weiß nicht , ob ich mich trauen würde ein Ballonfahrt zu machen aber ein Highlight ist das sicher schon. Die Landschaft mal von oben zu sehen ist aufregend und mit einem Flugzeug nicht zu vergleichen. Man spürt sicherlich den Wind aber auch die Ruhe. Tolle Fotos ! von mir beide Daumen nach oben

  2. Bereits so viele schöne Bilder gesehen von die Sächsische Schweiz und jetzt auch noch diese mit den Ballon.
    Selfst hab ich auch ein mahl einen Ballonfahrt gemacht und ich weiss wie traumhaft es ist. Es war sicher eine unvergeslichen moment. Vielen Dand für das teilen von diese Bilder 🙂

  3. Kann mich nur anschließen: Das Abenteuergefühl hüpft quasi aus den ersten Bildern bis zum Start. Und dann sind es einfach wunderschöne Eindrücke! Und ganz besondere Motive, wie der Schatten des Ballons kurz vor der Landung.

  4. Wow, ein Bericht, der echt Lust macht, das auch mal zu versuchen. Von den vielen tollen Bildern mal abgesehen. Ich glaube ich schaue gleich mal, ob es sowas hier in der Nähe auch gibt.

  5. Toll!!! Ja, auch ich bin schon mal Ballon gefahren und liebe die Höhe! Die Ruhe und das sanfte Gleiten – einfach herrlich!!! Das hat mich zur Höhe gebracht … das nächste Event war ein Tandemsprung in Gera! Und letztes Jahr dann ein Paragleitenflug – Tandem in den Dolomiten. Ich liebe die Höhe! Folge sehr gerne deinen Blog und bewundere wie du mich immer mitnimmst. Vielen Dank und liebe Grüße aus Chemnitz

    1. Hi Grit, lieben Dank für dein Feedback. Höhe an sich mag ich auch ganz gern, solange ich irgendeinen festen Boden unter den Füßen habe. Springen würde ich nicht 😄 War bestimmt dennoch ein cooles Erlebnis. Viele Grüße aus Halle (Saale) zurück.

  6. Ja, ein super Erlebnis. Hab ich auch schon mitgemacht. Über meinen Heimatort und meinen Lieblings-Wanderberg. Den Wind spürt man nicht, weil man mit dem Wind fährt. Unsere Landung war damals etwas ruckelig, aber unproblematisch.

  7. Cool, das Du es so erleben durftest. Unsere erste Fahrt war am Windmaximum, die Landung daher ziemlich ruppig durch ein Feld voller Disteln. Aber mir hat’s Spaß gemacht. Und wie bei mir sind auch bei Dir richtig coole „Drohnenbilder“ heraus gekommen. Und wie sieht’s aus? Wirst Du noch einmal Ballon fahren? 😉

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