#11: Quer durch die Dölauer Heide

Diesmal ging es auf Exkursion durch die Dölauer Heide, ein Waldgebiet am Rand meiner Heimatstadt Halle (Saale). Mit Niklas hatte ich einen perfekten Reiseführer, denn er ist in dem Stadtteil aufgewachsen.

Wir trafen uns zum Sonnenaufgang am Heidesee. Die Temperatur lag um den Gefrierpunkt, weshalb ich mir die Mütze tief ins Gesicht zog, während wir in Richtung See stiefelten. Unsere Hoffnung auf Nebel verpuffte schneller als gedacht, denn viel hing nicht über dem See. Dafür erstrahlte der Himmel umso schöner. Ich tastete mich vorsichtig über den rutschigen Holzsteg, der zum Ufer führte. Eine falsche Bewegung und ich wäre ins eisige Wasser gefallen. Nachdem ich die richtige Position gefunden hatte, rückte ich mein Stativ zurecht und schoss einige Bilder. Was für ein herrlicher Anblick bei diesen Temperaturen.

Der Heidesee

Wirklich viele Motive fand ich jedoch nicht, weshalb wir schnell wieder ins warme Auto stiegen.

Auf dem Weg in die Heide, düsten wir an einer verlassenen Bahnstrecke entlang. Ich bin gefühlte 100 Mal dran vorbei gefahren, aber diesmal hatte ich die Kamera dabei. Mit der Herbststimmung und dem gefrorenem Boden, konnten wir einiges rausholen. Der Raureif umschlang die kleinen Pflänzchen, was immer ein tolles Motiv abgibt. Mit Schnee stelle ich mir diesen Ort wunderschön vor, vielleicht sollte ich im Winter erneut vorbei schauen.

Im Anschluss ging es Richtung Waldkater, um das Auto abzustellen. Mit großen Schritten marschierten wir in den Wald, während mir Niklas ein paar gruselige Geschichten über die Heide erzählte. Als erstes stand der Heidefriedhof auf dem Programm. Wie passend. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier namenlosen Tote bestattet, welche in der Heide gefunden wurden. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Selbstmörder und Opfer von Gewaltverbrechen. Im Dunkeln möchte ich hier nicht alleine sein.

Wir liefen weiter zur Wolfsschlucht. Was für ein spekatukärer Name dachte ich mir, aber ganz so spannend war es nicht. Die Geschichte dazu schon: Früher trafen sich Küster und Pfarrer von Lettin, wenn Amtshandlungen in Nietleben-Granau vorzunehmen waren. Man bewaffnete sich mit Spießen, bevor man hindurch lief, um sich notfalls vor den Wölfen zu schützen. Ganz ungefährlich war es damals also nicht.

Wolfsschlucht

Nachdem wir die gefährliche Schlucht bezwungen hatten (natürlich ohne Spieß), führte uns der Weg zum Grabhügel  Nr. 27 mit einem rekonstruierten Steinkranz und Steinkisten. Über 35 bekannte Grabhügel gibt es dort, wovon bisher zehn untersucht wurden. Sie stammen aus der Schnurkeramik-Kultur und sind somit mehr als 4200 Jahre alt. Das nenne ich alt. Der Anblick ist teilweise echt skurril.

Grabhügel Nr. 27

Der Weg führte uns immer tiefer in den Wald in Richtung Himmelsleiter. Hoch ist sie, das lässt sich nicht abstreiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass man früher dachte, gen Himmel zu steigen, genau weiß ich das aber nicht. Wie gerufen lief eine Joggerin rasant die Treppe hoch, was für ein Timing. Durch sie wirkte die Leiter noch imposanter und ihre knallrote Jacke war ein gelungener Eyecatcher.

Himmelsleiter

Eigentlich wollte mir Niklas anschließend den Rehteich zeigen. Ein ganz kleiner Teich, mitten in der Heide. Unser Plan: Spiegelungen einfangen. Erst liefen wir am Teich vorbei, bis Niklas verwirrt sagte: „Eigentlich müsste er hier sein.“. Durch den heißen Sommer, war dort leider nichts mehr. Ich konnte gerade so erahnen, dass die riesige Kuhle vor mir normalerweise mit Wasser gefüllt ist. Es ist wirklich schlimm, wie sehr der Sommer die Natur verändert hat.

Mittlerweile hat mich mein Orientierungssinn alleine gelassen. Nur gut, dass Niklas da war, sonst würde ich vermutlich immer noch quer durch die Heide laufen ;o)

Zu guter Letzt wanderten wir zum Kellerberg. Auch zu ihm gibt es eine Geschichte: „Der Kellerberg, früher auch als Löchriger Berg bezeichnet, beherbergte die Heideförsterei, wo der „Heidereuter“, der Förster, wohnte. Mit ihm verbindet sich eine Sage: Der alte Förster wollte, als die Försterei 1815 nach Schkeuditz verlegt wurde, nicht aus dem zerfallenen Haus ausziehen. Er starb dort, fand aber im Grab keine Ruhe und geistert als Rehbock um den Berg. Kein Jäger kann diesen Bock treffen und Hunde bellen ihn nicht an. Der Name weist auf ehemals dort bestehende Keller hin, die aber bereits 1655 schon nicht mehr vorhanden waren. Anzeichen des ehemals in den Berg gebauten Kellers (daher die Namengebung) sind heute noch vorhanden.“

Quelle: https://m.halle.de/de/Verwaltung/Umwelt/Natur-und-Artenschutz/Wanderung-Naturlehrp-08436/40-Stein/

Tatsächlich befand sich mitten im Berg ein verschlossener Keller. Wirklich viel ist dort durch die Stäbe nicht zu erkennen, das war aber auch nicht schlimm, ich habe trotzdem einiges dazu gelernt ;o)

Gegen Mittag lagen 12 km hinter uns, Zeit nach Hause zu fahren. Ursprünglich hatte ich nur eine kleine Tour geplant, da es am nächsten Tag in den Harz ging. Wie so oft, dauerte es dann doch etwas länger ;o)

Gemeinsam durch die Heide

Wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, folgt gerne meinem Blog (siehe Startseite). Ihr bekommt nur Infos, wenn ein neuer Betrag online geht ;o) Ich habe noch einiges für dieses Jahr geplant, ihr dürft gespannt sein.

4 Kommentare zu „#11: Quer durch die Dölauer Heide“

  1. wow stellenweise ganz tolle Fotos dabei. Leider lassen sich durch „anklicken“ viele nicht vergrößern. Motive toll und am besten gefallen mir die Eisenbahnfotos bzw. die Gleise !!! Super gemacht !!!

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      1. gut ich mache keine einzelne Blöcke sondern setzte einzeln die Fotos in den Beitrag ! Meine Einstellungen in der Mediathek

        Große Vorschaubilder breite 150 / Höhe 150
        Mittelgroß = Breite 300 / Höhe 300

        Groß = Breite 1024 / Höhe 1024

        Vielleicht hängt das damit zusammen ?

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