#137: Von Torfhaus zum Brocken

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Endlich war er weg, der Schnee. Ich musste zwar ein ganzes Weilchen warten, aber nach einem Blick auf die Webcams in den höheren Lagen, war ich bereit für die nächste Tour. Ich wollte Nebel und ein bisschen Regen dazu. Die ersten Prognosen im Harz und im Thüringer Wald sahen vielversprechend aus.

Es blieb bis zuletzt spannend. Ich verabredete mich mit dem lieben Pierre für Samstag in aller früh um 04:00 Uhr. Ich weiß, das sind Zeiten, aber ich kenne es ja nicht anders, wenn es auf Tour geht. 04:00 Uhr grenzt da teilweise schon fast an ausschlafen. Ich warf nochmal einen kurzen Blick auf das Sonne-Wolken-Radar und entschied mich spontan für den Harz. Die Luftfeuchtigkeit sah dort besser aus, als im Thüringer Wald, zumindest morgens für ca. 30-60 Minuten.

Ankunft Torfhausmoor:

Nach anderthalb Stunden Autofahrt parkten wir auf dem kleinen Wanderparkplatz in Torfhaus. Die ersten Nebelschleier konnten wir auf der Fahrt bereits entdecken und die Vorfreude wuchs mit jedem weiteren Meter. Als wir dann aber wenig später am Moor ankamen, verschwand sie schnell wieder, denn hier wollten sich die fetten Nebelschleier nicht so recht blicken lassen.

Mit entsetzen musste ich feststellen, dass sich auch hier der Borkenkäfer und die Dürren der letzten Jahre noch mehr bemerkbar machten. Vor allem dort, wo das Torfhausmoor losging. Vor zwei Jahren war hier verhältnismäßig viel Wald, doch mittlerweile konnte man die grünen Fichten zählen. Dafür passte die Wetterstimmung ganz gut, sodass wir ein paar apokalyptische Aufnahmen fotografieren konnten.

Über den Goetheweg in Richtung Brocken:

Eins muss ich dem Harz ja lassen: Er steckt immer voller Überraschungen. Zumindest hätte ich an dem Tag nicht erwartet, dass es doch nochmal richtig grün wird. Der Goetheweg war dafür perfekt, denn hier gab es vereinzelt immer wieder Ecken, die einem zeigen, dass eben doch nicht alles im Harz tot ist.

Der Wald ist unglaublich schnell im Wandel. Besonders gut konnte ich das in letzter Zeit am Oderteich beobachten – dort ist es mir extrem aufgefallen. In dem einen Jahr war das meiste noch kahl und knapp zwei Jahre später konnte man überall Neues entdecken. Ich hoffe, dass es sich im gesamten Harz ähnlich verhält und die Natur sich schnell von alldem erholt.

Dafür ist es in meinen Augen wichtig, dass man das Totholz liegen lässt. Ich bin zwar kein Experte, aber meiner Meinung nach kann sich darunter viel schneller neues Leben entwickeln, als wenn man alles aus dem Wald herausfährt. Der Boden wird so zumindest ein bisschen geschützt und die Sonne knallt nicht mit ihrer vollen Kraft darauf. Und außerdem geben diese alten Baumstämme coole Motive ab. Es muss ja auch etwas positives dabei sein.

Auf der Suche nach der Harzer Schmalspurbahn:

Den Goetheweg hatten wir geschafft, nun ging es auf dem neuen Goetheweg weiter in Richtung Brocken. Mein kleines Highlight ist hier das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahn, die man gerade in den frühen Morgenstunden entspannt fotografieren kann. Die HSB fährt um diese Zeit noch nicht und man kann sich in Ruhe ein paar Spots überlegen, um sie später mit der Bahn zu fotografieren.

Auch der Brockengipfel lässt sich auf diesem Weg perfekt ins Motiv mit einbauen. Gerade wenn sich die Schienen in einer passenden S-Kurve am Weg entlang schlängeln und dann die Brockenbahn angerollt kommt, macht mein kleines Fotografenherz große Sprünge. Was dabei herauskam, zeige ich euch nachher noch.

