#12: Von Torfhaus bis nach Treseburg

Der Ausflug zur Edmundsklamm steckte noch in den Knochen, da plante ich bereits meine nächste Tour. Die Richtung stand schnell fest. Ich durchforstete Google und bastelte mir in wenigen Minuten eine Rundfahrt zusammen:

Torfhausmoor – Radau Wasserfall – Oderteich – Kirche in Elend – Königshütter Wasserfall – Treseburg

Da ist ganz schön was zusammen gekommen, aber es soll sich ja lohnen. Der Harz hat einfach immer was Tolles zu bieten. Die Route stand fest, wollen wir mal sehen, wer sich mit anschließen möchte…

Wer hätte gedacht, dass ich 7 weitere Verrückte finde, die bei 0 Grad zum Sonntagmorgen mitkommen. Da wird der SUV wieder voll :o) Am 18.11. war es soweit. Der Großteil traf sich 05:00 Uhr in Halle (Saale), Flo und Sven sackten wir unterwegs ein. Zu 8. ging es also Richtung Oberharz. Unser erster Halt war das große Torfhausmoor.

Auf dem Weg dorthin, wurde es draußen immer eisiger. In Bad Harzburg erreichten wir -7 Grad C°. Da wird einem ja schon kalt, wenn man nur dran denkt. Gut dass ich die Sitzheizung an hatte. Ich hoffe, der Hintern dampft nicht, wenn ich aussteige. Sven schaute die ganze Zeit aus dem Fenster und grinste über das ganze Gesicht. Was wir dort erblickten, sah vielversprechend aus. Allmählich bahnte sich das Morgenrot durch die Dunkelheit, während die Wolken über den Bergen hingen.

Torfhaus am Fuße des Brocken

In Torfhaus angekommen, überraschte uns der Harz mit einem sensationellen Sonnenaufgang. Die Farben waren der Wahnsinn. Das Rot der Sonne gemischt mit einem leichten blauen Himmel und zarten Wolken davor. Darunter erstrahlte die Brockenstation als Silhouette. Wäre es nicht so verdammt kalt und stürmisch gewesen, hätte ich es mir auf einer Bank bequem gemacht. Meine Hände waren so durchgefroren, dass ich Schwierigkeiten hatte, den Auslöser zu drücken, trotz Handschuhe. Ich zog meine Mütze tiefer ins Gesicht und den Schal bis unter die Augen. Bei der Kälte wird selbst ein einfaches Objektiv wechseln zur sportlichen Aufgabe.

Die Bilder waren im Kasten, auf zum Moor. Ein zehnminütiger Weg führte uns von der Straße zum Ziel. Der Wind ließ nach, links und rechts türmten sich die Nadelbäume auf, es wurde endlich wärmer. Nach einigen Metern kamen wir am großen Hochmoor an. Wir überquerten den Bohlensteg und wurden mit einer fantastischen Aussicht auf den Brocken überrascht. Hier den Sonnenaufgang fotografieren, ist sicherlich auch was Feines. Notiert für die nächste Tour.

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Torfhausmoor

Auf der Suche nach Motiven, kniete ich mit Sven auf dem kalten Boden. Wir fanden im Moor ein paar vereiste Pfützen. Das klingt für euch bestimmt nicht spektakulär, aber sowas lässt sich prima als Vordergrund mit einbauen. Ein paar Meter später führte uns ein Kanal mit Wasser zu einer kleinen Brücke. Darunter gab es die ersten Eiszapfen, welche Sven unbedingt einfangen wollte. Wenn er ein Motiv entdeckt, gibt er alles, um es vor die Linse zu bekommen. Nicht selten ein lustiges Bild, aber dafür wird er auch belohnt. Später hing er sogar in einem Baum, weil der einen winzigen Wasserfall verdeckte. Es war ein Bild für die Götter.

Viele Motive gab es am Torfhausmoor nicht. Ich bin keine Schönwetterfotografin und mir fehlte einfach die Bildstimmung. Ich hatte so sehr auf Nebel gehofft.

