#18: Der Achtermann

Was machst du Samstag 06:30 Uhr bei -6°C? Richtig, du schnappst dir einen anderen Verrückten und fährst in den Harz. Und zwar nach Oderbrück zur Achtermannshöhe. Im Netz entdeckte ich eine 12 km lange Tour, die sich auf der Hälfte abkürzen lies. Übrig blieben in  etwa 8 km, bei dem Wetter völlig ausreichend. So zumindest der Plan…

Los geht’s in den Harz

Die Sonne brach durch die Wolkendecke und hüllte die Autobahn in ein warmes Licht. Halb 9 fuhren wir auf den ersten Parkplatz in Oderbrück. Nicht schlecht, was hier bereits los war. Keine freie Lücke, also auf zum Nächsten. Der war zwar auch gut gefüllt, aber weiter hinten gab es noch ein freies Plätzchen. Nachdem wir das Auto geparkt und unsere Ausrüstung auf dem Rücken hatten, konnte es losgehen.

Erst liefen wir in die falsche Richtung, bis wir in einer Ferienhaussiedlung waren. Wir drehten um und fanden nach ein paar Metern den richtigen Weg. Das Wetter war heute auf unserer Seite. Einige Wolken, dazwischen blauer Himmel, Schnee ohne Ende und Windstille. Neben uns floss die Oder entlang und überall hörte man ein leichtes plätschern. Etwas erholsameres gibt es wohl kaum.

 

Die Welt der Makrofotografie

Nachdem wir beide vom Weitwinkel auf unsere neuen 30 mm Objektive wechselten, sah die Welt für mich etwas anders aus. Meine Variante hat eine Makrofunktion, die ich zum ersten Mal testen wollte. Ich suchte mir die kleinen Schönheiten der Natur raus und nahm meine Umwelt völlig anders wahr. Jedem, der Detailaufnahmen aus der Natur mag, könnten die folgenden Bilder gefallen ;o) Für meinen ersten Versuch bin ich ganz zufrieden.

 

Weiter Richtung Aussichtsplattform Bodebruch

Besonders zauberhaft finde ich Waldlichtungen. Während ich meine Umgebung erkundete, blitzte im Augenwinkel etwas helles auf. Völlig begeistert versuchte ich mit meinem kleinen Tele einen passenden Bildausschnitt hinzubekommen. Ein prüfender Blick aufs Display und es war klar, dass mir der Weg durch den Schnee nicht erspart bleibt.

Meiner Kamera war an dem Tag definitiv nicht kalt. Ich hatte sie im Dauerbetrieb, denn überall glitzerte und funkelte es. Am schönstes finde ich die fluffige Hügellandschaft, welche durch den Neuschnee entsteht. Perfekt wird es, wenn die Sonne durch die Bäume blitzt und alles in ein warmes Licht taucht.

Ein paar Kilometer später erreichten wir die Aussichtsplattform. Beinahe wären wir dran vorbei gelaufen, da sie etwas abseits des Weges steht. Für mich war die Plattform an sich ein Highlight. Ich liebe diese kleinen Holzhütten, die im Schnee einen tollen Kontrast abgeben.

Nachdem wir uns alles angesehen haben, stellten wir fest, dass es aufgrund der Schneemassen nicht am Moor entlang ging. Die Gefahr, alles zu zertrampeln, ist viel zu groß. Eigentlich weisen Bolenstege einem den Weg, aber die liegen unter dem Schnee begraben. Ein kurzer Blick auf die Karte bestätigte uns, dass es eine Alternative gibt. Ob das der Grund war, weshalb wir am Ende doch auf 12 km statt 8 km kamen, weiß ich nicht.

An der Bode entlang ging es durch die wunderschöne Winterlandschaft. Wahnsinn wie viel Schnee hier gefallen ist. Auf dem Bild mit den Bänken und dem Tisch erkennt man das sehr gut.

 

Lasst uns gemeinsam in die Glaskugel schauen

Sven hatte sein zweites neues Spielzeug dabei. Ein kleine niedliche Glaskugel, die problemlos in seine Jackentasche passt und nicht viel Gewicht hat. Ich würde sagen, er ist Experte auf dem Gebiet. Was er mit seinen großen Kugeln alles fotografiert hat, ist Wahnsinn. Nun sollte die Neue ihre Premiere feiern, genau wie unsere Objektive am Anfang. Für mich ist die Fotografie mit der Glaskugel nichts, aber einen Versuch wagte ich trotzdem. Er hatte sie so schön platziert, da konnte ich nicht anders.