Auf dem Brocken:

Die letzten Meter auf der Brockenstraße sind meiner Meinung nach die schlimmsten auf dem Weg gesamten Weg nach oben. Man hat das Gefühl, es will kein Ende nehmen. Auch wenn ich mich nebenbei versuche mit der Kamera abzulenken, zähle ich jeden einzelnen verdammten Meter und bin heilfroh, wenn ich oben ankomme. Dann heißt es meist erstmal durchschnaufen.

Bei einem warmen Tasse Kakao genossen wir die Ruhe, bevor die erste Schmalspurbahn eintrudelte. Wenn die erstmal hier oben ist, wird es mit einem Schlag rappelvoll. Das ist dann auch meist der perfekte Zeitpunkt für den Abstieg. Ihr seht, es hat nur Vorteile, wenn man zeitig genug aufsteht.

Zurück nach Torfhaus:

Das Licht drängte mich immer mehr dazu, die Kamera beiseite zu packen. Der Himmel lockerte sich mit jeder weiteren Minute auf und die Sonnenstrahlen kämpften sich mit aller Macht durch. Ausgerechnet jetzt, wenn die Bahn den Brocken hochfährt. Ich wollte doch unbedingt an den ausgesuchten Spots noch ein paar stimmungsvolle Bilder schießen. Klar kann man das mit Sonne auch ganz gut festhalten, aber ihr kennt mich ja…

Die Bahn fuhr an uns vorbei, der Spot war perfekt, nur die Bedingungen ließen zu wünschen übrig. An sich war es nicht übel, aber diese hellen Stellen im Bild nerven mich irgendwie. Dafür hatte ich nun eine Location auf meiner Liste, wohin ich nochmal wandern kann, wenn das mit dem Wetter etwas mehr nach meinem Geschmack abläuft.

Auf dem letzten Stück ist aus fotografischer Sicht nichts weiter passiert. Außer es schob sich ein Wölkchen vor den gelben Ball am Himmel, dann reichte es für den ein oder anderen Schnappschuss. Aber mit Herzblut war ich nicht mehr dabei. Zeit, die Kamera einzupacken.

Ich hoffe, euch hat die Runde zum Brocken gefallen. Das nächste Mal geht’s zum Sonnenaufgang ins Vogtland. Wenn ihr wieder dabei sein möchtet, abonniert gern meinen Blog, um nichts zu verpassen. Ich warte bis dahin auf ein paar regnerische Sommertage, drückt mir die Daumen.

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14 Kommentare zu „#137: Von Torfhaus zum Brocken“

  1. Liebe Wanderblende,
    Erinnerungen an die Schulzeit und das Torfhaus kommen hoch ❤️ Später bin ich mehrmals mit meiner Arbeitsstelle Musikschule Wesermarsch in den Herbstferien mit 60 Schülern dort gewesen. Jedesmal gehörte eine Wanderung zum Brocken dazu.
    Erschreckend, wie der Wald stirbt 🙀 Frühe
    r war es der Borkenkäfer, heute das Klima 😥
    Viele Grüße
    Ariane

    Gefällt 1 Person

    1. Das freut mich sehr zu hören Ariane 🙂 Und das mit dem Wald ist wirklich heftig dort. Die Mischung aus beidem ist einfach zu viel. Ich hoffe, dass es diesen Sommer wieder etwas mehr regnet, damit die nachwachsenden Bäume nicht gleich wieder vertrocknen. Viele Grüße Christiane

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  2. Hallo, Wanderblende,
    Beeindruckende Fotos! Nun, bei größeren Abbildung kommen sie auch besser zur Geltung! Warum benutzt Du keinen helleren Hintergrund? Die Bilder kämen meines Erachtens dann besser zur Geltung.
    Viele Grüße Volker

    Gefällt 1 Person

  3. Die in der Tat erschreckend apokalyptische Stimmung hat aber irgendwie was morbid schönes, ich kann mir nicht helfen…. als du dann beim Goetheweg erfreulicherweise eine immer grüner werdende Stecke entdeckt hast, wird mir klar: die Natur wird sich erholen. Das sind nur Phasen. Ich will dran glauben!
    Auf Deinen Fotos hat der selbst kranke Teil des Waldes eine gewisse Ästhetik!
    LG von Astrolady

    Gefällt 1 Person

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