Kurz vor dem Ende entdeckte ich einen kleinen Wasserfall und es war wieder Sven, der meine Euphorie teilte. Wir kletterten am Wasser herum, bis wir DIE perfekte Perspektive für uns fanden. Ich habe nicht gemerkt, wie schnell die Zeit verging, aber von den anderen war weit und breit nichts mehr zu sehen. Zeit, weiterzugehen. Wir liefen Richtung Besucherzentrum und mussten einen relativ kleinen Berg überwinden, der es aber in sich hatte. Sven machte sich erstmal eine Zigarette an, ich hatte auch ohne genug zutun ;o) Oben angekommen, spürte ich, wo die Lunge sitzt. Nach einer kurzen Frühstückspause, ging es zum nächsten Spot: Der Raudau Wasserfall

Die Lüftung stellten wir im Auto erstmal auf Sahara – Temperaturen ein. Zusätzlich glühte die Sitzheizung, während ich meine eisigen Hände unter die Beine schob und aufwärmte. Was für eine Wohltat. Nach ein paar Minuten bekamen sie endlich wieder eine gesunde Hautfarbe.

Der Radau Wasserfall

7 km später parkten wir direkt vor dem Wasserfall. Große Rücksicht war angesagt, damit wir alle unser Bild in Ruhe gestalten konnten. Ich testete viele verschiedene Perspektiven, aber erneut machte mir die Sonne einen Strich durch die Rechnung. Ich wartete, bis sie sich etwas hinter die Wolken verzog und knipste ein paar Bilder. Unglaublich, wie viel Eis bereits auf den Steinen am Wasserfall lag. Lange wird dort nichts mehr fließen, im Winter ist er teilweise komplett zugefroren.

 

Nächstes Ziel: Der Oderteich

Ursprünglich wollten wir ihn auf Grund des geringen Wasserstandes auslassen. Da wir aber eh dran vorbei fuhren, schauten wir kurz hin. Ich war schockiert, wie wenig Wasser tatsächlich vorhanden war. Hier hat der Sommer ordentlich zugeschlagen. Es sah so apokalyptisch aus, dass mich nicht gewundert hätte, wenn die Zombies gleich um die Ecke sprinten. Bis jetzt kam ich mit Wasserknappheit nie so sehr in Berührung, wie dieses Jahr. Überall wo man hin kommt, fehlt es. Ich zückte meine Kamera und hielt den Anblick fest. Für alle, die nicht wissen, wie voll er sonst ist, schaut euch dieses Bild an. Normalerweise steht es fast bis hoch. Schon Wahnsinn. Ein paar Minuten später hatten wir unsere Fotos geschossen, weiter geht’s Richtung Elend.

 

Elend, ein verträumtes Dörfchen

Dort erwartete uns die wohl kleinste Holzkirche Deutschlands. Sie lockt immer wieder viele Besucher an, was ich gut nachvollziehen kann. Auf meiner todo – Liste steht sie schon eine ganze Weile. Wir parkten auf einem kleinen Schotterplatz direkt davor. Zwei andere Fotografen stiegen ebenfalls aus ihrem Auto und einer davon starrte finster zu uns. Ich glaube, er hatte urplötzlich schlechte Laune, nachdem er merkte, dass sie nicht mehr alleine waren. Die beiden waren ziemlich putzig: Der eine gab klare Anweisungen wie sich der andere „natürlich“ bewegen und positionieren soll. Problem: Es war das unnatürlichste was ich je gesehen habe. Und alles husch husch… Hauptsache ein schnelles Foto. Naja jeden seins, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Zum Glück. Die Kirche jedenfalls war top. Klein, aber mehr als fein. Ich hätte nie gedacht, dass sie mitten im Ort steht. Ich hockte ich mich ins Gras, um immer wieder verschiedene Blickwinkel zu finden.