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Die Welt steht Kopf

Was man auf jeden Fall bei dieser Art der Fotografie hat, ist Aufmerksamkeit. Unmittelbar nachdem sie dort stand, hielten zwei Langläufer an und beobachteten uns gespannt. Auch später auf dem Achtermann sahen die Menschen begeistert zu.

Der Achtermann

Allmählich wurde es immer schwieriger durch den Schnee zulaufen. Wir bogen an einer Gabelung nach rechts, von der Zivilisation weit und breit nichts zu sehen. Der Schnee sah recht frisch aus, viele konnten hier nicht lang gelaufen sein. Sven hatte zum Glück eine Offline Karte auf dem Handy und ich bat ihn zu schauen, ob wir wirklich richtig sind. Nachdem ich gesehen habe, welche Strecke noch vor uns liegt, begann die Laune dezent zu sinken. Aber da mussten wir jetzt durch, der Weg zurück war noch länger.

Natürlich begann nun auch der Anstieg, was eigentlich klar ist, wenn man auf einen Berg möchte. Nach guten 7-8 km in den Beinen, trotzdem kein schöner Moment. Viele Worte tauschten wir nicht aus, aber der Ausblick entschädigte für einen kleinen Moment.

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Auf dem Weg zum Achtermann mit Blick auf den Brocken

Nach 2 km Anstieg lag nun der Achtermann direkt vor uns. Ihr habt keine Vorstellung was mir durch den Kopf ging, als ich nach oben schaute. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – mir klappte die Kinnlade einfach nur nach unten.

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Gib eine Beschriftung ein

Definitiv hatten wir das falsche Schuhwerk an, so wie viele andere. Der Großteil versuchte sich am Geländer festzuhalten, rutschte aber trotzdem weg. Ein Pärchen lief jedoch locker und flockig an uns vorbei. Der Blick fiel sofort auf deren Füßen und was sah ich, Schneeschuhe – seeeeehr praktisch. Was wir aber alle gemeinsam hatten, war der Humor. In der Situation kann man einfach nur lachen. Ich bin froh, dass fast jeder (der von oben runter kam) zu uns meinte, dass einen die Aussicht belohnt. Tja und was soll ich sagen, sie hatten Recht. Auf 925 m bekamen wir diese Aussicht auf den Brocken.

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Ballonlandung auf dem Brocken

Wir hatten nicht nur Glück mit dem Ballon, auf die Brockenbahn war ebenfalls verlass. Wir verfolgten die Rauchwolke, bis der Zug direkt vor der Wetterstation erschien. Klick, das Bild war im Kasten. Aber auch das gesamte Drumherum war wunderschön. Der Blick auf die Berge, vom Schnee umschlungene Nadelbäume und Geländer, Sonne satt, blauer Himmel und alles funkelt und glitzert.

Was ich euch nicht vorenthalten möchte, ist der Blick auf den Weg nach unten. Unsere Kameras verstauten wir selbstverständlich sicher im Rucksack. Eine weise Entscheidung, denn das ein oder andere Mal musste ich einen halben Spagat ausüben ;o)

Alles in allem hat sich die Anstrengung definitiv gelohnt. Im Winter hat man hier eine sensationelle Aussicht Richtung Brocken, Wurmberg und Torfhaus. Allmählich wurde es immer voller. Zeit für uns, die letzten 2 km abwärts in Angriff zu nehmen.

Zurück in Oderbrück angekommen, war Polen offen. Unbeschreiblich, wie viele Menschen unterwegs waren. Auf dem Weg abwärts nach Bad Harzburg staute es sich kilometerweit auf der anderen Fahrbahn. In der Luft hing ein „Duft“ von stark beanspruchten Kupplungen.  Alle paar Meter standen liegengebliebene Autos, für die der Berg nach oben, bedingt durch den Stau, scheinbar zu viel war. Wir haben mal wieder alles richtig gemacht: Heimfahrt während die anderen ankamen.

Zum Abschluss ging’s in Hexenwerk nach Bad Harzburg. Das Essen war top, der Service aber ein absoluter Flop. Das man 15 min. lang nicht beachtet wird, geht meiner Meinung nach gar nicht. Eigentlich wäre ich schon 5x gegangen, allerdings war im Umkreis alles zu und der Magen hing in der Kniekehle. Was willste da machen, außer warten ;o)

Eins steht für Sven und mich fest: Zum Achtermann fahren wir im Sommer erneut. Dann aber zum Sonnenaufgang, der ist nämlich zwischen Brocken und Wurmberg. Das könnte gut werden ;o)

Wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, folgt gerne meinem Blog (siehe Startseite). Ihr bekommt nur Infos, wenn ein neuer Betrag online geht ;o) Ich habe noch einiges für dieses Jahr geplant, ihr dürft gespannt sein.

5 Kommentare zu „#18: Der Achtermann“

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