Es musste ein paar Tage vorher geregnet haben, denn der gesamte Boden war aufgeweicht. Entsprechend sahen meine Schuhe aus. Nur gut, das Niklas extra Gummimatten im SUV ausgelegt hat, die bekommt man besser sauber. Trotzdem musste der Großteil vom Schlamm vorher weg. Wir sprangen auf der Straße herum, schlürften mit den Füßen über den Boden und benutzten Bordsteinkanten um so viel wie möglich loszuwerden. Ich war mit dem Ergebnis ganz zufrieden und stieg ins Auto ;o)

Königshütter Wasserfall

Als nächstes ging es nach Königshütte. Schon auf dem Parkplatz zwinkerte mir das erste Motiv zu. Während die anderen zum großen Wasserfall liefen, kauerte ich auf der Wiese vor einem Kleineren. Eis und Wasser ist eine tolle Kombination. Das Motiv war im Kasten und mit schnellem Schritt lief ich die Treppen hoch. Am Wasserfall angekommen, die Enttäuschung. Genau wie am Oderteich fehlte unglaublich viel Wasser. Es tröpfelte ein kleiner Strahl den Berg hinunter, welcher im Auffangbecken landete. Davor entdeckte ich erneut die Kombination aus Wasser und Eis. Ich war so fasziniert, auch wenn sich der Großteil von uns dafür nicht interessierte. Ich sprang von Stein zu Stein und stellte mein Stativ so nah an den kleinen Wasserfall, wie es nur ging. Natürlich spritzte sofort Wasser auf die Linse. Gesehen hatte ich das erst auf dem Display. Sven bemerkte meinen Gesichtsausdruck und gab mir direkt ein Taschentuch, um die Tropfen zu entfernen. Nächster Versuch und der klappte. Das Bild war ohne Tropfen gespeichert, es konnte weiter gehen. Der letzte Stopp auf unserer Route stand an.

 

Treseburg

Im Auto schnaufte ich erstmal durch. Die Beine schmerzten leicht und durch den Rucksack spürte ich die anbahnende Verspannung in den Schultern. Augen zu und durch. Während ich aus dem Fenster sah, verdunkelte sich der Himmel ganz nach meinem Geschmack. ENDLICH. Es kann nicht finster genug sein, wenn ich unterwegs bin. Wir parkten direkt an der Bode und entdeckten die bekannten Häuser auf der anderen Seite des Flusses. Seit Ewigkeiten wollte ich mir das Örtchen ansehen, jetzt hat es endlich geklappt. Ich verkroch mich erneut ins nasse Gras, obwohl der Boden matschig war. Eine falsche Bewegung und man hängt bis zum Knöchel im Sumpfgebiet fest. Was tut man nicht alles für einen schönen Bildaufbau. Hier war aber auch sämtliches vorhanden, was man braucht: Wasser, Gras, Brücken, Struktur im Himmel…herrlich.

Der Ausflug war für mich ein voller Erfolg. Im Winter werde ich nochmal eine ähnliche Route planen. Mal sehen, wann ich euch darüber berichten kann ;o)

Wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, folgt gerne meinem Blog (siehe Startseite). Ihr bekommt nur Infos, wenn ein neuer Betrag online geht ;o) Ich habe noch einiges für dieses Jahr geplant, ihr dürft gespannt sein.

9 Kommentare zu „#12: Von Torfhaus bis nach Treseburg“

  1. Was für zum Teil gigantisch gute Fotos. Vor allem das fließende Wasser zum TEil ! Also hat jemand 100 % gegeben ! Auch wo die Sonne durch die Bäume blinzelt einfach nur toll.
    Was mich aber wundert es sind auch 2 oder 3 dabei die sind für mich unscharf ! Warum auch immer ! Schade dass man die nicht vergrößert anschauen kann !!!! Trotzdem kannst sagen es war ein voller Erfolg und dann auch noch bei der Kälte !!! Ich gratuliere !!!

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    1. Danke. Ich weiß leider nicht, warum du Herausforderungen hast, die Bilder in groß zu sehen. Ich habe Freunde gefragt und auch selber extern getestet, da geht es (Ausnahme sind die Einzelnen, die bereits groß sind).

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      1. Erzgebirge. Ich bin als Marcel Roth bei instagram 😜 Der Name hier ist Steinalt von tumblr. Kein Ahnung warum es das Anzeigt… Wahrscheinlich wegen WordPress.

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